Richard Gutjahr Who wants to live forever?

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Heute: Die Idee des ewigen Lebens und die technischen Probleme bei der Umsetzung.

Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie wir Menschen selbst. Für Kinder, die heute geboren werden, könnte er noch in Erfüllung gehen! Ich weiß was Sie jetzt denken, lieber Leser: Gleich hebt der Gutjahr ab. Aber bitte lesen Sie weiter! Letzte Woche bin ich in den USA einem Wissenschaftler begegnet, der eine beeindruckende Geschichte zu erzählen hatte: Dr. Kenneth Hayworth von der Brain Preservation Foundation hat eine Möglichkeit gefunden, wie er das menschliche Gehirn so präparieren kann, dass es über Jahrhunderte hinweg konserviert und wie ein alter Motor in einer neuen Karosserie wieder gestartet werden kann.

Die durchgeknallte wie auch brillante Idee: Das Gehirn wird konserviert und dient als Vorlage für eine Art Computer. Der Wissenschaftler ist davon überzeugt: Wenn man den Bauplan unseres Hirns, also Neuronen, Hypothalamus und all das, was wir so an Hardware zur Verfügung haben, in einem Computer simuliert, lässt sich unser Bewusstsein wie eine Software aus dem Körper extrahieren. Die für diese Prozedur benötigte Technik sei bereits heute vorhanden.

Die Idee zu dieser Methode kam dem Neurologen übrigens schon vor langer Zeit. Als kleiner Junge wollte er schon immer den Weltraum bereisen und ferne Sterne besuchen. Als der kleine Kenneth erfuhr, dass unser Körper eine derart lange Reise unmöglich überstehen würde, auch nicht mit Botox, wandte er sich der Neurologie zu.

Einen Haken hat seine Methode: Um das Gehirn 1:1 bis zur letzten Synapse abbilden zu können, muss der Mensch - mit noch intaktem Gehirn - getötet werden. Denn je älter wir werden, desto schlechter die virtuelle Kopie später nach unserem Ableben.

Und noch ein Problem: Zwar würde sich der Patient an jedes Detail seines früheren Lebens erinnern können, wenn er im Computer wiederbelebt wird. Jedoch in Gestalt seines nackten Bewusstseins, also völlig ohne Körper, würde der Mensch verrückt werden. Deshalb müsse man mit der Wiederbelebung wohl einige Jahrhunderte warten, bis es der Menschheit gelingt, einen Menschen-ähnlichen Roboter zu fertigen.

„Und was ist mit unserer Seele - kommt die mit?", will ich von dem Wissenschaftler wissen. Das, so der kluge Kopf, werden wir erst erfahren, wenn wir es ausprobiert haben. Na, liebe Leser, wer möchte?

 

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