Reiner Maurers Sohn Marcel Maurer: "Totenkopf-Pulli bleibt im Schrank"

Bekam von seinem Sohn Marcel Tipps für das Spiel gegen St. Pauli: Löwen-Coach Reiner Maurer. Foto: dpa

Er lebt in Hamburg, kickte für St. Paulis zweite Mannschaft: Hier erzählt Marcel Maurer, der Sohn des Löwentrainers, wie er seinem Vater vor dem Topspiel hilft.

 

AZ: Hallo Herr Maurer, Sie leben zwar in Hamburg und haben mal für St. Paulis zweite Mannschaft gespielt – aber als Sohn von Löwen-Trainer Reiner Maurer sind Sie doch am Montagabend trotzdem für 1860, oder?

MARCEL MAURER: Ja, auf jeden Fall. Mich verbindet zwar sehr viel mit St. Pauli, zum Beispiel ist meine Freundin Claudia die Patentante von Raul, dem Sohn von St. Paulis Fabio Morena. Auch mit Moritz Volz und seiner Frau sind wir gut befreundet – und mit Sebastian Schachten mache ich gemeinsam ein Fernstudium. Das heißt, wir lernen oft zusammen. Aber am Montag bin ich trotzdem ganz klar für 1860. Ich bin ja auch dank meines Vaters ein blauer Bub. Der Totenkopfpulli bleibt also daheim im Schrank.

Sie reisen extra nach München für das Spiel?

Genau, ich habe in München einen Termin beim Arzt und kann den wunderbar mit dem Spiel verbinden. Letztes Jahr habe ich mir den Unterarm gebrochen und dann im Herbst auch noch das Kreuzband gerissen. Aber ganz so schlimm ist das nicht, ich spiele zwar noch in der Oberliga in Hamburg, aber nicht mehr leistungsorientiert.

Wollten Sie denn Profi werden? Bei 1860 haben Sie es auch mal probiert.

Als junger Spieler war ich schon sehr hungrig, aber in der zweiten Mannschaft bei 1860 in der Saison 2005/2006 habe ich keinen Stich gemacht. Ich bin Verteidiger und habe auch viel von meinem Vater mitbekommen, trotzdem habe ich dann gemerkt, dass es für ganz oben nicht reicht. Aber die Zeit bei 1860 war trotzdem toll.

Inwiefern?

Ich habe den Verein auch aus anderen Perspektiven kennengelernt. Ich habe unter Robert Schäfer, der ja damals noch für den Vermarkter IMG gearbeitet hat, ein Praktikum im Marketing gemacht. Ich weiß also, wie der Wind bei den Löwen weht. Ich kenne alle Themen und habe alle Ups und Downs durch meinen Vater miterlebt. Heute telefoniere ich drei bis vier Mal in der Woche mit ihm, und wenn wir eine halbe Stunde reden, dann geht’s 28 Minuten davon über 1860. Aber ich genieße es, dass ihm meine Meinung wichtig ist. Deswegen hat er mich jetzt auch vor dem Spiel gegen St. Pauli um Unterstützung gebeten.

Was haben Sie denn genau für ihn gemacht?

Ich habe St. Pauli bei den letzten beiden Spielen gegen Bochum und Braunschweig nicht als normaler Zuschauer, sondern als Scout beobachtet. Ich hatte Stift und Zettel dabei, habe alles notiert und meinem Vater gesagt, worauf er achten soll.

Das sollten Sie aber Ihren Kumpels bei Pauli besser nicht erzählen, oder?

Ach, das ist schon okay. Die wissen ja sowieso, dass ich am Montag für die Löwen bin. Das gleiche gilt auch für Claudia, obwohl sie als Osteopathin oft für St.<TH>Pauli arbeitet und die Spieler bei sich auf der Bank hat. Mein Vater hat schon im Spaß gesagt, ob sie in den Wochen vor dem Spiel nicht mal ein bisschen freimachen will. Wir mögen beide Vereine, 1860 halt noch mehr. Und wenn es am Ende darum gehen sollte, wer den Aufstieg schafft, dann drücke ich 1860 die Daumen. Denn das wäre das Größte für meinen Vater. Und für St. Pauli wäre es vielleicht auch besser, vor einem Wiederaufstieg erst mal die Basis professioneller zu gestalten, denn die ganze Jugendarbeit ist eine Katastrophe. In dem Bereich ist 1860 meilenweit voraus.

Und eins noch zum Schluss: Als was gefällt Ihnen Ihr Vater denn besser? Als Trainer oder als Papa?

Oh, das ist schwer. Ich glaube, dass er für 1860 der perfekte Trainer ist. Er ist kein Selbstdarsteller und geht auch mal den unbequemen Weg. Er bleibt immer sachlich und hat seine Emotionen im Griff. Ich kann ihn als Trainer nur in den höchsten Tönen loben. Aber das gleiche gilt für ihn als Vater. Unser Verhältnis ist sehr freundschaftlich, aber auch sehr vertraut. Fußball verbindet uns. Also ich muss sagen, er gefällt mir in beiden Rollen super gut.
 

 

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