Revolution für 23 Tage Revolte von FJS: 40 Jahre "Geist von Kreuth"

Hier ist 40 Jahre lang CSU-Geschichte geschrieben worden: das Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth, dort gab's auch eine Diskussion bei einem Weizen: Franz Josef Strauß und der damalige CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann. Foto: dpa

Zoff zwischen CDU und CSU ist keine Erfindung der jüngsten Geschichte. Doch nie eskalierte ein Streit so wie am 19. November 1976. Ein Rückblick.

 

Kreuth - Ein Geist geht um in der CSU – der Geist von Kreuth. Obwohl das Gespenst längst in die Jahre gekommen ist, genießt der Trennungsbeschluss der CSU-Landesgruppe vom 19. November 1976 noch immer einen hohen Stellenwert. Zum ersten und bislang einzigen Male wagte die CSU bei ihrer Klausur im seither legendären Wildbad Kreuth die große Revolte und kündigte die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag auf. Und mehr noch, der Plan von CSU-Chef Franz Josef Strauß sah auch vor, künftig bundesweit bei Wahlen anzutreten.

Anders als der seit über einem Jahr andauernde Zoff mit der CDU über die von der CSU geforderte Obergrenze für 200 000 Flüchtlinge dauerte 1976 die Mutter aller CSU-Revolten nur 23 Tage. Schon am 12. Dezember wurde der Trennungsbeschluss wieder zurückgenommen. Der Druck der CDU war einfach zu groß, der damalige Parteichef Helmut Kohl hatte dem Revoluzzer Strauß offen mit der Gründung eines bayerischen CDU-Landesverbandes gedroht.

Trotzdem hatte Kreuth die CSU-DNA dauerhaft verändert – CSU und CDU bewegten sich nun auf Augenhöhe als gleichberechtigte Partner in der Union mit dem Recht auf eigene Meinungen und Positionen. Diese Denkweise zeigt sich aktuell eindrucksvoll im lautstarken Zoff um die Zuwanderungspolitik.

Der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter ist sich sicher, dass es eine vergleichbare Revolte nie wieder geben wird: "Die Strukturen sind zu verfestigt."

Oberreuter: Ein erneuter Trennungsbeschluss wäre "selbstmörderisch"

Dies habe auch die jüngste Krise in der Union zur Flüchtlingspolitik gezeigt. "Das war heftig, aber nie wurde auch nur darüber nachgedacht, die Fraktionsgemeinschaft zu beenden." Für die CSU wäre ein erneuter Trennungsbeschluss "geradezu selbstmörderisch", denn die Partei müsste bei einer Ausdehnung um die Aufgabe ihrer bayerischen Identität fürchten.

"Die Mehrheit der CSU hatte eingesehen, dass mit einer Spaltung der Union die CSU ihr Alleinstellungsmerkmal und ihren einmaligen Vorteil, die einzige große Bayernpartei zu sein, verlöre", sagt auch der 1977 zum CDU-Generalsekretär gewählte Heiner Geißler.

Dabei sei es genau dieser Sonderstatus, von dem die CSU bis heute profitiere, betont Oberreuter: "Es ist nicht die christliche Prägung des Freistaates oder ein besonders ausgeprägter Katholizismus, der der CSU zugute kommt, sondern die in der Bundesrepublik einmalige Konstellation, dass ein Land, eine Region, ein Lebensgefühl und Wohlergehen von einer Partei im Bund repräsentiert werden."

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CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber: "Eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers kann niemand wirklich wollen, gerade in der heutigen Situation, in der die Volksparteien auf dem Prüfstand stehen und teilweise im 20-Prozent-Turm verharren."

Für die Chefin der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, steht fest: "Die erste Klausurtagung in Kreuth vor 40 Jahren war der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte." Es sei aber richtig gewesen, den Beschluss zu revidieren. "Als Union sind wir nur gemeinsam stark."

 

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