Rechtsradikale Übergriffe Die Rechten machen mobil: Farbbeutel und Fäkalien

Mit Farbe besudelt: Das Haus in der Ligsalzstraße. Foto: Peter Kneffel / dpa

Die Rechten machen mobil: Münchner, die sich für Flüchtlinge engagieren, werden seit Wochen immer wieder attackiert. Auch die Anwältin der Witwe eines NSU-Opfers wurde angegriffen

München - Eingeworfene Fensterscheiben, Farbbeutel-Attacken und Nazi-Schmierereien: Parallel zum NSU-Prozess häufen sich in München Übergriffe mit offensichtlich rechtsextremistischem Hintergrund. Ein Überblick:

6.April: Ein Pärchen beklebt das Schaufenster des Flüchtlingsrates in der Augsburger Straße mit 15 bis 20 Stickern des „Freien Netzes Süd“, einem Neonazi-Netzwerk.


13. April: Wenige Tage vor der Großdemonstration zum Auftakt des NSU-Prozesses wird nachts die Scheibe des Flüchtlingsrat-Büros eingeschlagen. Genau an der Stelle, an der ein Aufruf zum Protestmarsch gegen rechte Gewalt hängt.

8.Mai: Ein Vermummter stürmt in den Aufenthaltsraum des alternativen Wohnprojektes Ligsalzstraße 8 im Westend und bewirft die Anwesenden mit Eiern.

9. Mai: Erneut ist der Flüchtlingsrat betroffen: Unbekannte ritzen „Anti-Antifa“ und „NS jetzt!“ in die Scheibe.

13. Mai: Am Eingang zur Kanzlei von Rechtsanwältin Angelika Lex in der Goethestraße kommt es zu einer „sehr massiven Fäkalien-Attacke“, wie die Juristin sagt.

15.Mai: In der Ligsalzstraße werden die Fenster im Erdgeschoss eingeschlagen.

16.Mai: Die Fassade der Ligsalzstraße wird mit roten Farbbeuteln beworfen.

Robert Andreasch vom aida-Archiv sieht in den Übergriffen „eine klare Serie in Zusammenhang mit dem NSU-Prozess“. Es werde deutlich, „dass sich Rechte in München mit den Angeklagten solidarisieren und es lokale Unterstützer gibt“, sagt Angelika Lex, die der Witwe von NSU-Opfer Theodoros Boulgarides im Verfahren beisteht. Die Fäkalien vor ihrer Bürotür seien kein Angriff auf sie, „sondern auf die NSU-Opfer und ihre Angehörigen“. Die Polizei spricht von „Einzelfällen“. Matthias Weinzierl vom Flüchtlingsrat sagt: „Wir fühlen uns auf unangenehme Weise an die Zustände Anfang der 90er erinnert.“

 

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