Reporter-Legende Günther Koch „Mein letztes Derby“

Beim BR wurde er zur Reporter-Legende, für 90elf berichtet er sogar im „Günther-Koch-Kultkanal“. Jetzt ist er Aufsichtsrat beim Club – und hört mit Radio auf. „Mit 70 kann man das Mikro weglegen“. Foto: firo / Augenklick

Beim BR wurde er zur Reporter-Legende, für 90elf berichtet er sogar im „Günther-Koch-Kultkanal“. Jetzt ist er Aufsichtsrat beim Club – und hört mit Radio auf. „Mit 70 kann man das Mikro weglegen“.

AZ: Wir hören Günther Koch – am Samstag beim Süd-Derby zum letzten Mal aus München?

GÜNTHER KOCH: Nein, ich mache am Mittwoch noch das Champions-League-Spiel gegen Neapel. Aber es ist mein letzter Münchner Bundesliga-Einsatz. Und ja: mein letztes Derby!

Wie viele waren das in all den Jahren?

Ach, ich hab’ 1100 Fußball-Reportagen und 3300 andere über Rhönradfahren, Tischtennis, Boxen, Frauen-Kraft-Dreikampf, Ski alpin und alles mögliche gemacht. Derbys? Ich schätze mal: 40, 50. Also alle in den letzten 35 Jahren.

Wegen Ihres neuen Jobs als Aufsichtsratmitglied des 1. FC Nürnberg ist bald Schluss mit dem Journalismus. Was wird Ihr letztes Spiel sein?

Ich mache noch die Bayern-Spiele gegen Nürnberg, Neapel und Augsburg. Am 22. November feiere ich 70. Geburtstag, danach kommt noch eine Abschiedsreportage aus Nürnberg: am 10. Dezember gegen Hoffenheim. Das ist der definitive Schluss. Mit 70 kann man das Mikrofon mal weglegen.

Wie feiern Sie den Siebzigsten?

Ich spiele mit Kumpels in den Geburtstag rein. Jeden Montag ist Pressefußball: das Allerwichtigste! Zwölf Spieler, ich der Älteste, mit Tasso Wild (153 Spiele für Nürnberg, d.Red.). Ich schreibe immer genau auf, wer gespielt hat, gegen wen, das Ergebnis. Danach ist Stammtisch. Und der 21. ist auch ein Montag. Da wird gekickt, direkt nach der Aufsichtsratsitzung. Einzige Bedingung: keine Reden, keine Geschenke, Geld für Afrika, ich darf das erste Tor schießen, wenn ich dann 70 bin. Neben dem Stadion ist ein Campingplatz, da schlafen ein paar im Wohnmobil, die anderen bei mir. Hotels gibt’s um die Zeit keine, weil Messe ist.

Klingt wild. Danach wird es wohl ruhiger werden. Wo sitzen Sie künftig im Stadion?

Ich würde gerne unten sitzen bleiben bei der Presse, aber das geht wohl nicht. Ich werde oben auf den vornehmen Plätzen sitzen, direkt hinter der Führungskamera, bei den erlauchten Herren des Aufsichtsrats – und dann und wann mit meinem Schwiegersohn in der Kurve. Ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer bei den Aufsichtsräten aushalte. Seit ich selbst einer bin, gehe ich auch zu keiner Pressekonferenz mehr, kann also keine bösen Fragen mehr stellen. Es ist schon ein bissl komisch, hat sich aber mit einer gewissen Eigendynamik so ergeben.

Fürchten Sie den Reflex, auf der Tribüne über das Spiel sprechen zu müssen?

Ha! Ja, kann schon sein. Wer weiß, ob die das aushalten!

Wie fühlt sich das Funktionärsleben bislang an?

Schon ungewohnt. Ich muss mich da reinleben, reindenken, reinfühlen, reinarbeiten.

Wie oft trifft sich der Aufsichtsrat?

Wir werden jetzt öfter tagen, das haben wir beschlossen. Mehr kann ich nicht sagen. Nur: Es ist sehr interessant.

Verstehe, Funktionärsgeheimnis. Ein Ziel ist, die Mitgliedszahl zu erhöhen. Gab es Neu-Eintritte seit Sie mitmischen?

Natürlich. Wir wollen, dass der Club nicht so bescheiden in der Ecke bleibt. In Franken gibt’s genügend Leute, die zu jedem Spiel gehen, aber nicht Mitglied sind. Denn man kann beim Club über den Umweg der Mitgliedschaft in einem Fanclub auch günstig an Karten kommen. Wir brauchen mehr Mitglieder, vor allem in Franken. Und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Wir werden uns nie mit dem FC Bayern vergleichen, aber der Club ist was ganz Besonderes. Ein eingetragener Verein mit Aufsichtsrat: Das hat Seltenheitswert. Es gibt wenige e.V.s, die bei der Mitgliederversammlung in Ur-Wahl die Aufsichtsräte wählen.

Auswärtsspiele...

... werde ich meiner Frau zuliebe nicht mitmachen. Hab’ ich alles schon erlebt. Vielleicht mal im Pokal, wenn der Club ins Halbfinale kommt.

Wie sieht Ihre Frau Ihrem neuen Leben entgegen?

Die freut sich. Ihr zuliebe mache ich das ja. Ich hab’s ihr ja versprochen. Sie ist völlig fußball-desinteressiert und hat genug verzichten müssen. Nee, nee, das hat meine Frau jetzt verdient.

Noch Lust auf Theater?

Da bin ich immer noch anfällig, habe heuer auch acht Vorstellungen in Augsburg gespielt, auf der Freilichtbühne am Roten Tor. Eine musikalisch-szenische, dramatische Darstellung namens „Abseitsfalle“, zur Frauen-WM.

Wen haben Sie da gespielt?

Günther Koch hat Günther Koch gespielt. Und ich hab’ einen Rap gesungen! Einen Reporter-Rap. Da fällst du um! Das hat viel Spaß gemacht! Wir haben Roy Black auferstehen lassen, es gab Eifersuchtsszenen und lauter junge Frauen, die Fußball gespielt haben. Die haben mich fix und fertig gemacht. Und mir die Abseitsfalle erklärt! Die konnten die auswendig!

Langweilig wird’s also nicht. Ach so: Wie geht das Derby aus?

3:3 – für den Club.

 

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