Sachbuch Boni für die Banker - Schulden für das Volk

Der Journalist Malte Heynen Foto: Tobias Hase

Wie sichere ich mein Erspartes? Millionen Bundesbürger treibt diese Sorge um, verschärft durch Finanz- und Eurokrise. Auch der Journalist Malte Heynen wollte wissen, wie sicher seine Geldanlagen sind und ging der entfesselten Finanzwelt ganz genau auf den Grund.

Sein Buch "Der Raubzug der Banken" bringt zwar keine wirklich neuen Erkenntnisse, aber Heynen gelingt es ausgesprochen gut, die Exzesse der Weltwirtschaft und die Ursache der letzten Krisen für jedermann verständlich darzustellen. Und das ist eine ganze Menge. Vor allem aber räumt er mit dem Vorurteil auf, die hilflose Politik von Obama oder Merkel sei alternativlos.

Heynen zieht die Bilanz eines katastrophalen Scheiterns: "Fünf Krisenjahr sind ins Land gegangen, ohne dass die Regierungen die Probleme an der Wurzel gepackt hätten." Die Politik pumpt weiterhin ungebremst Milliarden Steuergelder in das Finanzsystem, ohne es nur im Ansatz zu reformieren. "Die Banken schütten Boni aus, während sie gleichzeitig neue Milliarden an öffentlichen Geldern erhalten", schreibt Heynen: "Der Staat ist für die Verluste zuständig, die Privaten für die Gewinne". Das hat gesellschaftliche Folgen: Der Staat verarmt und mit ihm ein Teil der Bürger (27 Prozent der Deutschen haben keinerlei Rücklagen - oder sogar Schulden), während sich an der Spitze die Reichen immer schneller vom Rest der Bevölkerung entfernen.

Heynens mit vielen plastischen Beispielen versehenes Buch lässt kaum eine Schweinerei aus: die trickreichen "Todeswetten" der Deutschen Bank, der Hochfrequenzhandel der Superrechner, oder die Derivate, die selbst Grossinvestor Warren Buffett als "Zeitbomben für die gesamte Wirtschaft" und "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnet hatte. Sie zirkulierten Ende des Jahres 2011 laut Heynen im Schätzwert von vollkommen unvorstellbaren 700 000 000 000 000 Dollar (700 Billionen) um den Globus. Lässt sich das alles wieder zurückschrauben auf den ursprünglichen Sinn des Bankwesens, den Geldhandel zu steuern und Kredite zu vergeben? Malte Heynen ist extrem skeptisch. Er sieht noch viel düstere Wolken am Finanzhimmel hinaufziehen und deutet sie als Zeichen für das ganz grosse Gewitter.

Im letzten Teil des Buches widmet er sich dem eigenen Ersparten, doch jahrelange Recherche in der Fachpresse haben seine "Unsicherheit noch verstärkt". So geht er die verschiedensten Anlageformen durch - vom Sparkonto über Gold, Grundbesitz und Aktien - warnt vor jeder Art von komplizierten Fondsgeschäften oder Zertifikaten und vertraut auf einen gesunden Mix. Beim Geld regiert das Prinzip Hoffnung - mehr denn je. 

Malte Heynen: "Der Raubzug der Banken" (Blessing, 368 Seiten, 16.95 Euro)

 

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