Sasa Djordjevic im AZ-Interview "Vielleicht können die Fußballer auch von uns lernen"

Der neue Chefcoach des FC Bayern Basketball: Sasa Djordjevic. Foto: sampics/Augenklick

Der FC Bayern Basketball starten in Oldenburg in die neue Saison. Exklusiv in der AZ spricht der neue Coach Sasa Djordjevic über seine Philosophie, Demut
und Vorgänger Pesic: „Ein Schatz für jeden Verein.“

AZ: Herr Djordjevic, was sind Ihre Erkenntnisse der ersten Wochen als Coach des FC Bayern Basketball?

SASA DJORDJEVIC: Zuallererst, dass wir für den großen Namen, den wir auf unserer Brust tragen, jeden Tag hart arbeiten müssen. Die Basketball-Abteilung hat noch nicht die Tradition und erfolgreiche Geschichte wie der Fußball-Klub. Es ist ein großer Verein, für den ich mit großem Enthusiasmus arbeite. Die Spieler reagieren bisher gut, ihr Einsatz stimmt. Wir sind ein neu zusammengestelltes Team und in einem Prozess, etwas zu schaffen, das in der Zukunft unser Markenzeichen werden könnte.

Wie soll dieses Markenzeichen aussehen?

Bei meiner Idee von Basketball steht das Team im Mittelpunkt. Es geht um die Stärke der Gruppe, zu der jeder seinen Teil beiträgt und nicht zu viel Last auf den Schultern trägt. Weniger ist oft mehr, um Teamerfolg zu erreichen. Nur mit einer starken Gruppe, die zusammen in eine Richtung geht, können wir erfolgreich sein.

Sind Sie bereit für den ersten Test, den Saisonauftakt am Samstag in Oldenburg?

Das hoffe ich. Viele neue Gesichter im Team zu haben, ist gerade am Anfang der Saison kein Vorteil. Gegen Oldenburg müssen wir die richtige Reaktion darauf zeigen.

Wie weit sind Sie bei der Suche nach dem neuen Spielmacher, der noch kommen soll?

Diese Verpflichtung wird ein Schlüssel für diese Saison sein. Deshalb wollen wir diese Entscheidung nicht überstürzt treffen, sie muss passen.

Was wollen Sie im Vergleich zur letzten Saison verändern?

Das Team bringt viel Qualität aus der Vergangenheit mit, die in die richtige Richtung gelenkt werden muss. Mein Vorgänger Svetislav Pesic ist ein Schatz für jeden Verein. Mein Job ist es, meine Ideen einzubringen und den großen Fußstapfen des Maestros zu folgen.

Haben Sie den Maestro schon in München getroffen?

Natürlich, schon mehr als ein Mal. Und das werde ich auch in Zukunft so oft wie möglich tun. Es ist immer eine Ehre. Denn er ist der Coach, zu dem alle aufschauen. Wir kennen uns schon 30 Jahre, ich habe unter ihm gespielt und wir haben ein enges Verhältnis. Ich höre gerne Leuten zu, die mehr wissen als ich, und lerne von ihnen.

Hat er Ihnen also seine Meinung zum Team gesagt und vielleicht ein paar Ratschläge gegeben?

(grinst) Wir haben uns über Wein unterhalten. Und natürlich auch über alles andere. Wirklich alles. Aber das bleibt unter uns.

Pesic galt als distanzierter Coach. Ihre Spieler bezeichnen Sie dagegen als Players’ Coach.

Die Spieler sind der wichtigste Teil eines jeden Erfolgs. Die Zuschauer kommen nicht in die Halle, um die Coaches zu sehen, sondern die Spieler auf dem Court. Wir müssen uns also alle ihnen zuwenden, damit sie jeden Tag ihren besten Basketball spielen können. Wir sollten uns so schnell wie möglich einander öffnen, um ein professionelles, aber vertrautes Verhältnis zueinander zu haben. Das wird uns helfen, schwierigen Zeiten zu überstehen. Da gehst du zuerst zu deiner Familie und dann zu deinen Freunden.

Sind Ihre Spieler genauso erfolgshungrig wie Sie?

Das hoffe ich. Denn Hunger ist das Schlüsselwort in meiner Profession. Hunger kann alles erklären.

Bamberg ist als Meister das Team, das es zu schlagen gilt. Freuen Sie sich schon auf diese großen Spiele?

Bamberg ist ein Rivale von uns, aber nicht der einzige. In diesem Moment ist Oldenburg unser größter Rivale und danach unser nächster Gegner Würzburg. Wir müssen demütig sein und es uns verdienen, um den Titel zu spielen. Das passiert nicht automatisch.

Uli Hoeneß hat mal gesagt, dass das, was bei Real Madrid und dem FC Barcelona funktioniert, auch beim FC Bayern klappen müsse. Sie haben in Madrid und Barcelona gespielt...

Ich weiß, was es heißt, einen großen Fußball-Verein als großen Bruder an der Seite zu haben. Die Bedingungen beim FC Bayern sind ähnlich. Der Basketball-Verein muss aber in allen Bereichen weiter wachsen. Dass der Klub eine eigene Halle bekommt, ist hier zum Beispiel ein wichtiges Projekt, wie ich weiß. Das Ziel ist es, eine Macht im europäischen Basketball zu werden. Wir sind hier, um den Weg dorthin zu verkürzen. Gute Resultate helfen dabei, genau wie Titel und – über allem – eine ausverkaufte Halle. Die Emotionen der Fans zu erreichen und zurückzubekommen ist das, worum es geht.

Was können Sie von den Fußballern des FC Bayern lernen?

Vielleicht können sie auch von uns lernen! Das soll nicht arrogant klingen. Aber Basketball ist ein spezieller Sport, ein anderer als Fußball, mit einer anderen Hemisphäre. Dort kann man sich seinen Bereich schaffen, in dem man sich wohlfühlt und selbstbewusst sagt: „Wir sind diejenigen.“ Das kommt mit Ergebnissen, Erfolgen und Titeln sowie dem Respekt der Mit- und Gegenspieler. Dann kannst du dich wie ein Campeon fühlen, wie die Leute bei Real und Barcelona sagen. Wir müssen uns dieses Campeon-Gefühl noch verdienen.

Zum Abschluss: Waren Sie schon einmal auf dem Oktoberfest?

Bisher war dafür noch keine Zeit. Ich war immer den ganzen Tag mit Dingen, die meine Arbeit mit der Mannschaft betreffen, beschäftigt, habe bis spät abends Videos angeschaut. Aber wenn wir gegen Oldenburg gewinnen, werde ich hingehen, das verspreche ich.

Gemeinsam mit der Mannschaft?

Warum nicht? Dann ist die Zeit gekommen, mal kurz zu entspannen. Ich hoffe, ich werde dann nur Wassergläser und keine Bierkrüge in ihren Händen sehen. (lacht)

 

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