Roaming-Gebühren sollen wegfallen Neelie zückt den Rotstift

 

BRÜSSEL Befreiungsschlag aus Brüssel: EU-Kommissarin Neelie Kroes will ab dem Juli 2014 weitgehende Erleichterungen für Telekom-Kunden durchsetzen. Dann wird aller Voraussicht nach die erste Stufe der Tarifreform zünden, die die EU-Kommissarin plant. Für auf dem Handy im Ausland eingehende Anrufe sollen Kunden dann anders als heute nicht mehr zur Kasse gebeten werden.

Gestern stellte die 72-jährige resolute Politikerin ihre Pläne vor. Für die Telekom-Branche kommen sie einem Schreckensszenario gleich. Satte Minutenpreise für Gespräche von einem EU-Land zum anderen – sie sollen ab 2016 verboten sein. Extragebühren für grenzüberschreitende SMS und die Internet-Nutzung im Ausland – Schluss damit.

Bisher gilt für grenzüberschreitende Anrufe eine Gebühren-Obergrenze von 29 Cent pro Minute (acht Cent für eingehende Anrufe). SMS dürfen höchstens zehn Cent inklusive Mehrwertsteuer kosten. Beim mobilen Internet-Surfen gilt eine Preisobergrenze von 54 Cent pro Megabyte und eine automatische Unterbrechung des Datenzugangs, wenn die Kosten knapp 60 Euro inklusive Mehrwertsteuer erreichen.

Anstelle dieser Obergrenzen will Kroes praktisch alle Extragebühren für internationale Verbindungen abschaffen. Allerdings wählt die Kommissarin nicht den Weg direkter Verbote. Sie will den Firmen statt dessen vorschreiben, dass sie ihren Kunden unkompliziert die zeitweise Nutzung von Anbietern vor Ort ermöglichen.

In der Praxis würde dies so aussehen: Ein Münchner reist etwa nach Paris und erhält nach der Ankunft am Flughafen die SMS eines französischen Mobilfunkanbieters. Dieser bietet ihm unbegrenztes Telefonieren und Internetsurfen pro Tag für einen Euro an. Der Kunde klickt auf einen Link und nimmt damit das Angebot an. Seine Handynummer behält er, die Rechnung des französischen Anbieters erscheint auf seiner Telefonrechnung.

Kroes glaubt, mit diesem Procedere würde die Abrechnung von Auslandstelefonaten für die Firmen so unattraktiv, dass sie gleich ganz auf Roaming-Aufschläge verzichten würden. Nur Mini-Zuschläge, die tatsächlich auf höhere Kosten zurückzuführen seien, will sie billigen. Auch grenzübergreifende Festnetzgespräche sollen nur marginal mehr kosten als Inlandsgespräche. Die Pläne der Kommission brauchen die Zustimmung des EU-Parlaments und der EU-Staaten.

Die Telekombranche ist von den Vorhaben wenig begeistert. Die Firmen befinden sich zurzeit im Spagat zwischen dem (Preis-)Kampf um Kunden und Investitionen in die Netze.

 

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