Rennsport Rote Kappe, klare Worte: Formel-1-Legende Niki Lauda wird 65 Jahre alt

Der Mann mit der Mütze: Niki Lauda wird 65 Jahre alt. Foto: dpa

Er überlebte die Flammenhölle auf dem Nürburgring, holte drei WM-Titel: Am Samstag wird Formel-1-Legende Niki Lauda 65 Jahre alt

 

SALZBURG  An dem Tag, als Niki Lauda zur Legende wurde, hat er in die Hölle geschaut. 55 schreckliche Sekunden lang. Am 1. August 1976 schießt er mit seinem Ferrari über die Nürburgring-Nordschleife, verliert die Kontrolle, kracht in eine Felswand und geht mit seinem Wagen in Flammen auf. Den Zuschauern bleibt die Luft weg. 800 Grad Hitze umschließen Lauda, das Auto beginnt zu schmelzen, die Dämpfe verätzen seine Lunge.

Sein "Barbecue" auf dem Nürburgring

Heute spricht der Österreicher von "meinem Barbecue", wenn er von seinem Horrorunfall redet. 42 Tage später zwängt sich Lauda wieder in seinen Rennwagen, das Gesicht entstellt, der Kopf blutig. Die Legende Lauda ist geboren. Sein größter Sieg sei es gewesen, die Formel 1 überlebt zu haben, sagte Lauda später. Am Samstag feiert der Österreicher seinen 65. Geburtstag.

Eine große Feier wird es nicht geben. "Mich jucken Geburtstage nicht", sagt der Mann, der mit seinem roten Kapperl zum Gesicht der Formel 1 aufgestiegen ist, zum Franz Beckenbauer des Rennsports sozusagen. Seinen Ehrentag begeht der Aufsichtsrats-Chef des Mercedes-Teams in der Wüste von Bahrain, bei den Testfahrten zur neuen Formel-1-Saison. Der verbissene Perfektionist, der Ehrgeizling denkt überhaupt nicht daran, locker zu lassen. Wie früher. Der Titel soll in diesem Jahr her. Erfolg war und ist sein Antrieb. "Wir wollen so schnell wie möglich Weltmeister werden", sagt der Ex-Champion, der mittlerweile mit zwei Spendernieren lebt: "Aber es ist noch ein langer Weg."

In Gedanken bei Michael Schumacher

Auf diesem Weg wird Lauda auch nicht seinen guten Freund Michael Schumacher vergessen. Der liegt nach seinem schlimmen Ski-Unfall noch immer im künstlichen Koma – wie Lauda damals. Der Familienvater kämpfte sich zurück ins Leben und hofft, dass es Schumacher auch gelingen wird. "Michael, ich verfolge deine Entwicklung jeden Tag, und jeden Tag bin ich in Gedanken bei dir. Ich hoffe, bald wieder mit dir reden zu können, sehr bald", schrieb Lauda unlängst auf der Ferrari-Homepage. Lauda ist ein Kämpfer, er musste sich seine Triumphe hart erarbeiten. Er hatte nicht das Talent eines Ayrton Senna oder das Charisma seines großen Rivalen James Hunt. Aber aufgeben? Niemals.

Er tüftelte an seinen Wagen, trieb die Mechaniker in den Wahnsinn, wurde aber eins mit seinen Autos. Als ob nichts gewesen wäre, hätte er nach der Flammenhölle fast noch seinen WM-Titel aus der Vorsaison erfolgreich verteidigt. Beim letzten Saisonrennen in Fuji aber steuerte er seinen Ferrari im monsunartigen Regen freiwillig an die Box und überließ seinem britischen Kontrahenten Hunt den Titel. "Ich wollte mich nicht ein zweites Mal umbringen", sagte er später.

Eine eigentlich unglaubliche Geschichte, die zuletzt sogar Hollywood in dem Streifen "Rush" verfilmt hat. 1977 wird Lauda erneut Champion und 1984, nach einer kurzen Auszeit, zum dritten Mal. Ein Jahr später beendete er seine Karriere. Als Lauda Rennen fuhr, war der Tod sein ständiger Begleiter. Nie war klar, ob er und die anderen Fahrer aus diesen Höllenmaschinen lebend herauskommen würden. Die Frauen hatten immer auch ein schwarzes Kleid mit an der Strecke – man wusste ja nie. "Wir waren getrieben von dem Wahnsinn, den wir selbst gemacht haben. Beinahe in jedem Jahr ist einer von uns gestorben", sagte er einmal der FAZ.

Heute kann "jeder Affe fahren"

Die heutigen Rennwagen könnte dagegen "ein Affe fahren", wie er nicht selten spottet. Nikolaus Andreas Lauda liebte schon als Kind Autos über alles. Mit zehn sitzt er erstmals am Steuer, mit 15 hat er seinen ersten Wagen, mit 19 fährt er sein erstes Rennen. Die Schule interessiert den Sohn eines Großindustriellen nicht so sehr, sein Abiturzeugnis fälschte er zusammen mit einem Freund: "Die Mutter hat mich geküsst, der Vater war glücklich."

Aus Lauda, in zweiter Ehe verheiratet und 2009 noch einmal Vater von Zwillingen geworden, wurde bekanntlich trotzdem ein erfolgreicher Macher. 1985 beendete er zwar seine Karriere, hatte sechs Jahre zuvor aber schon seine eigene Fluglinie gegründet. 26. Mai 1991, wieder so ein Bild: In Thailand stürzt eine von Laudas Maschinen ab. Alle 223 Insassen sterben. Für Lauda ist es das schlimmste Ereignis in seinem bewegten Leben.

Aus dem Airline-Geschäft hat sich der Mann mit der roten Kappe und der legeren Kleidung mittlerweile zurückgezogen. Seit September 2012 ist Lauda nun Mercedes-Teamaufsichtsratschef. Ziele hat er immer noch. „Wir wollen sobald wie möglich Weltmeister werden“, sagte er.

Seit fast 20 Jahren erklärt der Charakterkopf den RTL-Zuschauern die Formel-1-Welt. Er weiß, wovon er spricht, hat alles schon gesehen. Sogar die Hölle.

 

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