Richard Gutjahr Me, myself and my Selfie

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Heute: Ein Phänomen des Smartphone-Zeitalters - das Selfie.

Ein Schnappschuss geht um die Welt: 3,2 Millionen. So viele Menschen haben bis dato das Handy-Foto geteilt, das TV-Moderatorin Ellen DeGeneres während ihrer Oscar-Moderation live ins Netz stellte. Binnen 35 Minuten hatte das Bild die 800000-Retweet-Marke gerissen. Damit hat die Showmasterin den bisherigen Rekordhalter, Barack Obama, auf die Plätze verwiesen.

Selfies, also Bilder, die man mit ausgestrecktem Arm von sich selbst knipst, haben eine lange Tradition. Schon alte Meister wie Rembrandt oder van Gogh schufen erste Selfies, indem sie ihre Selbstporträts auf Leinwand bannten. Was blieb ihnen auch anderes übrig, Handykamera und Facebook gab es ja noch nicht.

Seinen eigentlichen Durchbruch feierte das Selfie erst vor wenigen Jahren, als mehr und mehr Menschen damit begannen, ihre Selbstporträts in Sozialen Netzwerken zu teilen. Dabei verfolgt das Selfie nur das eine Ziel, nämlich seinen echten wie auch falschen Freunden zu zeigen, was für ein klasse Typ man doch ist.

Beim Selfie unterscheidet man zwischen zwei Arten: Gruppe 1 ist das ortsgebundene Selfie, also Fotos, die den Selfisten in einer möglichst exklusiven Situation oder vor exotischer Kulisse zeigen – etwa vor dem Eiffelturm, auf der Zugspitze oder nackig reitend auf einem Einhorn.

Bei der anderen Gattung Selfie handelt es sich um Gruppenfotos, die oft Personen-gebunden sind und dem Betrachter signalisieren, wie beliebt der Selfie-Macher doch ist. Partyfotos etwa erfüllen diesen Zweck oder Bilder an der Seite eines Filmstars oder inmitten eines Rudels von Hundewelpen. Auch Wahlplakate sind nichts anderes, als getarnte Selfies, wobei hier ein professioneller Fotograf zum Einsatz kommt, der dem Selfisten als verlängerter Arm dient. In vielen Fällen wird das Ergebnis später noch am Computer nachbearbeitet, von einem Retusche-Künstler.

Was völlig okay ist, denn ein Selfie bildet nie die Realität ab, sondern die Art und Weise, wie ein Selfist von anderen gerne gesehen werden möchte. So gesehen sind Selfies eine überaus ehrliche Angelegenheit: eine Momentaufnahme unserer Seele.

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