Schauspielerin im Interview Michaela May: "40 Prozent einer Karriere sind Glück"

"Die Leute können teilweise die Dialoge auswendig": Michaela May erinnert sich gern an ihre Rollen bei Helmut Dietl, etwa als Königin Kathi (mit Paul Hubschmid) in "Kir Royal". Foto: imago

Michaela May wird 65. Hier spricht sie über ihre Rollen – und die Serien mit Helmut Dietl, auf die sie immer noch angesprochen wird.

Sie ist dann mal weg. Freilich nur vorübergehend. Ihren 65. Geburtstag feiert die Münchner Schauspielerin Michaela May mit ihrem zweiten Mann, dem Regisseur Bernd Schadewald, und den beiden Töchtern (sie leben in London und Berlin) in Österreich. Ganz für sich, ganz familiär.

Gerade hat sie eine Theatertournee beendet, im Sommer stehen Dreharbeiten für einen Fernsehfilm an, im Herbst geht es wieder auf die Bühne. Für ein Geburtstagsgespräch nahm sie sich die Zeit.

Grüß Gott, Frau May, Sie haben schon so viele Figuren gespielt. Welche Rollen würden Sie noch richtig reizen?
MICHAELA MAY: Wenn man so viele Rollen gespielt hat, hat man viele Leben gelebt. Und die Welt ist immer noch offen für neue Leben. Die Geschichten, die das Leben spielt, sind unendlich. Und je tiefgründiger solche Geschichten sind, umso interessanter.

Sie können sich nicht vorstellen, beruflich kürzer zu treten?
In diesem Beruf zu arbeiten ist ein Geschenk, eine Freude. Es ist auch ein so großes Lebenselixier, das ich nicht missen möchte.

Sie haben es in Ihrer langen Karriere geschafft, nie wirklich weg zu sein. Wie erklären Sie sich das?
Ich habe immer versucht, mich nicht in eine Schublade drängen zu lassen. So dass man nicht sagen kann: „Die macht nur Krimi“ oder „Die macht nur Pilcher“ oder „Die macht nur Serien“. Was mich besonders freut ist, dass ich nicht nur mit einer Rolle in Verbindung gebracht werde – wie mit dem „Polizeiruf“ oder mit der Susi aus den „Münchner G’schichten“ -, sondern dass die Leute einfach sagen: „Ich kenne Sie vom Fernsehen.“ Das ist es, was wir erreichen wollen: Dass wir Freude bringen und dass wir geliebt werden. Das ist ein schönes Gefühl.

Werden Sie auf Ihre Rollen aus den Helmut-Dietl-Serien noch am häufigsten angesprochen?
Das Frappierende an den „Münchner G’schichten“ oder sämtlichen Dietl-Serien ist, dass diese schon 40 Jahre zurückliegenden Serien immer noch so präsent in den Köpfen der Menschen sind. Nicht nur in Bayern. Das wundert mich. Die Leute können teilweise die Dialoge auswendig. Das ist mir mit keiner Serie so langfristig, so nah und so intensiv passiert wie mit den Dietl-Geschichten.

Waren die Dietl-Serien Ihre Highlights?
Ich mochte meinen „Polizeiruf“ mindestens genauso gerne. Mein letztes Highlight war „Das Familienfest“, wofür wir den Deutschen Fernsehpreis gekriegt haben. Ich möchte auch gar nichts herausgreifen, weil jeder Teil der Karriere wichtig für mich in meiner Entwicklung war. Wenn etwas erfolgreich war und immer in eine Richtung ging, habe ich ja auch immer wieder versucht auszubüxen und neue Wege zu gehen. Nach der bayerischen Ära mit Dietl- und Bogner-Filmen bin ich nach Hamburg gegangen und habe Theater gespielt und dann nach Paris und habe eine französische Serie gedreht. Es gab ein paar Stationen in meinem Leben, an denen ich versucht habe, die Eingleisigkeit in eine Mehrgleisigkeit zu verwandeln. Das war, glaube ich, nicht falsch.

Gehört viel Mut dazu, eine solche Weiche neu stellen?
Man braucht den Mut, Nein zu sagen und neue Wege zu suchen. Ich habe immer etwas beendet, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Ich hatte das Glück und habe die Erfahrung gemacht, dass dann immer neue Türen aufgingen. Ich hatte keine Angst, dass es nicht weitergehen könnte. Angst ist – wie in der Liebe – ein Hemmschuh.

War es damals einfacher, als es das für junge Leute heute ist?
Man kann das nicht vergleichen. Es gibt wesentlich mehr Sender und mehr Schauspielschulen. Durch die Vielfalt an Privatsendern und auch das Internet haben es die jungen Leute heute schwerer, einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen. Die Möglichkeit einer schnellen Bekanntheit durch eine Rolle oder einen Film ist geringer. Was sich nicht verändert, ist, dass sich meistens eine besondere Begabung doch durchsetzt. Man braucht auch weiterhin den Willen, es unbedingt tun zu wollen, und eine Portion Glück. 40 Prozent einer Karriere sind Glück. Aber das war schon immer so. Die richtige Rolle im richtigen Alter von den richtigen Regisseuren angeboten zu bekommen, das ist eine Glückssache. Das ist nicht nur Können und Aura und Charisma. Das ist auch das, was das Schicksal für einen vorgesehen hat.

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