"Riesenverlust" Bambergs nächster Sieg: Taylor kommt

Bryce Taylor geht nächste Saison für Bamberg auf Korbjagd. Foto: Andreas Gebert/dpa

Transfercoup des Meisters! Der Kapitän wechselt zum großen Liga-Rivalen, dort erhält er einen Vertrag über drei Jahre. "Als Identifikationsfigur ist er ein Riesenverlust für den FC Bayern".

 

München - Die Saison ist für die Basketballer des FC Bayern nach dem 0:3-Halbfinaldebakel gegen Bamberg ja schon seit Ende Mai beendet. Doch jetzt müssen die Münchner einen weiteren emotionalen Schlag ihres großen Rivalen verkraften. Damit ist nicht die Meisterschaft gemeint, die Bamberg am Sonntag erwartungsgemäß perfekt machte.

Nein, mit ihrer jüngsten Attacke zielten die Brose Baskets mitten ins Herz der Bayern. Wie die "SZ" berichtet, ist es Bamberg gelungen, dem FCBB in Bryce Taylor den Kapitän zu entreißen, der Deal mit dem US-Amerikaner ist bereits beschlossene Sache. Er wird die Bayern nach vier Jahren verlassen und nach AZ-Informationen in Bamberg einen Dreijahresvertrag erhalten, der ihm insgesamt 1,2 Millionen Euro netto garantiert. Ein außergewöhnlich lange gültiger und gut dotierter Kontrakt für einen bald 31-Jährigen, den ihm die Bayern offenbar nicht anbieten konnten – oder wollten. Seinen Marktwert erhöht hatte Taylor zuletzt mit der Tatsache, dass er sich derzeit um den deutschen Pass bewirbt. Damit würde er das Ausländerkontingent nicht mehr belasten.

Riesenverlust für Bayern

"Als Identifikationsfigur ist er ein Riesenverlust für die Bayern. Niemand hat die Bayern in den letzten Jahren so verkörpert wie er", sagt Basketball-Experte Florian Schmidt-Sommerfeld der AZ: "Sportlich kann man den Abgang besser verkraften als menschlich." Der Fachmann, der unter anderem das Pokalfinale der beiden Teams für "ran Basketball" kommentiert hat, spricht dennoch von einem "Warnschuss für die Bayern" und einem "Scoop", also einem Überraschungscoup, "von den Bambergern". Der ist ihnen mit Taylors Verpflichtung, auch wenn dessen Spielzeit und Punkteschnitt in der vergangenen Saison merklich weniger wurden, vor allem in der Außenwirkung definitiv gelungen.

"Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir künftig nur noch um den zweiten Platz mitspielen wollen", hatte Bambergs Klubmäzen Michael Stoschek nach dem Titel-Gewinn gegen Oldenburg – dem dritten in Folge und dem siebten in den vergangenen acht Jahren – gesagt. "Es ist keine Frage, dass Bayern München ein Tempo vorlegen wird, das der Maßstab für alle anderen sein wird", meinte er und warf die Frage auf: "Wollen wir auf Augenhöhe mit dem FC Bayern bleiben, oder wollen wir uns ergeben?" Mit der Vormachtstellung seines Vereins, fürchtete der 69 Jahre alte Unternehmer, "ist es bald vorbei". Der FC Bayern werde schließlich "keine Ruhe" geben: "Sie werden doch nicht glauben, dass die sich damit zufriedengeben, zweimal mit 0:3 abgewatscht zu werden."

Bamberger Prestige-Deal

Die Taylor-Verpflichtung ist für ihn und seinen Klub auch eine Art Prestigedeal, mit dem die tatsächlichen derzeitigen Machtverhältnisse im deutschen Basketball dokumentiert werden sollen. Schmidt-Sommerfeld fühlt sich an den Transfer von Anton Gavel erinnert, der nach fünf Jahren in Bamberg 2014 zum damaligen Champion nach München gewechselt war. "Er war das absolute Herz der Mannschaft, war immer die prägende Figur und hat Bamberg zu etlichen Titeln geführt. Und dann haben die Bayern ihn geholt."

Taylor werde nun "am Ende eher als Bamberger in Erinnerung bleiben, so wie Gavel eher als Münchner", glaubt Schmidt-Sommerfeld, "weil es eben dann die letzte Station war." Dabei hatte Taylor stets von seinem "Traum" gesprochen, die Karriere in München beenden und dort ein "Vermächtnis" hinterlassen zu wollen. Mit 1752 Punkten ist er All-Time-Scoring-Leader der Bayern, mit 157 Spielen fehlen ihm nur zwei, um Robin Benzing auch als Rekordspieler des Klubs abzulösen. Ein Banner mit seinem Namen wird dennoch nicht unterm Hallendach aufgehängt werden – zumindest nicht in München.

 

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