Rosige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt 180.500 neue Stellen: Die Job-Maschine München

München wird bis 2030 nicht nur viele neue Wohnungen brauchen (rote und orangene Kreisausschnitte), sondern auch Gewerbegebiete mit Büros (schwarze und graue Kreisausschnitte). Die Karte zeigt die wichtigsten Projekte in der Stadt. Büros entstehen zum Beispiel am Vogelweideplatz ("Bogenhausener Tor"), Gewerbeflächen kommen in die Alte Akademie, ins Werksviertel am Ostbahnhof und nach Freiham-Süd. Foto: Planungsreferat

180.500 neue Stellen entstehen bis 2030, rechnet eine Prognose der Stadt vor. Vor allem Naturwissenschaftler, Techniker, Dienstleister und Leute in sozialen Berufen sind gefragt.

 

München - Wer heute Kindergartenkind ist, mathebegabt, computerbegeistert oder ein begnadeter Lego-Konstrukteur, hat wohl rosige Zukunftsaussichten in München – zumindest, wenn die Macher der neusten "Erwerbstätigenprognose" für München und das Umland recht haben.

Denn München (1,5 Millionen Einwohner) zieht nicht nur jedes Jahr 20 000 Zuzügler an, die Landeshauptstadt ist laut der Trendforscher auch eine brummende Job-Maschine. Weil immer mehr Unternehmen in der Stadt expandieren, von auswärts nach München ziehen oder sich hier als junge Start-Ups neu gründen, steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften: In den nächsten 15 Jahren könnten 180.500 neue Jobs für Festangestellte und Freiberufler entstehen (ein Plus von 17,6 Prozent!), rechnet Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) vor. Rechnet man das Umland dazu, also die Landkreise von Starnberg bis Freising und von Landsberg bis Ebersberg, dann wird es – großzügig gerechnet – sogar 284.000 neue Jobs geben.

Welche Branchen boomen?


Beste Chancen haben laut der Prognose Akademiker aus den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (für Geisteswissenschaftler bleibt’s eher schwieriger), außerdem Leute mit Berufsausbildung, etwa im Fahrzeugbau, Gastgewerbe und Einzelhandel, Fachleute im Bereich Unternehmensberatung und Finanzdienstleistung. Und: gelernte Kräfte im Gesundheits- und Sozialwesen wie Erzieher, Krankenschwestern und Altenpfleger (s. auch Tabelle rechts). Für Ungelernte wird dagegen immer weniger Platz sein.

Woher sollen die vielen Beschäftigten kommen?


"Aus der Region wird sich die Menge nicht mehr decken lassen", sagt Josef Schmid. "Wir werden Zuwanderer brauchen, wenn München als Standort für Unternehmen attraktiv bleiben soll. Und wir zählen auch darauf, dass viele Flüchtlinge sich gut ausbilden lassen."

Positiv auswirken wird sich wohl, dass viele Münchner in Zukunft früher anfangen werden, zu arbeiten und später in Rente gehen, dass mehr Frauen erwerbstätig sein werden und – laut Prognose – auch kürzere Babypausen einlegen.

Wo sollen alle arbeiten?


Schon jetzt arbeitet jeder zweite Beschäftigte in München im Büro. 70 000 Büroarbeiter werden bis 2030 noch dazukommen. Heißt: Jedes Jahr werden 180 000 weitere Quadratmeter Büroflächen gebraucht. Spüren kann man das jetzt schon: Während 2008 noch acht Prozent der Bürobauten leer standen, sind es heute nur noch vier Prozent. Dazu muss die Stadt auch um die 100 Hektar neue Gewerbeflächen schaffen.

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Wie soll das gehen, wenn gleichzeitig jedes Jahr mehr als 8000 neue Wohnungen gebaut werden sollen, in einer eh schon ziemlich dichten Stadt?


Stadtbaurätin Elisabeth Merk setzt darauf, Gebiete an S-Bahnhöfen am Stadtrand zu erschließen, wie in Langwied oder Haar. Und in der Stadt Gewerbe und Wohngebiete mehr zu mischen: "Wir können in Zukunft nicht mehr einfach nur einen Supermakt bauen", sagt sie. "Warum nicht einen Supermarkt bauen, auf dem zwei Stockwerke Büros sind und darüber auch noch Wohnungen? Wir werden einfach umdenken müssen."

Allein für Festangestellte sollen bis 2030 in München 113 000 Jobs entstehen. Wie viele genau in den verschiedenen Branchen – und wie viele werden verloren gehen? Die Tabelle zeigt eine Auswahl.

 

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