S-Bahn in München Wie Kontrolleure reagieren: Geschichten von Redakteuren

Oh weh, kein Ticket: Da kann man was erleben... Foto: Martha Schlüter

Was AZ-Redakteure mit Kontrolleuren alles erlebt haben, lesen Sie hier:

 

Moderne Raubritter
Mist, ohne gültiges Ticket erwischt. 40 Euro sind zwar ärgerlich, aber kein Grund, den Humor zu verlieren. „Kann ich das von der Steuer absetzen?“, frage ich und ernte einen Lacher bei den Kontrolleuren. Bevor der eine von ihnen plötzlich anfängt, gegen die Finanzamt-Mitarbeiter vom Leder zu ziehen: „Das sind die wahren modernen Raubritter…“

Julia Lenders

Gnade vor Recht
Es passiert in der U3, ungefähr 2004. Die Kontrolleurin kommt auf mich zu, verlangt den Fahrschein. Mein Magen sticht, „ich habe keinen“, murmele ich. Sie schaut mich an. Zwei Sekunden. Und geht dann wortlos zurück zu ihren Kollegen. „Hinten alles ok?“, fragen die. Sie nickt. Warum sie mich hat laufen lassen? Vielleicht war's Mitleid – ich kann sehr schuldbewusst kucken – vielleicht hatte sie einfach nur einen guten Tag. Ich weiß es nicht. Was ich aber ahne: So müssen sich schuldige Sünder gefühlt haben, wenn der Imperator sie begnadigte.

Timo Lokoschat

Meine Mutter!
Eine Jahreskarte beim MVV ist eine wunderbare Sache. Fahren ohne den ständigen Karten-Kauf-Stress. So freute sich dann auch die Studentin Franziska, als die Mutter ihr abends zum Ausgehen die übertragbare Karte gab. Prompt traf sie auf Johnny Controletti.Mit einem überlegenen Lächeln präsentierte sie Mutters Dauerkarte. „Junge Frau“, meinte der Kontrolleur, „die ist für März, aber wir haben schon April. 40 Euro bitte.“ Da war es mit dem Charme vorbei: „Meine Mutter...!“, schrie sie. Der Rest ist nicht zitabel, amüsierte aber den ganzen U-Bahnwagen.

Willi Bock

Pardon?
Die Dame neben mir redet die ganze Zeit Deutsch. Doch als der Kontrolleur vor ihr steht und ihre Karte sehen will, kann sie plötzlich nur Französisch und verwirrt ihn damit so sehr, dass er einfach weiterzieht.

Verena Jackstein

Jaja, Frollein
Aus einem etwas chaotischen Geldbeutel versuche ich, die Karte rauszufischen. „Ich hab’s gleich“, versichere ich. Der Kontrolleur murmelt nur: „Jaja, Frollein“. Der Subtext ist klar: Er hält mich für einen Lügner. Als sein Kontroll-Kollege zur Eile mahnt, sagt er für alle hörbar: „Ich bleib noch bei der Dame, sie sucht noch. Kennst du ja. Den Gefallen tu ich ihr nicht, dass ich aussteig.“ Da gibt der wunderbare Geldbeutel meine gültige Karte doch noch preis. Und ich blicke in ein außerordentlich blödes Gesicht.

Tina Angerer

Kein Problem
Monatswechsel: Der ist gefährlich, dann vergess' ich ganz gerne mal, die neue Marke in meinen Geldbeutel zu stecken. Sonntag, 1. Mai, war es wieder mal so weit. Montagfrüh, fahr’ ich noch ganz legal mit der BOB. Die Karte gilt bis 12 Uhr. Aber nach Redaktionsschluss mutiere ich automatisch zum Schwarzfahrer. Kaum schließt sich bei der BOB die Tür, meldet sich der Kontrolleur: „Die Fahrkarten bitte.“ Und schon steh ich da, mit rotem Kopf, abgelaufener Fahrkarte und einer blöden Ausrede: „Hab’ ich vergessen.“ Gut nur, wenn einen der Schaffner kennt, weil man seit Jahren Stammgast ist. „Kein Problem, dann zeigst ma des Ding morgen“, sagt er und geht weiter.

Ralph Hub

Mit Herz und Humor
Flughafen München, mitten in der Nacht, wir kommen aus Istanbul. Die S-Bahn fährt in einer Minute, also nichts wie rein – dann halt ohne Tickets. Drei Stationen später heißt es: „Die Fahrscheine, bitte.“ Natürlich. Musste ja so sein. Doch die Kontrolleurin hat Herz und Humor: Mein Freund muss 40 Euro Strafe zahlen, ich nichts. „Sie können ja die Hälfte übernehmen“, sagt sie, lacht und wünscht uns eine gute Weiterreise.

Natalie Kettinger

 

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