Richard Gutjahr Apple, Google & Co.: Spione wie wir

Richard Gutjahr: Der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Richard Gutjahr schreibt für die Abendzeitung über digitalen Lifestyle - das Leben mit Computern. Diesmal: Apple, Google & Co.: Spione wie wir

 

Hoher Besuch im Weißen Haus. Nicht Putin. Nicht Merkel. Nicht Xi Jinping. Viel mächtiger: Tim Cook, Eric Schmidt, Sheryl Sandberg, Marissa Mayer, Dick Costello, die CEOs und Topmanager von Apple, Google, Facebook, Yahoo und Twitter, Giganten des Internets. Zwei Stunden haben sie mit dem Herrscher der alten Welt, Präsident Obama, diskutiert. Laut US-Medien ging es dabei angeblich primär um Probleme mit der neu gestarteten Webseite zum staatlichen Gesundheitssystem. Im Zentrum stand aber ein ganz anderes Thema, nämlich die weltweite Massenüberwachung durch die NSA.

Schon früh haben die großen Hightech-Konzerne erkannt, dass ihnen die Snowden-Veröffentlichungen zum Verhängnis werden könnten. Im Kampf um Daten und um Marktanteile gilt im Web am Ende immer das Vertrauen der Kunden. Und das ist, um es diplomatisch auszudrücken, jenseits von Gut und Böse. Laut einer aktuellen BITKOM-Studie halten seit Bekanntwerden des NSA-Skandals 80 Prozent der Deutschen ihre Daten im Internet generell für unsicher. Jeder zweite deutsche Internetnutzer fühlt sich von Ausspähung durch staatliche Stellen bedroht. Haben Apple, Google, Microsoft & Co. nach Snowdens Enthüllungen noch herumlaviert, gehen die Web-Companies nun zum Angriff über. Auf einer gemeinsamen Web- seite präsentieren die Internet-Riesen ihre Forderungen für eine Reform zur Kontrolle der Geheimdienst-Exzesse.

Bereits Anfang dieser Woche hatte das Urteil eines US-Gerichts für Aufsehen gesorgt. Ein Richter am Federal District Court in Washington kam zu dem Schluss, dass das massenhafte Sammeln von Telefondaten durch den US-Geheimdienst womöglich gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstoße. Und wenn die Amerikaner keinen Spaß verstehen, dann ist es, wenn jemand ihre Verfassung nicht respektiert.

Über der NSA-Zentrale in Fort Meade ziehen Gewitterwolken auf. Das No-Spy-Abkommen mit Deutschland wolle man jedenfalls nicht unterzeichnen, heißt es aus Washington. Wenigstens eine Deutsche hat die Zusage bekommen, in Zukunft nicht mehr belauscht zu werden: Angela Merkel. Das hatte Obama versprochen. Was aus den restlichen 80 Millionen Deutschen wird, weiß der Teufel – und damit bestimmt auch die NSA.

 

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