Rückkehr nach 70 Jahren Geburt in der Bombennacht: Die Geschichte eines Münchners

Erich Priller kam im Rotkreuzkrankenhaus zur Welt. Das Foto zeigt ihn als Baby in der Wiege mit seiner älteren Schwester Quelle: Unbekannt

Während eines Luftangriffs wird Erich Priller im Rotkreuz- Krankenhaus 1942 geboren. Jetzt kehrte er mit der Enkelin zurück, um danke zu sagen

 

München - Als Erich Priller zur Welt kam, heulten die Luftschutzsirenen in München. Ohne die Hilfe der Schwestern im Rotkreuz-Krankenhaus hätten er und seine Mutter jene Nacht im Herbst 1942 nicht überlebt.

70 Jahre liegen die dramatischen Ereignisse zurück, jetzt kehrte der Münchner Polizist an seinen Geburtsort zurück, um sich bei der Schwesternschaft des BRK zu bedanken. Die Hebamme, die seine Mutter Christine damals in der Klinik betreute, war der ruhende Pol in dem ganzen Durcheinander. Sie machte der hochschwangeren Frau immer wieder Mut.

Christine Priller war völlig auf sich allein gestellt. Ihr Mann Michael war als Soldat an der Front. Erst 1949 kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück nach München. Sein Sohn war da bereits sieben Jahre alt. „Ich hab’ ihm zur Begrüßung gegen das Schienbein getreten“, erinnert sich Erich Priller. „Er war für mich ein Fremder.“ Als seine Mutter am 27. Oktober 1942 mit heftigen Wehen im Rotkreuzkrankenhaus lag, ging abends plötzlich der Alarm los. Alliierte Bomber waren im Anflug.

Die 30-Jährige musste in den Luftschutzkeller. Die Hebamme wich ihr nicht von der Seite. „Im Lift, zwischen dem dritten und dem vierten Stockwerk kam ich zur Welt“, berichtet Erich Priller. Als Erwachsener musste er oft an die dramatischen Umstände seiner Geburt denken. Inzwischen war er Polizist geworden. Im Streifenwagen kam er regelmäßig an der Rotkreuzklinik vorbei.

„Ich wollte mich bei der Hebamme immer bedanken, die meiner Mutter und mir so toll geholfen hat“, sagt der pensionierte Polizeihauptkommissar. Doch er konnte sie in all den Jahrzehnten nicht ausfindig machen. Die Klinik wurde 1944 bei einem Luftangriff schwer getroffen. Sämtliche Unterlagen sind verbrannt. „Ich weiß nicht, wie die Frau heißt, noch was aus ihr geworden ist“, sagt Erich Priller. Seine Mutter hat ihm immer von den Leistungen der Rotkreuzschwestern erzählt. Sie selbst betreute im Krieg Verwundete in Lazarettzügen.

Der Rotkreuzklinik und ihren Schwestern fühlt sich Erich Priller bis heute tief verbunden. Mit seiner Enkeltochter Isabelle (11) besuchte er jetzt die Schwesternschaft. Der Polizist brachte Blumen mit. „Die Kriegstage werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen“, sagt er, „ich hoffe, dass solche Zeiten nie mehr wiederkehren.

 

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