Schauspielerin über TV-Serie "Um Himmels Willen" Nina Hoger: "Die Serie macht aus den Pinguinen Frauen mit Herz und Verstand"

Schwester Theodora (Nina Hoger) aus Oldenburg will Mutter Oberin des Ordens der Magdalenerinnen werden Foto: ARD/Barabara Bauriedl

"Um Himmels Willen" ist eine der meist gesehenen Serien in Deutschland. Seit Anfang März wird bereits die 13. Staffel ausgestrahlt. Diesmal bekommt es die Mutter Oberin aber nicht nur mit dem fiesen Bürgermeister zu tun, sondern auch mit einer internen Konkurrentin, gespielt von Nina Hoger. Wie religiös die Schauspielerin tatsächlich ist, hat sie im Interview verraten.

Berlin - Nina Hoger (52, "Die Dienstagsfrauen") ist in den kommenden Folgen der Erfolgsserie "Um Himmels Willen" (Dienstags, 20.15 Uhr, Das Erste) als Schwester Theodora (Nina Hoger) aus Oldenburg zu sehen. Die Neue will Mutter Oberin des Ordens der Magdalenerinnen werden. Dafür liefert sie Oberin Louise von Beilheim (Gaby Dohm) einen Wahlkampf, von dem selbst Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper) noch etwas lernen kann...

Mit der Nachrichtenagentur spot on news hat die in Hamburg geborene Schauspielerin über den Erfolg der TV-Serie gesprochen. Wir haben der meinungsstarken Tochter von Schauspielerin Hannelore Hoger (71) aber auch die Gretchenfrage gestellt und wollten zudem wissen, was sie von der Legalisierung von Marihuana und vom Schlankheitswahn in ihrer Branche hält.

Frau Hoger, die Gretchenfrage: Wie halten Sie's denn mit der Religion?

Nina Hoger: Ich bin überhaupt kein gläubiger Mensch, gehöre keiner Konfession an und wurde auch nicht getauft. Man könnte sagen, ich bin eine klassische Heidin. Ich glaube nicht an Gott, dafür aber an Liebe, Humanität, Vertrauen, den respektvollen Umgang miteinander. Jede Form von Fanatismus entsetzt mich dagegen sehr. Auch die christliche Geschichte ist eine sehr blutige, mit der ich mich nicht identifizieren möchte. Was ich dagegen schon verstehen kann, ist dieses Bedürfnis nach einem Ort, an dem sich Menschen treffen können, die verzweifelt sind oder gemeinsam trauern wollen.

Für den letzten großen Skandal sorgte Bischof Tebartz van Elst. Glauben Sie, er ist ein Einzelfall?

Hoger: Das Menschen gierig sind und sich auf Kosten anderer bereichern, ist wohl eine menschliche Eigenschaft. Das gibt es in jedem Bereich, also natürlich auch in der Kirche. Viel schlimmer finde ich aber die Missbrauchsfälle, das hat eine ganz eigene Dimension.

Könnten Sie sich eine Auszeit in einem Kloster vorstellen?

Hoger: Ich kann das Bedürfnis nach Entschleunigung und Besinnung auf sich selbst abseits der Konsum- und Leistungsgesellschaft, gut verstehen. Für mich persönlich wäre es aber nichts. Ich gehe immer in die Natur, wenn ich mich entspannen will. Ich lerne im Wald Texte und im Herbst bin ich stundenlang beim Pilzesammeln. Am Meer bin ich auch sehr gern. Von Bergen bin ich dagegen nicht so ein Freund, weil mich die Täler melancholisch machen - oben am Berg ist es natürlich schon toll.

Könnten Sie sich vorstellen, auf den Spuren von Hape Kerkeling eine Pilgerreise zu machen?

Hoger: Ja, weil das etwas Meditatives hat. Außerdem ist man dabei allein und doch nicht allein.

Die Serie "Um Himmels Willen" ist extrem erfolgreich. Was ist das Quoten-Geheimnis?

Hoger: Ich denke, es liegt an der Besetzung. Außerdem werden die Geschichten so liebevoll erzählt. Faszinierend ist sicher auch, dass Nonnen mal ein bisschen weltlicher dargestellt werden. Die Serie macht aus den Pinguinen Frauen mit Herz und Verstand.

In einer Folge der neuen Staffel tritt Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper) in den Hungerstreik. Käme das für Sie infrage?

Hoger: Wir behandeln das Thema zwar komödiantisch, eigentlich ist es aber ein sehr ernstes Thema, bei dem sich die Menschen auch großen Schaden zufügen können. In so einer Situation war ich zum Glück noch nie.

In Ihrer Branche ist Essen ein wichtiges Thema und nicht selten sind vor allem Kolleginnen zu dünn. Wie halten Sie es damit?

Hoger: Ich versuche einfach, mich gesund zu ernähren, und stopfe nicht wahllos Dinge in mich hinein. Hungern kommt für mich nicht mehr infrage, die Zeiten sind vorbei. Der Druck ist aber nach wie vor sehr groß, denn in meinem Beruf werden gerade Frauen sehr nach ihrem Aussehen beurteilt.

In einer anderen Folge leidet ein junger Mann unter dem Tourette-Syndrom. Unter anderem hilft ihm Marihuana. Was halten Sie von Marihuana als Medikament?

Hoger: Ich bin ein absoluter Gegner von jeglichen Drogen. Das ist eine Pest. Ich habe zu viele Menschen in meinem Leben gesehen, die drogenabhängig waren. Wenn es aber als Medikation hilft, warum nicht, solange es kontrolliert abläuft.

Wenn das Leben nicht so läuft, wie man es geplant hat... Sind Sie eher dafür, das Schicksal anzunehmen oder zu kämpfen?

Hoger: Das Leben kann man nicht planen. Ich bin aber immer dafür, aus der Opferrolle herauszugehen und zu handeln.

In der Folge "Liebesgeflüster" geht es auch um Internet-Dating. Wäre das etwas für Sie?

Hoger: Nein, überhaupt nicht. Ich kenne schöne Beispiele, mir fehlt dazu aber das blinde Vertrauen ins Internet. Was mich auch echt erschreckt, sind diese Shitstorms. Menschen flüchten sich in die Anonymität und machen von dort aus andere fertig. Das ist eine Form der Denunziation, die ich sehr gefährlich finde.

 

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