Rennfahrer in München vor Gericht Sutil am Scheideweg

Der Formel-1-Pilot steht wegen Körperverletzung in München vor Gericht – ein Team hat er weiterhin nicht.

 

München/Berlin Der noble Club wirbt auf seiner Homepage mit dem Slogan: „Es ist der Party-Ort in Shanghai.” Der deutsche Rennfahrer Adrian Sutil dürfte sich heute wünschen, zumindest am 17. April 2011 die Aussicht aus dem 24. Stock über die chinesische Metropole verpasst zu haben. Statt DJ und heißer Musik erwarten den vorerst ausgemusterten Formel-1-Piloten an diesem Montag und Dienstag in München Anwälte, Richter und Paragrafen.

Denn an jenem April-Abend war es nach dem Großen Preis von China zu einem folgenschweren Vorfall gekommen. Mit einem Champagner-Glas hatte Sutil den Miteigentümer des Formel-1-Teams Renault (mittlerweile Lotus), Eric Lux, am Hals schwer verletzt. Vor dem Amtsgericht München muss sich Sutil dafür nun verantworten. Die Frage: gefährliche Körperverletzung oder Notwehr? Ausgerechnet Sutil. Sohn eines Geigenvirtuosen aus Uruguay. Selbst begabter Pianist, dem auch eine musische Karriere offen gestanden hatte. Sutil ist alles andere als ein verbaler Rowdy. Einer, der im Gegensatz zu Vettel & Co als Spätstarter in die Formel 1 einstieg.

Erst mit 14 kam er in Kontakt mit dem Kartsport. Zehn Jahre später feierte Sutil sein Renndebüt in der Formel 1. Immer wieder machte er seit seinem ersten Grand Prix 2007 in Australien auf sich aufmerksam.

Auf der Strecke, mit überzeugenden Vorstellungen. Dass Sutil nun ohne Arbeitgeber dasteht, dürfte auch mit jenen Geschehnissen im April 2011 zu tun haben. Bei Force India wurde Sutil trotz Top-Ten-Platz im Klassement (9.) von Landsmann Nico Hülkenberg abgelöst. Dennoch hatte Sutil-Manager Manfred Zimmermann bereits beteuert: „Die Verhandlung hat keinen Einfluss auf die Zukunft von Adrian.” Dass ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung Sponsoren und Arbeitgeber wenig beeinflusst, darf jedoch stark bezweifelt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst in einem Strafbefehl ein Jahr Haft auf Bewährung für Sutil beantragt. Dem stimmte der 29-Jährige aber nicht zu. Es wäre einem Schuldeingeständnis gleichgekommen.

Daher setzte das Amtsgericht den Prozess an. „Auch für uns ist es wichtig, den Vorfall dann abzuschließen”, betonte Sutil-Berater Zimmermann: „Wir erwarten von der Verhandlung, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt.” Sutil beteuerte, er habe Lux nur den Inhalt des Glases ins Gesicht schütten wollen. Dabei sei das Glas zerbrochen, die Scherben verletzten Lux. Sutils Kumpel Lewis Hamilton war damals dabei. Der britische McLaren-Pilot hatte das China-Rennen gewonnen. Bei der Verhandlung tritt er trotz Vorladung allerdings nicht als Zeuge auf.

 

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