Richard Gutjahr Facebook forever!

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr schreibt für die Abendzeitung über digitalen Lifestyle – das Leben mit Computer. Diesmal: Facebook wird zehn Jahre alt - eine persönliche Bilanz.

 

Verehrtes Facebook, wir müssen reden. Zehn Jahre bist Du jetzt alt. Glückwunsch. Zeit für eine persönliche Bilanz: 28 Tage, vier Stunden und fünf Minuten. So viel Lebenszeit hast Du mir schon gestohlen in den sieben Jahren, in denen ich bei Dir Mitglied bin.

17 Minuten verbringt ein Facebook-Nutzer täglich auf Deinen Seiten und hinterlässt dabei einen Wust an mitunter sehr persönlichen Informationen. Lange dachte ich, ich sei Dein Kunde. Dabei verhält es sich genau umgekehrt: Ich bin das Produkt mit dem Du Dein Geld verdienst. Meine Geheimnisse sind Dein Kapital. Mit einem Börsenwert von 156 Milliarden US-Dollar verputzt Du DAX-Konzerne wie Volkswagen oder Siemens zum Frühstück. 28 Millionen Nutzer hast Du allein in Deutschland, 1,2 Milliarden aktive Nutzer weltweit. Kein Werbetreibender kommt mehr an Dir vorbei.

Oft wurdest Du schon für tot erklärt; Mitgliederschwund, fehlender Coolness-Faktor, ein einsetzender Exodus der jungen Leute. Den Vogel aber schoss die Princeton-Universität ab, die vergangene Woche eine Rechnung veröffentlichte, wonach Facebook seinen Zenit überschritten habe und in drei Jahren am Ende ist. Genüsslich hast Du den Fehdehandschuh aufgehoben und der Elite-Universität vorgerechnet, dass auch sie spätestens 2017 ohne Studenten da stünde.

Bam! So sehr ich Dir Deinen Erfolg gönne, Facebook, ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich gestehe, dass ich Dich nicht besonders leiden kann. Und mit dieser Meinung bin ich nicht allein. Auf einer nach unten offenen Beliebtheitsskala rangierst Du irgendwo zwischen Markus Lanz und FDP. Oft habe ich schon daran gedacht, den Stecker zu ziehen, mich bei Dir abzumelden. Aber ich traue ich mich nicht, zumindest nicht, solange Du meine echten wie falschen Freunde in Geiselhaft hältst.

Angeblich arbeitest Du mit Hochdruck an neuen Smartphone-Apps. Darunter eine News-Plattform mit dem schönen Titel „Paper“, die am 3. Februar auf den Markt kommt. Eine elektronische Zeitung, maßgeschneidert nach meinen persönlichen Interessen. Ich bin gespannt. Und auch ein bisschen besorgt.

Ob ich wohl jemals wieder von Dir loskomme?

 

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