Salzburger Osterfestspiele Im Chaos der Ideen

Parsifal (Johan Botha) zwischen spacigen Blumenmädchen und der lockenden Kundry (Michaela Schuster). Foto: Barbara Gindl/dpa

Die Osterfestspiele in Salzburg starten mit Wagners „Parsifal” unter der Leitung von Christian Thielemann

 

Armer Wagner!”, schrie eine Stimme nach dem ersten Aufzug. Christian Thielemann konnte damit nicht gemeint sein. Er dirigierte „Parsifal” wie gewohnt: mit leidenschaftlicher Glut und tiefer Versenkung ins Schmerzliche. Seine Zeitmaße waren rasch, ehe er im dritten Akt die große Erstarrung und Todesnähe mit lastend-langsamen Tempi herausholte.

Die Berliner Philharmoniker haben sich nach Baden-Baden abwerben lassen. Nun ist die Staatskapelle Dresden das neue Orchester der Salzburger Osterfestspiele. Im Unterschied zu ihren Vorgängern erklärten sie die Virtuosität im Graben des Großen Festspielhauses nicht zum Selbstzweck. Ihr warmer Klang ist zwar prächtig, aber es gab auch sehr alltägliche Wackler und Pannen. Und man darf sich schon wundern, dass nebeneinander sitzende Musiker nicht gemeinsam atmen und einsetzen. Da hat Thielemann noch einiges zu tun.
Der Dirigent ist seit Herbert von Karajans Zeiten die Primadonna der Osterfestspiele. Gesungen wurde wie in einem beliebigen Weltstadt-„Parsifal”: Stephen Milling war ein etwas phlegmatischer Gurnemanz, dessen Erzählungen wie aufgesagt und kaum gestaltet wirkten. Bei Michaela Schusters Kundry störten Registerbrüche und das Flackern einer dramatischen Stimme, die für die liedhafte Erzählung vor dem Kuss wenig geeignet scheint.

Auf der Bühne - schauerliches Kunstgewerbe

Wie gut Johan Botha in Wagner-Partien ist, wird im Hype um Jonas Kaufmann und Klaus Florian Vogt oft übersehen. Nur taugt der Südafrikaner halt optisch nicht fürs Plattencover. Leider kämpfte er mit dem deutschen Text. Wolfgang Kochs leicht verhärteter Bariton eignete sich für den Klingsor besser als für den Amfortas. Weshalb er beide Rollen sang und als böser Zauberer nochmal mit einem kleinwüchsigen Darsteller verdoppelt wurde, erschloss sich nicht.

Und damit wären wir bei der Inszenierung. Michael Schulz, bekannt geworden durch den Weimarer „Ring”, sind alle Gedanken durch den Kopf geschossen, die ein kritischer Wagnerianer bei „Parsifal” hat. Nur eine ordnende Idee war nicht darunter. Dafür mimten zwei Tänzerinnen den Heiligen See und ein Jesus-Double stellte am Ende mit Kundry den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald nach.

Diese unausgegorene Inszenierung ereignete sich in einem schauerlich kunstgewerblichen Bühnenbild von Alexander Polzin, der für den Gralstempel Glassäulen mit Rauch füllte und im zweiten Akt buddhistische und griechische Plastiken aufstellte, aus denen sich Klingsor seine private Schönheitsreligion zusammengebastelt hatte. Weil es den Traditionalisten zu modern und den Anhängern des Regietheaters zu unsortiert war, erntete Schulz einen Buh-Sturm.

Fast hätten wir noch die Chöre der Sächsischen und der Bayerischen Staatsoper vergessen, die Pablo Assante zu einer erstaunlichen Einheit zusammenschweißte. Dank Thielemanns Wagner-Erfahrung ist den von einem Finanzskandal geschüttelten Osterfestspielen ein Neuanfang gelungen. Aber Sternstunden sehen anders aus.

Noch am 1. April 2013, Restkarten unter 0043/662/80 45-361

 

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