"Robin Hood aller Möpse" Kein Schadenersatz für todkranken Mops

Käfer-Witwe Uschi Ackermann unterstützt mit Mops Sir Henry die Kläger. Um Ronjas Schwester Emma ist auch schon gestritten worden. Foto: dpa

Draußen führen Herrchen ihre Lieblinge Gassi, drinnen geht es um Ronja – eine von ihnen. Die Hündin wird nicht mehr lange leben. Ist die Züchterin schuld an ihrer Erkrankung?

 

München - Sir Henry ist mit Frauchen Uschi Ackermann zur Unterstützung eigens aus München nach Ingolstadt gekommen. "Sir Henry ist der Robin Hood aller Möpse", sagt die Käfer-Witwe gestern vor dem Landgericht und drückt ihrem elf Jahre alten Liebling ein Küsschen auf die Wange. "Ich will, dass die Gerechtigkeit siegt."

Die 69-Jährige ist die vielleicht prominenteste Mopsbesitzerin in Deutschland, zumindest die kämpferischste. Ackermann hat vor Gericht schon einmal einen Prozess für ihren Hund gewonnen. Nun geht es bei Gericht wieder um einen kranken Mops, um einen todkranken sogar. Ronja leidet an der Pug Dog Encephalitis (PDE). Die Folge der unheilbaren Krankheit: epileptische Anfälle, Blindheit, Koordinierungsprobleme beim Gehen.

Jürgen und Marlies Pflaum aus dem fränkischen Ostheim vor der Rhön haben ihren Liebling vor fünf Jahren bei einer Züchterin in Kinding nahe Ingolstadt gekauft. 1.400 Euro haben sie dafür hingeblättert. Zwei Welpen standen zur Auswahl. "Wir haben uns für die Hündin entschieden", berichtet der 52-jährige Pflaum. Nach zwei Jahren bekam Ronja die ersten epileptischen Anfälle.

Eine Untersuchung brachte die traurige Gewissheit: Der Hund hat PDE. Es begann ein Leidensweg für Ronja und das kinderlose Ehepaar. "Es sind viele Tränen geflossen." Der Hund muss regelmäßig zum Tierarzt und in Tierkliniken. "Ronja ist ein Pflegefall", schildert Pflaum, der die Hündin nicht zum Prozess mitgebracht hat. "Das wäre zu anstrengend für Ronja gewesen." In den

Saal hätte sie eh nicht gedurft – denn bei Gericht herrscht Hundeverbot. Ronjas Mutter Luna hat viel zu oft Welpen zur Welt gebracht Während draußen die Unterstützergemeinde neun Möpse ausführt, geht es drinnen sachlich zu. Pflaums Anwalt Andreas Ackenheil, selbst Besitzer von drei Hunden, behauptet, die Hirnhautentzündung gehe auf zu frühes und zu häufiges Decken von Ronjas Mutter zurück.

Gutachterin Marion Link gibt dem Kläger zwar recht, dass Luna zu oft Nachwuchs bekommen musste. Insofern liege ein Verstoß gegen die Zuchtordnung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) vor. Die Erkrankung von Ronja sei aber nicht nachweisbar darauf zurückzuführen. Die Züchterin lässt sich krankheitsbedingt von ihrem Anwalt Wolfgang Maus entschuldigen, der während der Verhandlung lediglich sagt, dass seine Mandantin alle erforderlichen Zuchtnachweise erbracht habe.

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Der Vorsitzende Richter Stefan Schwab lässt keinen Zweifel daran, dass er sich der Meinung der Gutachterin anschließen wird. Der geforderte Schadenersatz für die Behandlungskosten von Ronja in Höhe von bisher weit über 10.000 Euro scheidet nach seiner Überzeugung aus. Den Vergleichsvorschlag des Richters, dem Ehepaar die Hälfte des Kaufpreises für Ronja zu erstatten, lehnt Ackenheil ab. Nach 35 Minuten Argumente-Austausch ist Schluss. Das Urteil wird am 31. Mai verkündet.

Ein ähnlicher Mops-Fall beschäftigte Amtsgericht und Landgericht Ingolstadt schon einmal. Damals ging es um Emma. Sie hat dieselben Eltern wie Ronja, stammt aus derselben Zucht. Die Züchterin zahlte damals 700 Euro Wertminderung, weil Emma angeblich entgegen der Gewährleistungsgarantie, einen Schaden an der Wirbelsäule hat.

 

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