Restaurant "Ricasso" am Roecklplatz Raus aus dem Hinterhof

 Foto: Daniel von Loeper

 In der alten Lage ist das "Ricasso" mit der gehobenen Küche vor allem Kritikern und Gourmets aufgefallen. Jetzt ist es an den Roecklplatz gezogen

 

Unbemerkt von vielen, aber hoch gelobt von Stammgästen und Kritikern hat Stefan Hausmann-Stenke zwei Jahre lang in einem Hinterhof der Kapuzinerstraße Menüs kredenzt. „Unter der Woche war das Geschäft schwierig, dafür konnten wir am Wochenende kaum alle Reservierungen annehmen, weil das Restaurant so klein war“, sagt der Wirt. Jetzt ist sein „Ricasso“ umgezogen – nicht weit weg, an den Roecklplatz, in den boomerang-förmigen Raum, den zuvor das Sushi-Lokal „Shoya“ nutzte.

 „Das Restaurant ist richtig schön geworden“, sagt Hausmann-Stenke. Mit dem neuen „Ricasso“ hat dem Gastronom ein alter Bekannter geholfen: Michael Faltenbacher, der etwa auch am Restaurant Isargold und am Harry Klein beteiligt ist. „Ein Freund wollte mir jemanden vorstellen, der gut ist im Gestalten“, sagt Hausmann-Stenke, „da stand dann der Michi vor mir, den ich aus meiner Zeit in Salzburg kenne.“ Faltenbacher half nicht nur mit dem Raum, er beteiligte sich gleich am Ricasso.

So kann sich Stefan Hausmann-Stenke voll darauf konzentrieren, dass der neue Laden läuft. „Früher war es eher mediterran, viel dunkles Holz, klein und gemütlich“, sagt der Wirt. Das neue Lokal ist heller, beige Lederbänke ziehen sich an der Wand entlang, eine Tapete mit einem riesigen Koi-Karpfen ziert den Raum. Ein Hingucker sind die Lampen, die ein Künstler extra fürs Ricasso gefertigt hat: Aus zusammengeschweißtem Besteck scheint das Licht heraus. „Ricasso ist ein Begriff aus der Messer- und Schwertschleiferei, es bedeutet Fehlschärfe“, sagt der Wirt, bezeichnet also den nicht geschliffenen Teil einer Klinge. „Die Lampen greifen das Thema auf.“

Von 28 Plätzen hat sich das Restaurant auf 48 vergrößert, bald kommt noch die Außenbestuhlung hinzu. Hier kann Hausmann-Stenke jetzt ein größeres Publikum verköstigen. „Mit Crossover oder Fusion hat unsere Küche nichts gemein“, sagt er. Bodenständiges neu interpretiert, eine frische junge Küche mit höchstem Augenmerk auf den verarbeiteten Produkten – ein Thunfisch aus Netzfang kommt nicht in die Pfanne.

Im alten Ricasso kochte der Wirt zeitweise allein, bis er seinen jetzigen Küchenchef fand. Und der brachte bald einen alten Kollegen aus dem Kleinschmitz nach. Joghurt-Koriander-Huhn mit Chili-Polenta-Schnittchen und Paprikaconfit (18 Euro) kochen sie etwa, oder Weideochsenfilet mit einer Kartoffel-Spinat-Roulade und geschmolzenen Tomaten (26). Mittags kostet ein dreigängiges Businesslunch 13 Euro, ideal zum Probieren. Das tun viele Anwohner, die Stammgäste von früher haben schon Hausbesuche gemacht.

Die freuen sich über gleiche Qualität zu günstigeren Preisen. „Wir können mehr Leute bewirten und zahlen andere Mieten“, sagt Hausmann-Stenke. „Das wollen wir weitergeben.“ Das dreigängige Menü, das früher Abends 42 Euro gekostet hat, gibt es jetzt für 36 Euro, fünf Gänge für 48 statt wie bisher 56 Euro. Da schmeckt es gleich viel besser – und die Gäste genießen eher noch eine zweite Flasche Wein dazu.


 Ehrengutstraße 27, ab 11,30 Uhr, www.restaurant-ricasso.de, Tel.: 32494801

 

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