Richard Gutjahr Familienbande

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Heute: Die webbasierte Genealogie als ein gigantischer Markt.

Sie und ich, lieber Leser, liebe Leserin, wir sind mit hoher Wahrscheinlichkeit verwandt. Die Frage ist nur: über wie viele Ecken? Möchte man das herausfinden, stößt man bei Standes- und Einwohnermeldeämtern schnell an seine Grenzen. Allein eine weltweite Datenbank mit millionenfach verknüpften Stammbäumen könnte einen solchen Nachweis erbringen.

Genau das geschieht gerade. Die webbasierte Genealogie ist ein gigantischer Markt. Allein der Marktführer unter den Ahnenforschungsnetzwerken, ancestry.com, besitzt bereits 60 Millionen Familien-Stammbäume und wird mit rund 2 Milliarden Dollar bewertet. Anders als Facebook oder Google haben die großen Familiennetzwerke ihre Zentrale nicht im Silicon Valley sondern im US-Bundesstaat Utah.

Die „Heiligen der letzten Tage“, besser bekannt als Mormonen, sitzen dort auf so etwas wie dem heiligen Gral der Ahnenforscher: ein gewaltiges Weltarchiv an Stammbäumen, Wappen und Abstammungsurkunden. Mormonen glauben, dass Familien nach dem Tod wieder vereint werden. Aus diesem Grund sind sie dazu angehalten, entfernte Verwandte überall in der Welt zu missionieren und das sogar posthum. Eifrig wie das Zwergvolk aus „Herr der Ringe“ schürfen sie seit über 100 Jahren personenbezogene Daten in Form von historischen Dokumenten und lagern diese bombensicher in einer Granitkammer im Inneren des Wasatch-Gebirges in Utah. Passagierlisten der Pilgerschiffe, Grundbucheinträge, Geburts- und Totenurkunden, Wahlregister und Namenslisten aus unzähligen Archiven.

Ein Datenschatz, an dem nicht nur Ahnenforscher sondern immer mehr kommerzielle Unternehmen interessiert sind. Firmen wie der Google-Ableger 23andme ermitteln Familienstammbäume aus DNA-Proben. Damit nicht genug. Ein Startup aus Israel hat soeben eine App veröffentlicht, mit der Hobby-Ahnenforscher in der ganzen Welt die Grabsteine von Friedhöfen abfotografieren können. Die Fotos werden automatisiert ausgelesen und einer Datenbank zugeführt. Das Ziel: einen Stammbaum der gesamten Menschheit zu erstellen.

Der Zugriff auf die weltweite Datenbank kostet bei den großen Anbietern rund 200 Euro im Jahr. Oder Sie werden Mormone. Für die ist die Benutzung nämlich kostenlos.

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