Residenztheater Bezaubernd frisch

Friederike Ott (Pünktchen) und Franz Pätzold (Anton) verzaubern im Residenztheater. Foto: Thomas Dashuber

Pünktchen und Anton“ als halbes Musical frei nach Erich Kästner im Residenztheater

Wir hofften mal, das schlechte alte Weihnachtsmärchen endlich ausgedient. Resi-Ex-Intendant Dieter Dorn musste für seine schräge Advents-Inszenierung „Androklus und der Löwe“ nicht vorrangig auf Kinder schielen – für die gab’s die wunderbare Reihe „Kinder-Buch-Theater“. Sein Nachfolger Martin Kušej hingegen greift wieder beherzt in die vorweihnachtliche Sozialkitsch-Kiste.

Regisseur Thomas Birkmeir hat Erich Kästners Kinderroman „Pünktchen und Anton“ aus dem Jahr 1931 effektreich ins Heute umgesiedelt und mit Songs von Rudolf Gregor Knabl halb zum Musical gemacht. Der Premieren-Erfolg war gewaltig: So ein Jubel-Geschrei hört man sonst nie.

Thomas Birkmeir leitet seit zehn Jahren das Wiener Theater der Jugend. Seine Bearbeitung des über 80-jährigen Kästner-Romans aktualisiert die Arm-Reich-Verhältnisse recht stimmig. Unternehmer-Tochter Pünktchen hat ein Handy, die Villa ihrer Eltern Alarm-Anlage und Schlüssel-Code. Pünktchens Mutter ist ein Charity-Promi und vergisst über Benefizveranstaltungen für Afrika die Familie. Der arme Anton dagegen klaubt das Essen für sich und seine kranke Mutter aus Abfällen vom Gemüsemarkt auf und sammelt nachts Pfandflaschen.

Christoph Schubigers Drehbühne schafft schnelle, beeindruckende Verwandlungen vom schicken Bungalow über die Imbissbude am Bahnhof zur schäbigen Wohnküche. Ziemlich Kindertheater-konventionell dagegen der Spielstil: Die meisten Erwachsenen werden zu grotesken Karikaturen.

Die Charity-Lady (Michaela Steiger) zickt hysterisch, die Köchin fetzt mit Staubsauger und Bratpfanne das Klischee der resoluten italienischen Mamma hin (Katharina Pichler radebrecht das hinreißend), die altjüngferliche Kinderfrau (Ulrike Willenbacher) lässt sich von einem schmierigen Gangster (Götz Argus) becircen. Und Antons verhärmte Mutter (Sophie Wendt) schmettert auf dem Küchentisch afrikanische Mutmach-Gesänge. Pünktchens Vater (Gerhard Peilstein) wirkt mehr als Pantoffelheld denn als Chef einer Supermarktkette.

Mit bezaubernder Frische spielen Friederike Ott und Franz Pätzold die beiden Teenager Pünktchen und Anton, die hier auch ihre erste Liebe erleben. Ihnen gilt der Jubel zu Recht.

Das Happy End gutmenschelt aufdringlich und entlarvt mit seiner Überdosis des Schönen, Guten und Unwahren dann eben doch nur das schlechte alte Weihnachtsmärchen.

Residenztheater, 28., 29. Nov. 10 Uhr, weitere 8 Vorstellungen bis 26. Dez. vormittags oder nachmittags, Tel. 2185 1940

 

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