Richard Gutjahr Der schwarze Freitag

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr schreibt für die Abendzeitung über digitalen Lifestyle - das Leben mit Computern. Diesmal über den schwarzen Freitag - nicht jenen des Börsenchrashs.

 

Heute ist Black Friday, der schwarze Freitag. Kein Börsencrash (der ja eigentlich an einem Donnerstag stattfand und nur in Europa wegen der Zeitverschiebung auf einen Freitag fiel). Für alle Geeks und Techies in Amerika ist der Black Friday der höchste Feiertag im Jahr; für uns Deutsche in etwa vergleichbar wie Weihnacht en, Ostern und Beginn der Fußball-Bundesliga-Saison zusammen. Am Freitag nach Thanksgiving stürmen die Amis traditionell die Einkaufszentren und Technik -Tempel der Vorstadt, auf  der Suche nach Schnäppchen. Von der Spielkonsole bis hin zum LCD-Fernseher, alles an diesem Tag ist reduziert. Der Einzelhandel frohlockt, werden so die lähmenden vier konsumfreien Wochen zwischen Erntedankfest und Weihnachten überbrückt.

Dass dieser große Feiertag nur in den Vereinigten Staaten begangen wird und in unseren Kulturkreisen gänzlich unbekannt ist, hat einen Grund. Der Ursprung des Black Friday geht zurück auf die 102 Pilgerväter, -Mütter und -Kinder, die einst mit der "Mayflower“ nach Amerika reisten, um in der neuen Welt ( „Neuland“) ihr Glück zu suchen. Knapp zwei Monate dauerte die Überfahr t. Die Reise galt als beschwerlich und stellte gerade Familien mit Kindern vor eine harte Probe.

Gameboys oder iPods gab es nicht. Und auch sonst war das Leben an Bord dieses Dreimasters kein Zuckerschlecken. Tagein tagaus hartgekochte Eier ,Sauerkraut und jodiertes Pökelfleisch; Mahlzeiten, die selbst unseren heutigen Flugzeugfraß in den Schatten stellen. Am 21. November des Jahres 1620 war es soweit: Die „Mayflower“ erreichte die Küste von Massachusetts. Ursprünglich wollte man nach Virginia, rund 1000 Kilometer weiter südlich, aber der Kapitän traute wohl seinem Navi nicht.

Die Pilger beschlossen, das Beste aus der Situation zu machen: Sie schlachteten einen Truthahn und begannen noch in derselben Nacht damit, Pläne zu schmieden. Handel wollten sie betreiben, und so begannen sie damit, die Ureinwohner nach allen Regeln der Kunst über den Tisch zu ziehen. Landrechte wurden getauscht gegen Glasperlen und Alkohol. Ausgerechnet die einst so enthaltsamen Calvinisten erfanden den Black Fr iday, den Tag des zügellosen Konsums! Seitdem gilt der schwarze Freitag in Amerika als einer der umsatzstärksten Verkaufstage des Jahres. Des Händlers Hände schwarz vom Zählen der vielen gedrukt en Dollar-Noten.

 

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