Kurz vor Transferschluss leiht der TSV 1860 Lacazette für ein Jahr von Darmstadt 98 aus. Der Franzose spielte schon von 2015 bis 2017 in München – und könnte Bierofkas Not beheben.

München - Eigentlich hatte der TSV 1860 seine Kaderplanungen schon rekordverdächtig früh und damit in absolut löwen-untypischer Manier abgeschlossen.

Eigentlich, denn: Auf den letzten Drücker sicherten sich die Sechzger noch die Dienste eines alten Bekannten: Romuald Lacazette. Der defensive Mittelfeldspieler wird wieder auf Giesings Höhen auflaufen. Sportchef Günther Gorenzel kündigte am Freitag auf AZ-Nachfrage eine Pressemitteilung des Klubs an, die am Nachmittag eintraf.

Der Inhalt: Lacazette wird vom Zweitligisten SV Darmstadt 98 bis Saisonende ausgeliehen. "Ich kenne Romuald gut", sagt Trainer Daniel Bierofka über den Neuzugang. Er sei ein guter Typ, passe charakterlich sehr gut in die Mannschaft. "Ich hoffe, dass er sportlich wieder auf das Level kommt, das er bei mir in der 2. Bundesliga hatte."

1860-Sportchef Gorenzel: "Auf sämtliche Gegebenheiten reagieren"

Und Gorenzel erklärte: "In den letzten Tagen hat sich für uns eine Konstellation ergeben, die sowohl aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht absolut Sinn macht, Romo für diese Saison auszuleihen. Damit haben wir die Möglichkeit, im weiteren Saisonverlauf im zentralen Mittelfeld auf sämtliche Gegebenheiten zu reagieren."

Der Franzose war bei den Lilien bereits im Frühjahr aussortiert worden. Gut für 1860: Für die Leihe bis Saisonende am letzten Tag vor Transferschluss wird dem Vernehmen nach keinerlei Gebühr fällig, Darmstadt übernimmt weiterhin das Grundgehalt des Spielers.

Lacazette, das Last-Minute-Schnäppchen! Kurios: Wer im Internet nach den Möbeln des Abräumers stöbert, könnte ebenfalls ein Schnäppchen machen, denn: Lacazette verkauft sein Bett – mit einer Couch und einer Garderobe will der Spieler noch weitere Einrichtungsgegenstände seiner Darmstädter Unterkunft bei Ebay-Kleinanzeigen loswerden.

Lacazette-Verpflichtung: Kluger Schachzug von Bierofka

Dabei hat der 24-Jährige, der sich in der Beschreibung der Artikel namentlich vorstellt, offenbar mit einem Wechsel in andere Gefilde gerechnet. "Nach 1 Jahre muss ich in eine andere Land spielen", schreibt Lacazette dort. Im Sommer 2015 war Lacazette das erste Mal auf Giesings Höhen gekommen. Sowohl unter dem damaligen Trainer Torsten Fröhling als auch in der folgenden Spielzeit unter Coach Kosta Runjaic verpasste der Franzose jeweils verletzungsbedingt den Saisonauftakt: 2015 aufgrund eines Syndesmosebandrisses, ein Jahr später wegen eines Mittelfußbruchs.

Der Cousin von Arsenal-Star Alexandre Lacazette kämpfte sich allerdings zwei Mal zurück und wurde nach Sechzigs traditionell frühen Trainerentlassungen unter den Nachfolgern Benno Möhlmann und Vitor Pereira jeweils zum Stammspieler. Auch Daniel Bierofka vertraute bei seinen beiden Kurzzeit-Engagements als Interimstrainer der Profis auf die Qualitäten des kampfstarken und technisch starken Sechsers.

Der Transfer ist ein kluger Schachzug des Sechzger-Coaches, denn: Stamm-Abräumer Daniel Wein hatte zuletzt einen Schlag auf sein Sprunggelenk erlitten, laut Gorenzel müsse man wegen einer zurückliegenden Sprunggelenks-OP immer wieder mit Beschwerden rechnen.

Mit Aaron Berzel zog sich ein Defensivspezialist einen Faserriss in den Adduktoren zu und wird zwei bis drei Wochen fehlen. Warum also Nein sagen zu einer günstigen, höherklassigen Verstärkung? Bislang absolvierte Lacazette 36 Partien für die Giesinger, schoss ein Tor und lieferte vier Assists. Jetzt kann er seine Bilanz in Liga drei ausbauen.