Schlachter-Krieg Bei Tönnies geht's um die Wurst

Clemens Tönnies: Hier in seinem Nebenberuf als Aufsichtsratschef beim Bundesligisten Schalke 04. Foto: dpa
 

Ein Prozess wie ein Schlacht(er)feld: Die Eigner des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies ziehen gegeneinander vor Gericht. Ein Familienstreit mit schmutzigen Mitteln

RHEDA-WIEDENBRÜCK Ein Konzern, der Maßstäbe setzt: Über 16 Millionen Schweine wurden allein 2011 in den Betrieben der Tönnies-Firmen geschlachtet. Pro Jahr macht der größte deutsche Fleischkonzern fünf Milliarden Euro Umsatz. Unter anderem liefert er Aldi Schweinefleisch in diversen Zuschnitten. Und seit einiger Zeit amüsiert das Unternehmen Freund und Feind mit einer erbitterten Familienfehde, die zahlreichen Juristen ein Auskommen sichert.

Am Freitag trafen sich die Beteiligten einmal wieder vor Gericht. Es geht um nichts weniger als die Macht im Unternehmen. Die hat Clemens Tönnies, im Nebenberuf Aufsichtsratschef beim Bundesligisten Schalke 04. Allerdings hält der 57-Jährige nur die Hälfte der Anteile, genauso wie sein Neffe und Widersacher Robert Tönnies (35). Der Ältere beansprucht für seinenen Unternehmensteil doppeltes Stimmrecht – warum genau, muss er jetzt dem Gericht erklären.

Für den machtbewussten Clemens Tönnies ist die Sache vermutlich klar: Er war es, der die Fleischgroßhandlung seines mittlerweile verstorbenen Bruders zu einem weltweit operierenden Anbieter hochpäppelte. Sein Neffe dagegen – was hat der schon fürs Unternehmen getan? Robert dagegen sieht die Sache anders, wirft dem Onkel „Undank“ vor, schreibt schon mal einen offenen Brief an die Belegschaft, in der er seine Sicht des Familienstreites darlegt.

Weitere Zeugen des Verfahrens sind Roberts Bruder Clemens junior und beider Mutter. Sie ist die Witwe des Firmengründers Bernd Tönnies, der später seinen Bruder Clemens ins Geschäft holte und mit 40 Prozent beteiligte. Nur weil Robert und Clemens junior ihrem Onkel vor rund fünf Jahren je fünf Prozent der Anteile schenkten, gibt es überhaupt das Patt bei Tönnies. Das Geschenk dürften die beiden heute bitter bereuen. Eine Rolle bei der Übertragung der Anteile soll der Steuerberater Josef Schnusenberg gespielt haben, der nach Bernds Tod als Testamentsvollstrecker fungierte.

Inzwischen streitet fast jeder mit jedem. Robert fordert, die Anteilsschenkung an seinen Onkel rückgängig zu machen. Der habe am Konzern vorbei seine eigenen Geschäfte gemacht. Schnusenberg wiederum verlangt von Robert und seiner Mutter angeblich ausstehende Testamentsvollstrecker-Gebühren in einstelliger Millionenhöhe. Im Gegenzug hat Robert den Steuerberater auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagt.

Eine Schlammschlacht vom Feinsten. Offiziell kommentiert kein Beteiligter die Vorgänge, dafür werden umso freigiebiger Gerüchte gestreut. Und es tauchte in den Medien ein Gutachten auf, wonach Robert Tönnies in seiner Diplomarbeit die Prüfer getäuscht habe. Das postwendend erstellte Gegengutachten kam zu dem Schluss, für eine Aberkennung des Diploms aus dem Jahr 2004 bestehe kein Grund.

Hintergrund dieses Nebenkriegsschauplatzes ist eine Klausel im Testament von Bernd Tönnies. Angeblich heißt es darin, die Nachfolger im Unternehmen müssten eine handwerkliche und eine kaufmännische Ausbildung haben. Eine verpatzte Diplomarbeit seines Neffens käme Clemens Tönnies deshalb wohl durchaus entgegen. sun

 

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