Schauspieler im Interview Edgar Selge und Franziska Walser: "Unser Glücks-Rezept"

"Gespräche mit Franziska erfüllen mich", das sagt Schauspieler Edgar Selge über seine Frau Franziska Walser. Seit 37 Jahren leben, lieben und spielen sie zusammen. Foto: dpa

Franziska Walser (63) und Edgar Selge (67) sind seit 37 Jahren glücklich – wie das? Im AZ-Interview sprechen die beiden über ihre Beziehung und gemeinsame Träume.

München - "Haben Sie da meinen Namen drauf geschrieben?", fragt Edgar Selge entzückt, als die Bedienung ihm seinen Milchkaffee serviert. Der Buchstabe "E" ist mit Schokoladenpulver auf dem Schaum zu lesen. Die Kellnerin ist perplex: "Äh. Sie sind hier im Elysée-Hotel", erklärt sie verdattert und bringt seiner Frau, die neben ihm sitzt, einen Tee. "Typisch. Schauspieler beziehen ja gerne mal alles auf sich", sagt Franziska Walser und zieht amüsiert eine Augenbraue nach oben. "Also bitte! Würdest Du das nicht denken, wenn da Deine Initialen stehen würden?", fragt Selge. Franziska Walser nimmt ihren Teelöffel und modelliert den Milchschaum so um, dass aus dem "E" ein "F" wird: "Du hast recht. So ist’s viel besser."

Die beiden Schauspieler sind seit 37 Jahren ein Paar. Im Gespräch mit der AZ sind sie einander so zugewandt und wirken so interessiert an dem, was der jeweils andere sagt, als hätten sie sich eben erst kennengelernt.

AZ: Frau Walser, Herr Selge, zwei Schauspieler, zwei große Egos. Wie kann so eine Beziehung so lang gut gehen? Verraten Sie ihr Glücks-Rezept?

WALSER: Man braucht Platz. Das meine ich in Bezug auf den Raum – aber auch den Platz zwischen einander.

SELGE: Dieser Raum ist nötig, damit man sich immer wieder mit Neugierde begegnen kann. Ich denke, unser Glücks-Rezept ist es, dass wir gerne miteinander spielen. In jeder Hinsicht. Sowohl im Beruf als auch im Leben.

In der Zeit, in der Sie gemeinsam vor der Kamera stehen, wohnen Sie in getrennten Hotelzimmern. Warum?

WALSER: Das erhöht die Spannung, wenn man aufeinandertrifft. Man ist mehr bei sich selbst, und wenn wir uns morgens am Büffet im Frühstückssaal begegnen, sind wir sehr achtsam, konzentriert und höflich miteinander. Ich empfinde dieses Rollenspiel als großes Glück.

Ist es eine Art Therapie?

SELGE: Wenn man zusammen lebt, entwickelt sich so etwas wie eine Alltagswurschtigkeit, eine Normalität, die einen träge macht. Dieses Hickhack des Alltags, das man miteinander erleidet, hat beim Dreh keinen Platz. Deshalb stellen wir uns selber wieder auf null, auf fremd, damit wir uns neu entdecken können. Ich genieße es sehr, mit Franziska zu arbeiten. Generell ist die Arbeit das einzig Unproblematische in meinem Leben. Alles drum herum ist eher schwierig.

Nehmen Sie im Leben Ihren Mann immer so, wie er ist?

WALSER: Ich halte es für eine fatale Absicht, einen Menschen ändern zu wollen. Ich weiß auch nicht, ob das geht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man sich selber ändern kann, auch wenn man es so gerne möchte.

Herr Selge, versuchen Sie gelegentlich, Ihre Frau zu ändern?

SELGE: Hm.

WALSER: Du schon eher.

Streiten Sie leidenschaftlich oder eher sachlich nüchtern?

SELGE: Beim Streiten will man eine Wirkung sehen. Ich gehe soweit, bis der andere mich spürt. Da kann es auch schon einmal lauter werden. Wichtig ist, dass man dennoch den Respekt wahrt.

WALSER: Kritik oder Streit ist nichts Negatives. Ich sehe es als eine Art Beziehungshygiene. Man sollte solche Dinge nicht in sich vergraben, sondern offen sein, sich selbst zu erklären. Am Ende stelle ich oft fest, dass der Grund meines Genervtseins in mir selber liegt.

SELGE: Indem ich meinen Unmut formuliere, werde ich im Idealfall auf meine eigenen Muster hingewiesen. Diesen Mustern würde ich gerne entkommen. Das ist die Hauptarbeit meines Lebens.

Welchem Muster würden Sie denn gerne entkommen?

SELGE: Dem Muster, sich zu schnell angegriffen zu fühlen, zum Beispiel. Ich neige dazu, alles immer auf mich zu beziehen. Das hat man ja eben bei der Tasse mit dem Milchschaum schon gesehen.

Frau Walser, was gefällt Ihnen an Ihrem Mann?

WALSER: Das wechselt. Gott sei Dank! Grundsätzlich ist der Edgar für mich jemand, bei dem ich spüre, dass er Lust auf Entwicklung hat. Das war und ist eine große Sehnsucht von mir und da treffen wir uns.

SELGE: Ich mag an der Franziska, dass sie so viel liest.

WALSER: Ich schlafe viel schlechter als Du. Deswegen lese ich nächtelang.

SELGE: Und dann erzählt sie mir, was sie gelesen hat und ich höre dem sehr gerne zu. Ich höre ihr überhaupt gerne zu. Wenn wir ins Theater gehen – wie gestern Abend – schwänzen wir danach häufig die Premierenfeiern, weil sie mit langweiligem Smalltalk verbunden sind. Es ist viel schöner für mich, hinterher mit Franziska in ein Restaurant zu gehen und zu hören, was sie über das Stück zu sagen hat. Nach seichtem Party-Geplauder fühle ich mich leer, Gespräche mit Franziska erfüllen mich.

Sie sagen, Sie entwickeln sich gemeinsam. Gibt es einen konkreten Traum, den Sie zusammen verwirklichen wollen?

SELGE: Wir haben schon einige Träume verwirklicht.

WALSER: Auch die Kinder waren ein Traum. Unser Haus in München war auch so ein Traum.

SELGE: Der Wunsch, Kinder zu haben, hat uns als Paar zusammen geführt. Jakob (35) und Maria (32) sind Wunschkinder. Die beiden und unsere Arbeit füllen unser Leben voll aus. Wir brauchen keine Hobbys.

 

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