Rosi Mittermaier im AZ-Interview Rosi: "Rauft's euch z'samm, Mädels!"

Hat ein Buch geschrieben: Rosi Mittermaier mit ihrem Ehemann Christian Neureuther. Foto: dpa

Rosi Mittermaier hat ein Buch veröffentlicht – zwischen Biografie, Ratgeber und Kochbuch.

Hier spricht sie darüber – und erklärt, warum sich Höfl-Riesch und Vonn wieder vertragen sollen

 

AZ: Frau Mittermaier, Sie beschreiben Ihr Leben von A wie Almleben bis Z wie Ziegenmilch. Es geht um den Papst, Bud-Spencer-Suppe, einen Mauerspleen und um Goethe in der Gletscherspalte. Wunderbare, auch sehr private Geschichten. Wie kam es zu dem Buch?

ROSI MITTERMAIER: Wir haben in dem Verlag schon einige Bücher geschrieben: über Nordic Walking, von der „Heilkraft des Sports” und andere. Dann hat der Verlag zu meinem Mann gesagt: ,Herr Neureuther, Ihre Frau wird 60 – sie sollte ein Buch schreiben.’ Zuerst hieß es: ein Kochbuch – geht gar nicht, da gibt's so viele gute. Ein Ratgeber? Bin ich auch nicht. Und für eine Autobiografie fühle ich mich noch nicht so alt. Der Verlag hat aber keine Ruhe gegeben, und dann haben Christian und ich uns halt dran gesetzt: Er am Computer und ich hab’ dann gelesen, was er geschrieben hat. Manchmal musste ich sagen: ,Nein, Christian, so geht’s nicht, so ist es ja nicht gewesen.’ Ich bin da ja penetrant.

Sie sind ja beide ständig auf Achse. Wann haben Sie die 260 Seiten überhaupt geschrieben?

Mei, der Christian hat seit dem Frühjahr ständig geschrieben. Erst war ja die WM, dann noch die Olympia-Entscheidung – meistens hat er tatsächlich nachts geschrieben, wenn das Telefon mal ruhig war.

Zufrieden mit dem Ergebnis?

Absolut! Dem Christian fällt das Schreiben schon immer leicht. Wir haben uns ja früher auch immer Briefe geschrieben, bevor es diese Handys gab.

Im Buch geht es auch um die Wettkämpfe. Kann man die Rennen von damals mit dem Weltcup-Zirkus von heute überhaupt noch vergleichen?

Wegen der Entwicklung der ganzen Technik kann man die Rennen natürlich nicht vergleichen. Aber die Leidenschaft der Fahrer, die ist gleich. Ich muss dann immer schmunzeln – weil es genau so ist, wie es bei uns war. Das ändert sich nicht. Dieses Kommerzielle, das Geld: Das ist den Fahrern doch völlig wurscht. Da ist keiner dabei, der nur wegen des Geldes die Skirennen fährt. Dazu ist der Sport viel zu gefährlich. Dazu muss man Begeisterung, ja Fanatismus haben. Was ich beim Felix auch sehe: dieser Zusammenhalt der ganzen Slalomtruppe! Wie bei uns früher. Die schreiben sich, die helfen sich. Der Felix hat mit dem Manfred Pranger seinen festen Physiotherapeuten geteilt.

Da haben Sie anscheinend einiges richtig gemacht bei der Erziehung.

Wir sind als Eltern schon stolz, dass es so ist. In dieses kameradschaftliche Umfeld gibt man auch seine Kinder gern. Dieses Wort Kameradschaft ist heute gar nicht mehr so in, aber es bedeutet so viel. Es gibt ihn nämlich im Sport noch, den netten, hilfsbereiten Umgang miteinander. Ich glaube, es spielt auch eine Rolle, dass dieser Sport so gefährlich ist. Dass jeder weiß, dass er morgen schon auf Hilfe angewiesen sein kann. Das sind schon besondere Typen, die sich auf so etwas einlassen.

Thema Konkurrenz: Wer war in den 70ern Ihre große Gegenspielerin?

Anne-Marie Moser-Pröll. Die hat ja alles gewonnen, hält mit 62 Weltcupsiegen immer noch den Rekord.

Was für ein Verhältnis hatten Sie zu ihr?

In ihrer Mannschaft war es schwieriger, aber mit mir war es gut. Ich hatte mit niemandem Probleme.

Einen Zickenkrieg wie zuletzt zwischen Lindsey Vonn und Maria Höfl-Riesch gab es nicht?

Habe ich persönlich nicht erlebt. Ich wollte das auch gar nicht. Ich bin Ski gefahren, weil ich meinen Spaß haben wollte.

Werden sich die beiden wieder vertragen?

Ich denke schon. Sie werden ganz normal miteinander umgehen, sich nicht angiften. Das sind ja vernünftige Mädels, da muss doch gelten: Rauft’s euch z’samm, Mädels! Und das werden sie auch. Denn es gibt ja viel schlimmere Sachen: Die Schwester von der Maria hat sich so schwer verletzt, die muss man aufbauen. Oder die Gina Stechert, die sich auch verletzt hat. Das ist richtig arg.

Im Buch haben Sie ja auch geschrieben: Wenn ein Konflikt im Raum steht, wird darüber geredet und das Problem gelöst, bevor man abends ins Bett geht.

Genau, alles andere bringt doch nichts. Neulich lief am Tag der Deutschen Einheit im Fernsehen dieses Konzert von Udo Jürgens in Berlin. Da hat er das Lied gesungen „Ich wünsch' dir Liebe ohne Leiden” – und das ist doch eigentlich das, was man jedem Menschen wünscht.


Rosi Mittermaiers Buch „Fröhlich bin ich sowieso” (19,90 Euro, 262 Seiten, 58 Fotos, elf Rezepte) ist im Nymphenburger Verlag erschienen.

 

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