Der neue Mega-Asiate am Lenbachplatz ist teuer, bietet dafür Lärm, fades Essen und schlechten Service.

München - Der Drache am Eingang der Drachenhöhle speit nur heiße Luft, so wie die Raucher, die an diesem ersten Regentag den Eingang des neuen Megalokals am Lenbachplatz blockieren. Der Mega-Asia-Komplex am Lenbachplatz beherbergt auf 1.300 Quadratmetern Restaurant, Straßenimbiss, Karaoke-Bar und Club. Das 220 Plätze fassende Restaurant ist in unterschiedlich gestaltete Bereiche aufgeteilt – mit viel Grün, Schirmchen an der Decke und vier Separées. Letztere können geschlossen werden, die anderen Räume sind so offen gestaltet, dass die Lautstärke permanent sehr hoch ist.

Schriftliche Reservierung hat nicht geklappt – trotz Bestätigung

Nachdem die schriftliche Reservierung trotz Bestätigung nicht geklappt hat, sitzen wir an einem Katzentisch auf schmalen Bänkchen. Hinter uns wuseln die Kellner so dicht vorbei, dass jede Geste in einem Getränkeunfall enden könnte. Wir unterlassen Bewegungen und konzentrieren uns auf die Karte mit vornehmlich vietnamesischen Gerichten. Üppig ist sie, ebenso die Preise. Nachdem wir die Karte fast auswendig gelernt haben und mehrere Essen anderer angeboten bekommen haben, steht immerhin eine Flasche Wasser (7,50 Euro) auf dem Tisch.

Wir ordern Sommerrollen zum Selberrollen mit Hühnchen (17,90 Euro). Eine Rollerklärung bleibt aus. Man hält uns wohl für hemdsärmelig, weil wir im Gegensatz zu vielen anderen Damen hier keinen weitaus älteren Herren dabei haben.

Das Hühnchen ist trocken wie dieser Sommer

Das Hühnchen ist trocken wie dieser Sommer, aber von der Erdnusssoße hätten wir gerne mehr gehabt und die vielen Kräuter und Salate kommen gut in unserer dilettantischen Selbstrolle. Beim Hauptgericht gibt es das Gewünschte nicht, dafür Tofu und Pilze geschmort im Tontopf (16,90 Euro). Ein solides Gericht ohne viel Pfiff und wie so vieles hier, wäre es ok, würde es die Hälfte kosten.

Die Riesengarnelen karamellisiert in Kokoswasser (24,90 Euro) werden in der Kokosnuss serviert, schmecken aber weder karamellisiert noch kokosig, sondern fad. Immerhin bleibt der Erkenntnisgewinn, dass man Feige auf keinen Fall in Riesengarnelensud mitkochen sollte, weil sie dann nach fischiger Feige schmeckt.

Im Keller lockt die Karaokebar – doch der Bartender muss flirten

Es lockt die Karaokebar im Keller, wo wir den großen Auftritt hinlegen wollen. Außer uns sind zwei andere Gäste in der holzig, spartanisch eingerichteten Tiki Bar mit dem indirekten Licht durch die Wände. Es dauert trotzdem fünf Minuten, bis wir unsere Drinks ordern können, denn der Bartender muss flirten.

Bunte Farbenspiele: Am DJ-Pult im Club des "Enter the Dragon". Foto: Jasmin Menrad

Wir entscheiden uns nicht für ein Getränk, bei dem wir ein Handy oder Personalausweis als Pfand hinterlassen müssen, weil das Glas so teuer ist (200 Euro sollen wir später erfahren, als die Mitarbeiter recht ungeniert und laut vor uns plaudern). Sondern für Banana Split (11,50 Euro) mit Havanna, Bananen Likör, Walnussgeist und Chocolate Bitters.

Als Shot wäre dieser Drink witzig, doch nicht einmal zu zweit schaffen wir das süße Zeug, das tatsächlich schmeckt, als würde man Bananensplit mit viel Schokosoße und Alkohol verrühren und großzügig Zucker darauf verteilen. Wir spülen mit einem Gin, Sake und Kirschtonic-Getränk (13,50 Euro), dem der Barkeeper netterweise in einem zweiten Versuch viel von seiner Süße nimmt. Jetzt bekommt es wohl.

Wenn schon blamieren, dann richtig

Karaoke dürften wir sogar machen, aber weil wir die große Bühne gewohnt sind, verzichten wir dankend. Wenn schon blamieren, dann richtig. Das ist dem Enter the Dragon zumindest vorzüglich gelungen, auch durch die Bargespräche einiger Mitarbeiter untereinander, was alles in ihrem Lokal schiefläuft. Wir schleichen uns noch in den donnerstags geschlossenen Club, der mit seiner blauen Lichtinstallation am DJ-Pult und der schlichten Bar als der angenehmste Ort in dieser Drachenhölle erscheint.


Lenbachplatz 1, Mo - Do von 12 bis 24 Uhr, Fr & Sa. von 12 bis 1 Uhr, So 18 bis 23 Uhr