Reicht es für den Torhüter? Oliver Kahn: "Massiver Stress für Neuer"

Der Ex-Bayern-Torwart spricht von einer "Deadline", die es für den angeschlagenen DFB-Torwart gibt. Und warnt vor der pychischen Komponente, die dazu kommt. Trotzdem ist er zuversichtlich: WM-Titel ist drin.

 

München - Spielt er oder spielt er nicht? Keine Woche vor WM-Start bangt die deutsche Nationalmannschaft um Torwart Manuel Neuer, der wegen einer Schulterverletzung immer noch kein Torwarttraining absolvieren konnte. Skepsis auch bei Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn: „Neuer sollte jetzt wieder anfangen zu trainieren. Das erste Spiel naht, als Weltklasse-Torwart sollte man ein paar Tage auf sehr hohem Niveau trainiert haben“, sagte der Titan bei einer „Fanorakel“-PK in München. Da sprach Kahn über...

Manuel Neuers Verletzung: "Dass er die Testspiele versäumt hat, ist kein Problem. Aber irgendwann gibt es eine Deadline, die sich Joachim Löw gesetzt hat. Sieben, acht Tage braucht man schon vor einem Spiel, um das Gefühl zu bekommen: Hey, die Schulter ist voll belastbar, ich kann mich voll draufwerfen. Wenn das der Fall ist, steht einem Einsatz nichts im Wege. Wenn er diesen Härtetest aber nicht besteht, wird Weidenfeller spielen müssen."

Die psychische Komponente: "Das ist psychologisch eine Doppelbelastung, massiver Stress für Manuel. Nicht nur der normale Stress, den man vor so einem Turnier hat, sondern auch die Frage: Wird mein Körper rechtzeitig fit? Das darf man nicht unterschätzen. Ich habe das selbst erlebt: 1999 war ich kurz vor dem Champions-League-Finale verletzt und musste zusehen, dass ich rechtzeitig fit werde."

Den Fall der Fälle: "Mit Roman Weidenfeller haben wir einen Mann hinten dran, dem wir absolut vertrauen können. Er hat international schon seine Klasse gezeigt. Aber wenn ein anderer Torwart ins Spiel kommt, ist das schon eine Veränderung für die Abwehr."

Die angeschlagenen Spieler: "Dass wir ein paar angeschlagene Spieler haben, beunruhigt mich überhaupt nicht. Wenn gerade die Spieler, die eine lange Saison mit vielen Champions-League-Spielen hinter sich haben, mal ein paar Tage etwas ruhiger machen können, kann das auch ein Vorteil sein. Man verliert in so kurzer Zeit überhaupt nichts an Fitness. Die Jungs werden voll da sein."

Die Sturm-Besetzung: "Es ist einer Frage der Alternativen. Natürlich hätte man über Mario Gomez diskutieren können, aber ich fand die Auswahl absolut nachvollziehbar. Man hat mit Müller oder Götze weitere Möglichkeiten. Ich sehe das nicht so problematisch."

Die WM-Stimmung in Deutschland: "Ich verstehe nicht, warum in Deutschland so eine nachdenkliche Stimmung herrscht. Den ganzen Vorbereitungskäse kannst du vergessen. Die Jungs sind topfit, heiß, motiviert. Wir haben viele Champions-League-Sieger im Team. Sie werden vorne mit dabei sein, können Weltmeister werden."

Seine Favoriten: "Die Chilenen sind sehr stark, top motiviert. Ich habe zudem die Argentinier auf dem Zettel und denke auch, dass auch die Mexikaner eine gute Rolle bei der WM spielen können. Glaubt jemand noch an die Spanier? Das wäre Wahnsinn, wenn sie’s wieder schaffen. Aber sie gehören dazu."

Den WM-Gastgeber: "Brasilien hat Heimvorteil, wobei wir uns den 2006 auch erstmal erarbeiten mussten. So ein Heimvorteil kann sich schnell auch ins Gegenteil umkehren. Wenn sie schaffen, die Menschen auf ihre Seite zu ziehen, dann werden sie getragen. Und dann wird es wahnsinnig schwer, sie zu schlagen."

Proteste in Brasilien: "Warum sollen die Leute nicht auch während der WM ihre Meinung auf den Straßen kundtun dürfen? Der Fußball soll und kann auch nicht die Probleme eines Landes überdecken. Er kann nur Ablenkung und Unterhaltung geben."

Die Rolle des Weltverbandes: "Die Fifa hat nicht erst seit dieser WM ein Imageproblem. Es finden zu viele Dinge statt, die nicht transparent sind und die man häufig auch nicht genau nachvollziehen kann."

Bodybuilder Tim Wiese: "Jeder sucht sich so seine Hobbys. Tim spielt zurzeit keinen Fußball und scheinbar macht’s ihm Spaß, jeden Tag ins Gym zu gehen. Das muss jeder selbst wissen. Schwierig wird’s nur, wenn man wieder mit dem Fußball anfangen will – dann können einem die ganzen Muskelberge im Weg sein."

 

 

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