Residenztheater "Der Herr Karl" mit Nikolaus Habjan und seinen Puppen

"Der Herr Karl" von Qualitinger und Merz in der Version von Nikolaus Habjan. Foto: Robert Braunmüller / TV/Medien

Nikolaus Habjan spielt "Der Herr Karl" mit drei Puppen im Residenztheater

 

Den Härtetest besteht diese Aufführung mühelos. Man kann sich am Nachmittag Helmut Qualtinger in „Der Herr Karl“ ansehen. Am Abend, wenn Nikolaus Habjan das gleiche Stück mit seinen Puppen als Gastspiel im Residenztheater aufführt, denkt man keine Sekunde daran. Das muss man erst mal schaffen.

„Der Herr Karl“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger ist ein Klassiker irgendwo zwischen Theater und Kabarett. Ein Kleinbürger lässt sein Leben und die österreichische Geschichte zwischen 1925 und den Fünfziger Jahren vorbeiziehen: von der Republik zum Austrofaschismus über die Nazis wieder zurück zur Republik. Der Herr Karl ist immer dabei, wenn es eine Hetz gibt. Etwa, wenn es darum geht, einen Juden die Straße aufwischen zu lassen. Und natürlich bei Hitlers Rede nach dem „Anschluss“ am Wiener Heldenplatz: „Furchtbar, furchtbar das Verbrechen, wie man diese gutgläubigen Menschen in die Irre geführt hat!“

Im schwarz-weißen Fernsehspiel von 1961 monologisiert der Lagerist mit Hitlerbärchen, grauem Kittel und Hut im Keller eines Delikatessengeschäfts. Habjan und Simon Meusburger (Regie) teilen die Erzählung auf drei Figuren auf und verlegen sie in ein schäbiges Kaffeehaus. Habjan spricht den ganzen Text hochvirtuos und durchaus in der Qualtinger-Nachfolge mit mehreren Stimmen. Zugleich spielt er den jungen Aushilfskellner, dem die drei Klappmaulpuppen ihre alkoholgeschwängerten Lebensgeschichten erzählen. Bis sie besoffen unter oder auf dem Tisch liegen.

Auf einem Grammophon läuft der Walzer „Wiener Blut“. Der Text ist bis auf ein paar neue Sätze unverändert. Bei Qualtinger versteckte sich die Brutalität des goldenen Wienerherzens hinter der Maske gefährlicher Harmlosigkeit. Habjan kehrt das Groteske heraus. Der dreifache Herr Karl wird dadurch keinesfalls verharmlost. Sein Opportunismus wird noch widerwärtiger, wenn sich der Mittäter als Opfer der Umstände geriert.

Ein Ende am Fleischerhaken

Mehr als früher bleibt einem das Lachen im Hals stecken, wenn der Herr Karl von seinen Amouren und Ehen spricht: von den Frauen, die er ausnutzt, aber im Krankheitsfall verlässt. Einmal legt Habjan eine Tangoplatte auf. Dann passiert, was man eigentlich gar nicht so genau wissen möchte: Alterssex zwischen der Bardame und dem Oberkellner – ein Totentanz mit allerlei feuchten Geräuschen.

Es war ein wunderbar fieser, finsterer, kurz: sehr österreichischer Abend. Das Gemeinste sind die Fleischerhaken, an denen die Puppen baumeln, wenn sie gerade Pause haben. Das erste Wort des Monologs bleibt das letzte: „Mir brauchen Se gar nix derzählen, weil i kenn das…“, sagt Habjan und hängt sich selbst an den Haken.

Habjan inszeniert für die Opernfestspiele derzeit Webers „Oberon“. Alle Vorstellungen im Prinzregententheater sind ausverkauft. Im Januar 2018 bringt Habjan im Cuvilléstheater „Der Streit“ von Marivaux heraus. Am 28. Juli tritt er mit Franui und seinen Puppen im Prinzregententheater auf. Karten unter www.staatsoper.de

 

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