Ein Münchner vergisst seine Pizza im Ofen, schläft auf dem Sofa ein. Als die Nachbarn ihn retten wollen, wird das Chaos erst perfekt. Pizza molto Confusione!

Giesing - Die Wohnung voller Rauch, ein Fremder, der einen an der Schulter packt und kräftig rüttelt – da kann man im Halbschlaf schon einmal kurz den Überblick verlieren, so wie es einem 26-Jähriger aus Obergiesing am Sonntagmorgen passiert ist.

Aber alles hübsch der Reihe nach. Eine lange und harte Nacht liegt hinter Bernd A. (Name geändert), als ihn am frühen Sonntagmorgen der kleine Hunger überkommt. Er geht zum Kühlschrank seiner Wohnung in der Zehentbauernstraße, holt eine Fertigpizza aus dem Tiefkühlfach und packt sie in den Ofen. Dann geht er ins Wohnzimmer und macht es sich auf dem Sofa gemütlich. Kein Problem, in dem Apartment sind Küche und Wohnzimmer praktisch ein Raum.

Im Ofen fängt die Pizza an zu brennen

Vom Sofa aus hat der Münchner deshalb die Lage gut im Überblick. Doch dann fielen ihm vor lauter Müdigkeit die Augen zu. Der 26-Jährige schlummerte tief und fest, während seine Pizza bei 270 Grad im Ofen langsam die verschiedenen Agregatszustände alles Essbaren durchlief: Steifgefroren, labrig, knusprig, well done würde man bei einem Steak sagen, schließlich steinhart und tiefschwarz verbrannt.

An diesem Punkt des nicht ganz so perfekten Dinners beginnt es unübersichtlich zu werden. Dicke Rauschwaden ziehen durch die Wohnung. Doch der 26-Jährige schläft weiter den Schlaf des Gerechten. Vier Nachbarn werden auf den Qualm aufmerksam und schlagen Alarm. "Wir haben gerufen und geklopft, aber keine Reaktion", erzählt Eva Hutter. Die 32-Jährige nahm schließlich einen Stein und warf bei ihrem Nachbarn eine Fensterscheibe ein. Da die Wohnung im Erdgeschoss liegt, kletterte ihr Freund anschließend durchs Fenster. Matthias Berger (41) sieht sich in der verrauchten Wohnung um. Auf dem Sofa sitzt Bernd A. und schnarcht ganz entspannt.

Aus Angst vor Einbrechern im Schlafzimmer eingesperrt

"Mein Freund hat ihn an der Schulter gepackt und kräftig gerüttelt", erzählt Eva Hutter. Keine Reaktion. "Aufwachen, es brennt", ruft Matthias Berger. Als Bernd A. schlaftrunken die Augen aufschlägt, sieht er sich einem Fremden gegenüber, in der Wohnung stinkt es furchtbar nach Rauch. "Einbrecher", schießt es dem 26-Jährigen durch den Kopf.

Er springt vom Sofa auf, rennt rüber zum Schlafzimmer und sperrt sich dort ein. Doch damit haben die vier hilfsbereiten Nachbarn glatt das Gegenteil von dem erreicht, was ursprünglich ihr Ziel war. Bernd A. sitzt weiterhin in einer völlig verqualmten Wohnung und macht nicht die geringsten Anstalten, freiwillig herauszukommen. Erst die Feuerwehr holt ihn schließlich ins Freie.

Der Brandherd ist schnell ermittelt. Die Pizza im Ofen. Feuerwehrler werfen sie aus dem Fenster. Bernd A. hat eine leichte Rauchvergiftung erlitten. Er kommt vorsorglich ins Krankenhaus. Auch Eva Hutter ist an der Hand verletzt. Sie hat sich an einer Scherbe geschnitten. Alles halb so wild sagt sie.

Nur der Pizza, der konnte keiner mehr helfen.