Schalke 04 Tönnies bleibt Aufsichtsrat

Die Jahreshauptversammlung bei Schalke 04 dauert sieben Stunden. Tönnies: 'Ich will die Gräben zuschütten – und wenn ich dafür den größten Bulldozer der Welt anschaffen muss."

 

Gelsenkirchen - Clemens Tönnies ist auf einer turbulenten Jahreshauptversammlung des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 erneut in den Aufsichtsrat gewählt worden. Für den Fleischfabrikanten aus Rheda-Wiedenbrück, der seit 1994 im Aufsichtsrat sitzt und ihn seit 2001 führt, votierten 4496 der 5778 stimmberechtigten Mitglieder.

Nach der siebenstündigen Versammlung in der Schalker Arena wurde der 57-Jährige von dem Kontrollgremium als Vorsitzender bestätigt. 'Ich will die Gräben zuschütten – und wenn ich dafür den größten Bulldozer der Welt anschaffen muss", sagte Tönnies nach hitzigen Diskussionen vor allem um den umstritten Vertrag mit der Ticketbörse Viagogo. Nach seiner Wiederwahl bis 2016 drohte er gar mit seinem Rückzug: „Wenn das der Umgang ist, den wir in Zukunft pflegen, dann verspreche ich, dass das die letzte Wahl war, der ich mich gestellt habe. Ich habe das erste Mal das Gefühl erlebt wie ein Spieler, der ausgepfiffen wird.“ Die Wahlen, bei denen auch der Unternehmensberater Peter Lange in den Aufsichtsrat rückte, fanden erst nach viereinhalb Stunden statt. Zuvor war über zwei Stunden lang über den Viagogo-Deal diskutiert worden. Der Klub kassiert 3,6 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren dafür, dass das Unternehmen pro Jahr 3000 Karten mit maximal 100-prozentigem Aufschlag weiterverkaufen und alle Ticketverkäufe von Fan zu Fan übernehmen darf. Vor allem die Vorstandsmitglieder Peter Peters (Finanzen) und Alexander Jobst (Marketing) bekamen harsche Kritik zu hören. „Wirtschaftlich ist es für uns ein lukrativer Sponsorenvertrag“, verteidigte Jobst den Deal. Der ehemalige FIFA-Angestellte erklärte, man werde genau prüfen, ob „Abzocke“ stattfinde. Es gebe eine Klausel, den Vertrag bereits nach zwei Jahren zu kündigen. Peters präsentierte in seinem Bericht die Zahlen des Geschäftsjahres 2012: Mit 190,8 Millionen Euro habe der Bundesliga-Vierte den zweithöchsten Umsatz in der Vereinsgeschichte erreicht. Trotz eines Minus von 8,9 Millionen Euro wurden die Finanzverbindlichkeiten um zwölf auf 173,1 Millionen Euro gesenkt. „Schalke ist gut aufgestellt“, sagte Peters. Trotz der harschen Kritik wurden Aufsichtsrat und Vorstand entlastet. In den Ehrenrat wurde unter anderem der frühere Torjäger und Nationalspieler Klaus Fischer gewählt.

 

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