Hofspielhaus "Zu Tisch bei König Ludwig"

Sophie Mengele (sonst an den Tasten) mit Barbara Sauter und Richard Wiedl mit königlich-bayerischen Insignien. Foto: Verena Mittermeier

Die Revue „Zu Tisch bei König Ludwig II“ im Hofspielhaus denkt über den Kini, uns Untertanen und Bayern nach

 

So nach 20 Minuten ist kurz auch das Publikum dran: „Bayernhymne!“ Und es ist schwer abzuschätzen, wer von den etwa 60 Zuschauern um den Stutzflügel, der als feierliche Tafel gedeckt ist, den Text parat gehabt hätte.

Aber es gibt einen Programmzettel. Und es geht jetzt ohnehin um zwei unbekanntere Strophen: Eine – „Gott mit ihm dem Bayern König“ – hat sich historisch spätestens mit der sozialistischen Freistaat-Revolution 1918 überholt. Und die andere? „Gott mit uns und allen Völkern / ganz in Einheit tun wir kund: / In der Vielfalt liegt die Zukunft / in Europas Staatenbund. /Freie Menschen, freies Leben, / gleiches Recht für Mann und Frau! / Goldne Sterne, blaue Fahne / und der Himmel, weiß und blau!“ Die wiederum war 2012 nach einer Ausschreibung der CSU-Mehrheit wohl doch zu weltoffen. Was Sophie Mengele, unsere Frau am Klavier und Mitspielerin, auch anmerkt.

Mischmach für Untertanen

Und weiter geht es mit musikalischen Wagner-Anspielungen und charmanten Archiventdeckungen nach dem Motto: Münchner Liedgut aus der Zeit um 1880, als „der Alte Peter“ noch gemütlich in unserm München stand. Auch dass dieses Lied aus Wien geklaut war, deutet das bürgerliche Königspaar der Revue (Wälse: Barbara Sauter und Franz: Richard Wiedl) walzernd und singend an.

„Zu Tisch bei König Ludwig II“ ist ein etwas seltsamer Mischmasch. Was schon damit beginnt, dass wir gar nicht beim König selbst zu Gast sind, sondern bei zwei Kleinbürgern, die – durch königlichen Brauch gestattet – einen Tag lang Königspaar spielen dürfen. Was beim Märchenkönig besonders merkwürdig ist, da er über eine gescheiterte Verlobung nie hinausgekommen ist.

Regisseur und Autor Sebastian Brummer hat zusammen mit Tausendsassa Moses Wolff also eine Kleinbürger-Revue geschrieben, die recht klischeehaft durchspielt, wie sich der Kleine Moritz das Königsein vorstellt. Gut getroffen ist dabei die bayerische Mentalität zwischen sentimentaler Königstreue und selbstbewusster Unbotmäßigkeit. Und dass es mit den Monarchisten gar nicht soweit her war, zeigt ja auch die Revolution vor 100 Jahren, als keiner mehr einen Finger krumm machte für das Hause Wittelsbach.

Ohne Wagnersche Tiefe

Aber schee war er scho, der junge Kini (hier wunderbar wortlos von Oliver Huber im königsblauen Gewand mit Plüschhermelinschleppe würdig verkörpert). Und natürlich war Ludwig einer, der mit Kunst Politik machen wollte, angenehmerweise auch Pazifist war – aber vor allem ein Rätsel bleiben wollte: sich und der gemiedenen Welt.

Auch das alles wird erzählt, ohne in die Tiefe zu gehen. Gesanglich ist unser Bürger-Königspaar ganz tapfer. Aber der König speiste immer allein. Allenfalls für seine Fantasie ließ er mitdecken – zum Beispiel für die Pompadour. Wir als Zuschauer bekommen gute Sandwiches aus der Pausenvitrine und theatralisch? Rohkost! 

Hofspielhaus, Falkenturmstraße 8, wieder am 22, 25. Dezember sowie ab 6. Januar, Tel. 24209333

 

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