Satansjünger in Franken? Zum Gruseln: Abgebrannt - Das Exorzisten-Haus

Nun ist das Haus, in dem Anneliese Michel starb, abgebrannt. Mancher Betrachter sieht am Balkon eine Gestalt. Sie auch? Foto: main-netz.de/Reister

Am 6.6. brennt ein Haus im fränkischen Klingenberg ab - dort war die junge Anneliese Michel nach einer Exorzismus-Behandlung gestorben. Waren hier Satanisten am Werk?

Klingenberg - In der 6000-Seelen-Gemeinde Klingenberg (Unterfranken) kehrt die Vergangenheit zurück. Nach drei Bränden in einer Woche halten sich standhaft Gerüchte, dass jugendliche Satansjünger am Werk waren. In Klingenberg hat das eine ganz besondere Bedeutung.

Vielleicht war es ja tatsächlich nur der fahrlässige Umgang mit Grablichtern, der das Sägewerk und die angrenzende Villa in Schutt und Asche legte. Möglich ist es, weil so eine Kerze von der Polizei sichergestellt und als möglicher Brandauslöser in Frage kommt. Vielleicht waren es aber doch die drei Jugendlichen, die in der Nähe des Brandortes gesehen wurden.
Waren es Anhänger des Satanskults? Die Mutmaßungen im Dorf überschlagen sich.

Wenn die religiöse Variante ins Spiel kommt, dann hatten sich die vermummten Gestalten den richtigen Tag ausgesucht, um das unheimliche Haus in Klingenberg (Unterfranken) niederzubrennen. Der 6.6. 2013. Die Quersumme der Jahreszahl liefert die dritte 6, das biblische Zeichen des Teufels.

In der zerstörten Villa lebte früher die Familie Michel. Das ist lange her – und nach ihr wollte keiner mehr einziehen. Präsent ist der Name allemal, und ältere Dorfbewohner befällt ein unangenehmes Gefühl, wenn dieser Name fällt.

Anneliese Michel starb im Sommer 1976 an den Folgen einer sich über Monate hinziehenden Teufelsaustreibung. Geistliche der katholischen Kirche waren das ausführende Organ, genehmigt hatte sie der Würzburger Bischof. Anneliese Michel, eine Studentin, magerte in den makaberen Sitzungen, die starke Ähnlichkeit mit verfilmten Hollywood-Szenarien hatten, bis zur Unkenntlichkeit ab. 31 Kilogramm wog sie zuletzt (zum Fall: siehe unten).

Uwe Wolff, Dozent für Religionslehre und Buchautor („Das bricht dem Bischof das Kreuz“, 1999) ist ganz dicht an den Fall herangekommen. Er hat mit Annelieses Schwester gesprochen, ihrer Mutter, ihrem Freund und dem Hauptakteur der Geschehnisse, dem Exorzisten selbst. Wolff hat zudem alle Tonbandmitschnitte, die bei der Teufelsaustreibung gemacht wurden.
War das ein Einzelfall?

Gibt es in Bayern Exorzisten?

In den Pressestellen der Bistümer tritt bei der Frage, ob der Bischof einen Exorzisten beschäftigt, der sofortige Reflex ein: „Nein.“ Kürzer kann eine Antwort kaum sein.
Papst Benedikt, inzwischen außer Diensten, hatte solche Berührungsängste nie. Er jubelte auf dem Petersplatz den kirchlichen Teilnehmern des Exorzismus-Kongresses zu, vor seiner päpstlichen Amtszeit war er im Vatikan für die Ausbildung der Teufelsaustreiber zuständig. Hunderte waren es oft im Jahr, die im Auftrag der katholischen Kirche und unter seiner Anleitung neu in den Kampf gegen Luzifer zogen. In den Bistümern, wenn die Auskünfte richtig sind, kommen sie anscheinend nie an. Nur manchmal.

Auch die Diözese Eichstätt kann mit Exorzismus aufwarten. Vor 20 Jahren saß Walter Mixa, der später wegen Misshandlungsvorwürfen seinen Sessel im benachbarten Augsburg räumen musste, im Bischofsstuhl. Der bekanntermaßen klerikale Rechtsaußen hatte für seinen Glaubensbruder Otto M. in Kösching besondere Aufgaben im Sinn. Mitte der 90er Jahre gab Mixa dem Pfarrer für Teufelsaustreibungen den formalen Segen.

Wie erfolgreich Otto M. als Exorzist im Auftrag der Kirche arbeitete, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Bedarf muss vorhanden gewesen sein, denn der Köschinger Geistliche hatte auch schon an seiner vorherigen Dienststelle in Paderborn dem Exorzismus gefrönt.

Sein leidenschaftlicher Einsatz im Ringen mit dem Teufel ignorierte auch das Exorzismus-Verbot, das Mixa 2005 aussprach, weil ihm der Rummel um Pfarrer M. zu groß wurde.
Erst 2008 lenkte Otto M. ein und gab eine Erklärung ab, in der er versicherte,  fortan die Teufelsaustreibungen zu lassen. Die Köschinger sind sich nicht so ganz sicher, ob sich der Pfarrer wirklich daran hält. Er selbst äußert sich schon seit Jahren nicht mehr dazu, nachdem er sich in einem Interview, wo er seinen Einsatz der besonderen Art publik machte, die Zunge verbrannt hat.

Den magischen Reiz, der den Teufel zu umgeben scheint, kennt auch Klingenbergs Bürgermeister Ralph Reichwein, der von Satansjüngern in seinem Dorf nichts hören will. Nach der tödlich verlaufenen Teufelsaustreibung vor fast 40 Jahren war Klingenberg, und vor allem das Grab von Anneliese Michel, Ziel von Touristen, die nicht nach dem Geschmack der Einheimischen waren. Damals kamen sie gleich busweise angereist.

Der Fall Anneliese Michel

Anneliese Michel, Tochter aus sehr frommen Hause und gute Schülerin, litt unter Epilepsie. Sie starb, abgemagert auf 31 Kilo, unter seltsamen Umständen: Insgesamt 67 exorzistische Sitzungen fanden statt bis zu ihrem Tod am 1. Juli 1976. Jede Woche ein bis zwei, 42 davon aufgezeichnet auf Tonband. Dokumente, die später vor Gericht beweisen sollten, dass die Pädagogik-Studentin vom Satan besessen war. Daran glaubten ihre Eltern, daran glaubten ihre Exorzisten Pfarrer Ernst Alt und Pater Arnold Renz.

Alle vier fanden sich auf der Anklagebank wegen „fahrlässiger Tötung durch Unterlassung“ wieder. Alle wurden jeweils zu nur einem halben Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.
 

 

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