Richard Freitag im Interview "Wir werden Spaß haben – auch neben der Schanze"

"Du gehst da rüber, und wenn’s läuft, dann läuft’s", sagt Deutschlands Spitzenspringer Richard Freitag über die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, die morgen eröffnet werden. Foto: Daniel Karmann/dpa

Skispringer Richard Freitag gehört in Pyeongchang zu den Medaillen-Favoriten. In der AZ spricht er über die Vorbereitung, seine persönlichen Erinnerungen an Olympia – und was er auf Koreanisch sagen kann.

AZ-Interview mit Richard Freitag: Der 26-jährige Vizeweltmeister mit der Mannschaft von 2015 ist einer der großen Favoriten für die Skisprung-Bewerbe bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Im Gesamtweltcup belegt er im Moment Rang zwei.

AZ: Herr Freitag, seit Dezember liegt eine krasse Terminhatz mit Wettkämpfen im Wochentakt hinter Ihnen – und nun Olympia vor Ihnen. Wie ist es derzeit um Ihr olympisches Gefühl bestellt?
RICHARD FREITAG: Das war bis zu den Springen in Zakopane und Willingen noch nicht so richtig vorhanden. Ich bin zuletzt ja kaum mit dem Waschen meiner Wettkampfklamotten hinterher gekommen.

In Zakopane und Willingen herrschte mal wieder eine irre Karnevalsstimmung. Was für eine Atmosphäre erwarten Sie in Pyeongchang? Allzu viel hat man von südkoreanischen Skispringern bislang ja nicht gehört.
Olympia hat ja auch eine andere Seite: Es gibt andere Sportarten, wir werden bestimmt auch neben der Schanze jede Menge Spaß haben – und wir sind endlich mal zweieinhalb Wochen an einem Ort. Das haben wir ja sonst nie.

Wie haben Sie die letzten Spiele in Sotchi erlebt? War dort Zeit, sich auch mal mit anderen Dingen außer Skispringen zu beschäftigen?
Wir haben uns schon ein bisschen was angeschaut: Trickski, Slopestyle und auch Freestyle. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr mal zu den Alpinen komme, weil wir das hier sonst leider nie schaffen. Unser Pressesprecher, der auch die Alpinen betreut, sagt immer: 'Ihr müsst mal vorbeikommen!', aber wann sollen wir das denn machen? Wir haben ja die gleichen Saisonzeiten. Aber vielleicht geht es sich ja mal aus, das wäre toll.

Wie gut kennen Sie die Kollegen, zum Beispiel den Thomas Dreßen?
Nicht wirklich gut. Vielleicht finden wir ja mal die Zeit, uns kennen zu lernen.

Als Mannschaft seid ihr ja auch nur bei der Eröffnungs- und bei der Abschlussfeier unterwegs, oder?
Stimmt. Wenn wir im Weltcup unterwegs sind, haben wir nur in Lahti und Oslo mal die Nordischen Kombinierer oder die Langläufer mit dabei. Ansonsten sind das immer die selben Gesichter.

Was ist eigentlich dran an diesem Mythos "Mensa im Olympischen Dorf als Schmelztiegel aller Nationen und Sportarten"?
Da freue ich mich auch drauf, aber wir wissen noch nicht genau, wie es wird. Wir waren im vergangenen Jahr zwar schon in Pyeongchang, aber nicht in unserem jetzigen Quartier. Das war alles noch nicht fertig. Das wird spannend.

Wie liegen Ihnen die Schanzen dort?
Die große Schanze war fein, eine schöne Anlage. Ich war damals nicht so fit, insofern kann man da für die Wettkämpfe jetzt nicht viel ableiten. Die kleine Schanze bin ich noch nicht gesprungen, weil ich damals erkältet war. Ich lasse mich mal überraschen.

Wie viele Sprünge haben Sie dort vor dem Wettkampf etwa?
Es gibt zwei offizielle Trainings plus Training und Quali – macht zusammen etwa acht Sprünge.

Das ist verdammt wenig!
Och, das reicht schon. Ich glaube nicht, dass du dir in acht Sprüngen viel versauen kannst, dir aber auch nicht sehr sehr viel erarbeiten kannst. Du gehst da rüber, und wenn’s läuft, dann läuft’s, und wenn nicht, dann kannst du nicht mehr viel machen, das ist einfach so. Die Vorbereitung ist schon durch.

So ganz schlecht sind Sie ja nicht drauf derzeit.
Bis jetzt, toi, toi, toi: Drei Mal auf Holz klopfen!

Was ist eigentlich Ihre erste Erinnerung an Olympia? Gab’s irgendeinen Helden für Sie?
Schwierig, weil meistens vermischt man das dann mit Erzählungen. Richtig mitgefiebert habe ich dann erst mit Simon Ammann, 2002 in Salt Lake City.

Wie groß ist nun die Vorfreude auf Korea? Mögen Sie zum Beispiel das Essen dort?
Sehr gerne, da stehe ich ziemlich drauf. Das ist etwas sehr Gesundes. Im vergangenen Jahr waren wir mit einem Deutschen essen, der dort schon länger lebt, und der sagt: "Du findest praktisch keinen Koreaner mit schlechten Zähnen." Weil die nur dieses Reine essen: Blätter, Fleisch. Ich freue mich drauf. Aber im Olympischen Dorf kriegst du eh alles.

Dann müssen Sie mal raus in die freie Wildbahn. Wobei das spannend werden könnte, weil viele Koreaner kein Englisch sprechen und auch die Speisekarten eher schwer verständlich sein sollen...
Das ist in der Tat so. Aber Hallo, Auf Wiedersehen und Danke schön kann ich schon auf Koreanisch.

Respekt! Woher können Sie Koreanisch?
Wir haben letztes Jahr so ein Buch bekommen, in dem ich ein bisschen gelesen habe. Aber das dauert so lange, bis man da ein paar Wörter zusammen bringt...

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