Rotation beim FC Bayern Heynckes, einer wie Hitzfeld

Jupp Heynckes freute sich über das 1:0 in Lille. Foto: AP

Die beiden Trainer Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld haben nicht nur die Rotation gemeinsam. Ein Vergleich

 

MÜNCHEN Ottmar Hitzfeld (63), aktuell Schweizer Nationaltrainer, gilt als Erfinder der Rotation. Der drei Jahre ältere Jupp Heynckes führt diese schon Tradition gewordene Erholungsmaßnahme für stressgeplagte Profis nun fort. Es bleibt ihm nichts anderes übrig: „Ich habe schon vor längerer Zeit gesagt, dass wir alle mit ins Boot nehmen müssen”, sagte Heynckes.

Wie viele Spieler im Viertelfinal-Rückspiel gegen Olympique Marseille auf die Bank rotieren, das wollte er vorab natürlich nicht verraten: „Ich muss erst mal sehen, wie die Spieler beisammen sind und was für Wehwehchen sie haben. Spieler des FC Bayern sind auf allen Gebieten gefordert; vor allem die Reisen sind strapaziös.”
Die AZ vergleicht die beiden Trainer, ihre Arbeitsmethoden und ihren Umgang mit den Spielern.

Die Philosophie: Ottmar Hitzfeld verstand sich in seinen beiden Engagements an der Säbener Straße (1998 bis 2004 und 2007-2008) als Kommunikator. Er wollte Vermittler sein zwischen allen Parteien: dem Vorstand, Manager Hoeneß und den Spielern. Keinem gelang dieser diplomatische Spagat so gut wie ihm. Heynckes wollte seit Beginn seines dritten Engagements in München ein Vermittler sein, sich mit allen gut stellen. Was ihm gelang – als Kontrast zu Vorgänger Louis van Gaal, dem Provokateur.

Die Grundtaktik: Unter Hitzfeld gewannen die Bayern Titel, weil sie keinen Risiko-Fußball im Hurra-Stil wie derzeit Borussia Dortmund unter Trainer Jürgen Klopp spielten, sondern kontrolliert aus der Defensive. Der ehemalige Mittelstürmer Heynckes setzt seit Juli 2011 auf eine ausgewogenere Balance zwischen Abwehr und Mittelfeld. Die Defensive wurde wieder stabiler: In der Liga kassierte man mit 18 die wenigsten Gegentreffer überhaupt.

Die Werte: „Das Menschliche darf nie zu kurz kommen”, betonte Hitzfeld stets, „man muss für die Spieler ein offenes Ohr haben, sollte ihnen erklären, wenn man mal nicht auf sie setzt.” Für Heynckes stellt der „gegenseitige Respekt im Umgang miteinander eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeiten” dar. Autoritär? Ja, aber immer mit einer menschlichen Komponente.

Das Prinzip Rotation: Unter Hitzfeld war sich keiner der Stars sicher, in Wochen mit der Dauerbelastung von Champions League oder Pokal auch mal auf die Bank oder die Tribüne zu müssen. Keiner der Stars sollte sich zu sicher fühlen, die Profis aus der zweiten Rolle sollten das Gefühl bekommen, wichtig zu sein und dazu zu gehören. Für Heynckes eine Selbstverständlichkeit. Daher liebt er einen kleineren, kompakten Kader. Zuletzt bekam sogar Danijel Pranjic wieder seine Einsätze, in Nürnberg erhielt Diego Contento das Vertrauen. Motivationsbildende Maßnahmen. Die verschärfte Version des Spieler-Durchwechselns: die Risiko-Rotation wie letzten Samstag, als selbst Franck Ribéry zunächst draußen blieb.

Die Gelassenheit: Hitzfeld war bei seinem zweiten Job – gestählt durch die sechs Jahre zuvor – viel gelassener. Ruhe und Souveränität auszustrahlen ist selbst in Krisenzeiten oberstes Gebot der Gentlemen an der Linie. So blieb auch Heynckes während der Krise im Februar/März gelassen, verwies auf seine enorme Erfahrung, gelobte Besserung. Es half. „Der Trainer hat die Ruhe bewahrt, die wir gebraucht haben”, erklärte Torjäger Mario Gomez.

Das Fazit: Kommt von Ottmar Hitzfeld: „Ich habe schon immer gesagt, dass Heynckes der richtige Mann für Bayern ist, der den Verein auch innerlich vereint, der die Brücke darstellt zwischen Vorstand, Mannschaft und dem Umfeld.” 

 

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