Salzburger Festspiele Wenn die Provinz große Kulturwelt spielt

Wer wird Nachfolger von Alexander Pereira als Intendant der Salzburger Festspiele?

 

Er stammt aus der Steiermark, hat das berühmteste Sprechtheater im deutschsprachigen Raum geleitet und ist derzeit der Intendant jenes Opernhauses, das als bestes in Deutschland gilt. Die Selbstdarstellung und die Kasse stimmen bei Nikolaus Bachler auch.

Alle diese Eigenschaften machen den gegenwärtigen Intendanten zum natürlichen Kandidaten für die Leitung der Salzburger Festspiele. Der Posten muss bald neu besetzt werden. Noch-Intendant Alexander Pereira wechselt 2014 an die Mailänder Scala. In den beiden folgenden Spielzeiten leiten Schauspielchef Sven-Erik Bechtolf und Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler das Festivals. Die Nachfolge Pereiras wird für 2017 ausgeschrieben.

Bachler wäre dann neun Jahre in München gewesen – die übliche Zeit, nach der bei Intendanzen eine gewisse Ermüdung einzutreten pflegt. Im Alter von 66 Jahren könnte er noch einmal durchstarten und eine Summe seiner Erfahrungen in Musik- und Sprechtheater ziehen.

Die Sache hat einen Haken: Bachler hat in mehr als einem Interview kritisch über die Festspiele hergezogen. Der einzige Ausweg aus ihrer Dauerkrise sei eine „radikale Neugründung, die meines Erachtens nicht möglich ist“, sagte er 2009. „Es sind zu viele Sachzwänge im Spiel, die wenig mit Kunst und sehr viel mit einem beinharten Interessenausgleich zwischen Politik, Tourismus, Sponsoren und Philharmonikern zu tun haben.“

Der Analyse ist – leider – nur schwer zu widersprechen. Pereira und seine Vorgänger Jürgen Flimm, Peter Ruzicka und Gerard Mortier verkrachten sich früher oder später mit dem provinziell gestrickten Kuratorium aus drei Vertretern der Politik, einem Abgesandten des örtlichen Fremdenverkehrs sowie dem Bürgermeister der Stadt Salzburg. Dass Ruzicka, Flimm und Pereira vorzeitig ausschieden, ist ein starkes Indiz für ein strukturelles Problem.

Das Kuratorium muss sich da schon selbst abschaffen, um Bachler nach Salzburg locken zu können. Außerdem gibt es mit Markus Hinterhäuser einen starken, lokal verwurzelten Kandidaten. Der Pianist und Gründer des Zeitfluss-Festivals war zwischen Flimm und Pereira schon einmal 2011 Interims-Intendant. Und auch Sven-Erik Bechtolf könnte sich plötzlich selbst als Kandidat aus dem Hut ziehen. Warten wir’s ab – die folgenden Jahre werden in Salzburg eine schöne Zeit für Operntratsch und lustige Intrigen.

 

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