Robbie Williams in München Konzertkritik aus dem Olympiastadion: Robbie als Super-Entertainer

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Der Super-Entertainer Robbie Williams fliegt auf die Bühne und heizt seinem Publikum im Münchner Olympiastadion ordentlich ein. Foto: Sigi Müller / AZ

Robbie Williams hat seinen präpubertären Humor auch mit 39 Jahren noch nicht abgelegt, begeistert die 62000 Fans im Olympiastadion aber mit einer Show, deren Glanzpunkte die alten Songs sind.

 

München - Die ersten Takte von „Let Me Entertain You“ muss Robbie Williams nicht selbst singen. Das übernehmen seine überdrehten Fans. Natürlich kommt er von ganz oben, von der Haartolle seines Konterfeis, das in Gold die Bühne übergroß ziert, stürzt er sich am Seil in die berauschte Menge. Rausch, Robbie, Hey Wow Yeah Yeah. „I am Robbie Fucking Williams. You are fucking Munich. And for the next two hours, your ass is mine.“

Fast wie vor zehn Jahren, mit 375000 Fans in Knebworth. Jetzt sind es nur 62000 im Olympiastadion. Und der 39-Jährige hat weniger Hals und mehr Bauch. Das Mienenspiel aus schiefem Grinsen, Grimassen und Größenwahn hat er immer noch drauf: Bei „Monsoon“ („Munich, you’ve all been so nice to me“) hängt er sich theatralisch den Tränen nah in die Kamera, schleppt sich am Mikro abgestützt zum hinteren Teil der Bühne und bleibt mit dem Rücken zu seinen Jüngern stehen. Als Applaus und Kreischen aufbranden und nicht abebben wollen, dreht er sich strahlend um. „You’re silly fuckers.“

Die Fans goutieren jedes Lächeln und jedes Anpeitschen ihres Gastgebers. Da braucht es das bunte Glitzer-Brimborium drumherum eigentlich nicht. Die übergroßen Silber-Robbie-Büsten, die sich immer wieder auf die Bühne schieben, sind nette Spielereien. Mehr nicht. Mal spritzen sie Wasser, dann Feuerfontänen und bei „Not Like The Others“ öffnet sich der Schädel und Luftballons steigen auf: Der Mann hat nur Blödsinn im Kopf.

Und darauf stehen Männer wie Frauen. Bernie, ein blonder Bursche mit blauer Zunge aus dem Publikum, tanzt mit Robbie wie Beyoncé: Brust und Po wild schüttelnd. Und zwei Italienerinnen werden die Schnappatmung wohl nicht mehr los werden: Francesca und Natalia singen mit ihrem Robbie „Strong“. Um beiden möglichst nah sein zu können, hält eine ihm zitternd das Mikro, während sie beide beglückt unter seinen Achseln klemmen. Als ob das nicht reichen würde, den Hass und Neid aller Frauen auf sich zu ziehen, verkriechen sich die drei in ein Bühnen-Bett zur Ménage à trois.

Ob sie da auch das Robbie-Gemächt gesehen haben? Denn mit einer abgelesenen Botschaft richtet er sich an seine Fans: „This comes from my heart: Ich habe einen großen Pimmel.“ Präpubertärer Humor: Der englische Prolet kommt damit sehr gut an.

Das Pop-Spektakel ist bis nach Schwabing zu hören. Richtig merkt Robbie an, dass der beste Platz wohl im Riesenrad ist, das im Olympiapark aufgebaut ist. Von hier ist der Blick auf die gigantische Gold-Bühne frei. Auf ihr performt er auch seinen alten Hit "Kids“: Da ersetzt er Kylie Minogue durch Olly Murs, der schon vorher dem Olympiastadion eingeheizt hat. Troublemaker Olly Murs begrüßt Robbie mit Handschlag, und während die beiden Briten auf der Bühne herumalbern, wackelt die Robbie-Büste debil – nun ja – eben mit dem Kopf. So daneben wie seine Büste ist Robbie noch lange nicht und fluchen kann er in allen Sprachen. „So self aware, so full of Scheiße“, haucht er rau bei „Come Undone“ ins Mikro und küsst überfallartig ebenso männlich-rau Gitarrist Tommy Longworth.

Verdient, die elfköpfige Livecombo liefert den Sound zu den Hits. Und leider pausieren sie, als Robbie für ein Dreier-Pack „Millennium“, „Better Man“ und „Sexed Up“ breitbeinig zur Gitarre greift. Lagerfeuer-Geklimper funktioniert dort, wo Lagerfeuer sind, nicht in den größten Stadion. Wenig Gänsehaut, dafür Zeit für ein Bier. Danach spielt er auch noch zwei Lieder vom neuen Album, inklusive der wenig inspirierenden Single „Candy“. Irgendwo zwischen Lagerfeuer, pinken Bubbel-Blasen und affigen Videoprojektionen hat er die Münchner kurz verloren.

Er findet sie heiser brüllend wieder: „Can I kick it?“, und die Menge, die den Rock-DJ und keine neuen Songs möchte, brüllt „Yes, you can“. Danach haut er den Münchnern das Balladen-Brett als Zugabe um die Ohren: Bei „Angels“ stellen sich auch die Armhärchen derer in der letzten Reihe auf. Das Publikum singt weiter und weiter und von „A lot of love and affection“, Applaus und Kreischen begleitet, verlässt der größte Entertainer seine Bühne.

 

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