Rücktritt nach Morddrohungen Zornedinger Pfarrer kommt nicht wieder: "Er ist weg!"

Der Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende ist nach mehrfachen Morddrohungen von seinem Amt zurückgetreten. Foto: dpa

Der Rücktritt des Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende sorgte für Bestürzung in der Zornedinger Bevölkerung. Die kurzerhand gestartete Online-Petiton für eine Rückkehr des Kongolesen verläuft sehr erfolgreich – dennoch wird er sein Amt wohl nicht wieder aufnehmen.

Zorneding - Wegen Morddrohungen und rassistischer Hetzkommentare gab der kongolesische Pfaffer Olivier Ndjimbi-Tshiende aus Zorneding Anfang der Woche seinen Rücktritt bekannt. Nachdem sich die Drohungen häuften, bat er beim Erzbischöflichen Ordinariat um eine sofortige Beurlaubung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Weiter teilte das Erzbischöfliche Ordinariat mit, dass Ndjimbi-Tshiende ohne Zorn oder Verbitterung auf seine Jahre in Zorneding zurückblicke. Auch habe er sich mit der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher versöhnt. Deren ausländerfeindliche Äußerungen hatte der katholische Pfarrer im vergangenen Herbst kritisiert, woraufhin die rassistische Hetze gegen den dunkelhäutigen Priester samt mehreren anonymen Morddrohungen ins Rollen kam.

Solidaritätsbekundungen durch Online-Petition

Am Mittwoch machte das Erzbistum München-Freising unmissverständlich klar, dass Ndjimbi-Tshiende definitiv nicht nach Zorneding zurückkehren wird. Der 66-Jährige befindet sich an einem geheimen Ort und wird von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Der Pfarrer selbst wolle sich nicht zu seinem Rücktritt äußern, teilte die Kirchenleitung mit.

Kurz nach dem Weggang des Pfarrers haben die Zornedinger eine Online-Petition auf "change.org" für seine Rückkehr, bzw. seinen Verbleib ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben!" ruft die Initiatorin Julia Peters-Knopp dazu auf, dass Ndjimbi-Tshiende in der Gemeinde bleiben und sich die Bevölkerung gegen rechte Hetze wehren soll. In der kurzen Beschreibung heißt es unter anderem: "Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld." Innerhalb von zwei Tagen hat die Petition nun bereits rund 64.000 Unterstützer (Stand: 09.03., 9.30 Uhr).

Pfarrer wird sich wohl nicht mehr umstimmen lassen

Mit einer Rückkehr des Kongolesen ist trotz des enormen Zuspruchs nicht zu rechnen. "Er ist weg!", vermeldete das Erzbischöfliche Ordinariat am Dienstag. Ein Sprecher ging nicht davon aus, dass Ndjimbi-Tshiende durch eine Online-Petition umgestimmt werden könne.

Neben der Unterschriftensammlung sind noch weitere Solidaritätsbekundungen geplant. Am Mittwochabend ist eine Kundgebung der Organisation "Bunt statt Braun" mit dem Titel "Rassismus entgegentreten" in Zorneding geplant. Gegen 18 Uhr soll der Asylhelferkreis eine Lichterkette organisieren, die vom Rathaus bis zu den beiden Kirchen im Ort reichen soll – ein symbolisches Zeichen für den Zusammenhalt in der Gemeinde. An der Kundgebung will auch die Generalsekretärin der bayerischen SPD, Natascha Kohnen, teilnehmen. Der Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr (CSU) kündigte eine Rede an.

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Auch die Politik äußerte sich zu dem Vorfall. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zur Hetze gegen den Pfarrer: "Ich verurteile das total. Die bayerische Polizei und Justiz muss alles daran setzen, das aufzuarbeiten. Null Toleranz ist da bei uns in Bayern der Maßstab." Gleichzeitig kritisieren die Grünen die "bigotte Haltung" der CSU in diesem Fall. Margarete Bause, die Fraktionschefin der Grünen im Landtag: "Nach außen verurteilen, intern beschwichtigen – mit dieser bigotten Haltung darf die CSU im Fall des Pfarrers von Zorneding nicht durchkommen. Entgegen der Darstellung des CSU-Ministerpräsidenten ist die Angelegenheit vor Ort gerade nicht sauber aufgearbeitet worden."

Zorneding wohl auch Thema bei Bischofskonferenz

Der Fall Zorneding wird wohl auch bei der Freisinger Bischofskonferenz zum Thema. "Ich gehe davon aus, dass sich Kardinal Marx zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung am Donnerstag zu diesem Thema äußern wird", sagte dessen Sprecher Bernhard Kellner am Mittwoch. Seit Mittwoch beraten Bayerns katholische Bischöfe bei ihrem Treffen in Passau zudem über die Ökumene, die Unterstützung orientalischer Christen in Bayern, die Jugendarbeit und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.

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Auch Bamberger Erzbischof bekommt Todesdrohungen

Unterdessen wurde bekannt, dass auch der Bamberger Erzbischof Schick Todesdrohungen bekommt. Der Kirchenmann bezieht immer wieder Stellung gegen Ausländerfeindlichkeit. Seit Ende 2014 erhalte Schick Hasskommentare auf Facebook oder werde in anonymen E-Mails bedroht, sagte eine Bistumssprecherin am Mittwoch. Die Drohungen seien nie konkret, erläuterte die Sprecherin. Dennoch wurde die Polizei eingeschaltet.

 

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