Reinhold Babor und Walter Zöller CSU-Stadträte sorgen für irren Parkplatz-Zoff im Rathaus

Im Innenhof des Rathauses dürfen eigentlich nur die Bürgermeister, Gäste und Lieferanten parken – es schummeln sich aber auch immer wieder die Autos von zwei CSU-Stadträten darunter. Foto: Daniel von Loeper

Die CSU-Stadträte Reinhold Babor und Walter Zöller nutzen fleißig den Innenhof des Rathauses zum Parken. Doch dort dürfen eigentlich nur die Bürgermeister stehen.

 

München - Es gibt diesen bösen Spruch mit der Autofahrerpartei. Bei der CSU kann man den mittlerweile nicht mehr hören. Denn U-Bahn, Bus, Radverkehr – man tue ja noch so viel mehr für die Mobilität in der Stadt.

Natürlich gibt es bei der CSU aber auch noch diese alten Kämpen, die schon Ausschlag bekommen, wenn sie nur an eine volle U-Bahn denken. Bei der CSU im Rathaus gibt es noch zwei von diesen eingefleischten Auto-Liebhabern, die lieber das Lenkrad in der Hand als das MVV-Ticket in der Tasche haben. Sie heißen Walter Zöller (78) und Reinhold Babor (79).

Nur die Bürgermeister und Gäste dürfen im Innenhof parken – eigentlich

Die beiden Stadträte fahren durchaus schnittige Karren: Zöller ein altes Mercedes-Cabrio, Babor sogar einen echten Oldtimer, einen Benz 190 Db, Baujahr 1960. Die schicken Autos selbst neidet man den beiden CSUlern auch gar nicht. Unmut gibt es bei den anderen Fraktionen allerdings trotzdem. Denn Zöller und Babor parken auch gerne im Innenhof des Rathauses. Doch das ist Stadträten eigentlich gar nicht gestattet.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung erzählen, die beiden CSU-Karossen würden ständig im Innenhof stehen, obwohl dies nur den Bürgermeistern und Gästen vorbehalten sei. Und was für besonders viel Groll sorgt: Gerne würden auch mal Radlständer zugeparkt.

Behelligt wurden die beiden deswegen noch nie. Man erzählt sich, die Hausverwaltung traue sich nicht, die beiden rauszuwerfen, "weil sie zu den Altvorderen zählen". Lästereien gehören außerhalb der CSU deshalb mittlerweile fast schon zum Tagesgeschäft. Inklusive der Geschichte, dass Babor im Hof auch schon mal eine Schramme in den Dienstwagen des Oberbürgermeisters gefahren habe.

Im Direktorium, so etwas wie die Schaltzentrale im Rathaus, bestätigt man, dass Stadträte im Innenhof eigentlich nicht parken dürfen. Stellplätze gebe es nur für die drei Bürgermeister, den Fahrdienst und den Ratskeller. Der Rest sei für Lieferanten und hohe Gäste reserviert, so Sprecher Stefan Hauf. "Der Ministerpräsident kommt in der Regel schließlich auch nicht mit der U-Bahn", sagt er.

Konsequenzen hat das Falschparken bisher nicht

An der Pforte an der Landschaftstraße sitze eigentlich der Hofwart, erzählt Hauf. Der habe auch ein Auge darauf, wer ins Rathaus rein- und wieder rausfährt. Richtig scharf bewacht sei die Zufahrt aber nicht. Wenn der Hofwart mal zum Bieseln auf die Toilette muss, kann man sich also durchaus auch mal unauffällig durchschummeln. Wirklich durchschummeln müssen sich Zöller und Babor aber gar nicht. Zöller ist mit über 45 Jahren im Rathaus der dienstälteste Stadtrat in München, Babor ist Alterspräsident. Man kennt die beiden also. Und zum Abladen darf auch jeder Stadtrat in den Hof – nur stehenbleiben dürfen sie dort eben nicht.

Sanktioniert wird das Falschparken bislang nicht. Ein Knöllchen geklebt oder gar den Abschlepper gerufen, habe man noch nie, sagt Hauf. Sollte der Stadtrat eine schärfere Regelung wollen, müsste eine Fraktion das eben offiziell beantragen.

Zöller und Babor indes verstehen die ganze Aufregung um ihre Person nicht. "Wer sich beschweren will, soll das mit offenem Visier tun", grantelt Zöller. Außerdem tue er sich mittlerweile mit dem Laufen etwas schwer. Hundert Meter gingen schon noch, aber von der U-Bahn zum Rathaus hoch seien es etwa 500. "Nicht unmöglich", sagt Zöller, aber schon arg beschwerlich.

Alterspräsident Babor sieht die Sache ähnlich. "In meinem Alter kann ich nicht mehr alles mit dem Radl fahren", sagt er. Und besonders oft fahre er ohnehin nicht ins Rathaus rein, das passiere nur in Ausnahmefällen.

Ob der Stadtrat den beiden rüstigen Herren und ihren Karossen also wirklich ein Halteverbot erteilen wird? Ein bisschen bösartig wäre das schon, findet Babor. Zumal sein 190 Db ja auch eine richtige Schau sei. "Der wird von den Touristen im Rathaus dauernd geknipst", berichtet er stolz.

 

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