Richard Gutjahr Null Blog

Richard Gutjahr: der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Unser Kolumnist über die Meinungsfreiheit im Internet

 

In Deutschland gibt es 10000 Blogger. Sagt man. Wissen tut das freilich keiner, denn wir Blogger sind wenig organisiert, weder in Verbänden und auch sonst nicht. Viele Menschen zieren sich, ein Blog zu führen, weil sie meinen, ihnen fällt nichts ein oder sie können nicht schreiben. Als ob das professionelle Schreiber je davon abgehalten hätte, Journalist zu werden.

Jürgen Domian ist einer, der aus seinem Herz keine Mördergrube macht. (Exkurs: Der Ursprung dieser Redensart geht auf den frühchristlichen Blogger Matthäus zurück – Matth. 21,13 „Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!“). Der Kölner Talkradio-Moderator hatte sich kürzlich bei Facebook kritisch über den neuen Papst geäußert. Wenig später hatte Facebook seinen Text einfach gelöscht. „Ungeheuerlich!“, schimpfte Domian, das Freunde-Netzwerk aus den USA übe Zensur aus. Nicht das erste Mal, dass Facebook des willkürlichen Löschens bezichtigt wird. So hatte der Internet-Konzern vor einigen Monaten das Foto einer Nutzerin entfernt, weil der unverhüllte Ellbogen der Frau irrtümlich für eine blanke Brust gehalten wurde.

Im Netz tobt seitdem eine Debatte darüber, ob Facebook das Recht hat, Inhalte seiner User zu löschen. Ja, sagen die einen, schließlich sei die Internet-Plattform kostenlos. Nein, sagen die anderen, das Recht auf freie Meinungsäußerung gelte auch für Facebook.

Wie so vieles im Leben kann man das nicht einfach nur schwarz oder weiß sehen, sondern eher so 50 Shades of Grey. Wer Katja Riemann auf ihrer Facebook-Seite kritisiert, muss damit rechnen, dass die Diva solche Kommentare löscht.

Ein Grund mehr, ein eigenes Blog zu betreiben. Hier kann man über Gott und die Welt so ziemlich alles schreiben, was das Grundgesetz deckt. Eine Errungenschaft, die wir oft als selbstverständlich betrachten, und von der wir viel zu wenig Gebrauch machen. Wir sollten nicht vergessen, dass in anderen Ländern Menschen ihr Leben riskieren, wenn sie öffentlich ihre Meinung kundtun. Deshalb: diskutieren Sie mit! Mischen Sie sich ein! Bloggen Sie! Sie haben sicher mehr zu sagen, als nur alle vier Jahre durch ein Kreuz in der Wahlkabine.

 

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