Richard Gutjahr Und täglich versinkt das Abendland

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Heute: Der technische Fortschritt als Angriff auf die natürliche Ordnung.

Haben Sie Angst vor der Zukunft? Stehen Sie neuen Technologien skeptisch gegenüber? Glauben Sie, dass früher alles einfacher war? Keine Sorge, ich bin bei Ihnen. Auch ich komme langsam in ein Alter, in dem ich mir gelegentlich die Frage stelle, ob es wirklich so klug war, dass wir damals von den Bäumen geklettert sind.

Handy, Internet, diese ständige Erreichbarkeit! Technologischer Fortschritt hat die Menschheit schon immer heraus- und vielen Fällen überfordert. Die Erfindung der Glühbirne, des Automobils, sogar der Fernseher wurde von Kulturpessimisten als Untergang des Abendlandes bezeichnet (Okay, wenn ich genau darüber nachdenke, beim Fernseher hatten sie damit tatsächlich Recht).

Worauf ich hinaus will: Wir Menschen stehen dem Fortschritt grundsätzlich mit Skepsis gegenüber. Je älter wir werden, umso ausgeprägter ist dieses Gefühl. Der britische Autor Douglas Adams brachte das einst auf die folgende Formel: Alles was es schon gibt, wenn wir auf die Welt kommen, ist normal und wird als selbstverständlich empfunden.

Erfindungen, mit denen wir als junge Erwachsene konfrontiert werden, empfinden wir als aufregend und revolutionär. Wenn wir die 50 erst einmal überschritten haben, betrachten wir Innovationen als Angriff auf die natürliche Ordnung der Dinge. Ein kluger Kopf hielt sogar schon die Erfindung der Schrift als problematisch: „Wer die Schrift gelernt haben wird, in dessen Seele wird zugleich mit ihr viel Vergesslichkeit kommen, denn er wird das Gedächtnis vernachlässigen.“ Das geschriebene Wort produziere „ein Geschlecht von Scheinweisen“, unkte der große Denker, „ein Geschlecht, das kein wahres Wissen mehr hat.“ Nein, nicht „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher. Der Andere: Platon.

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