Rechtsradikale Gruppierung „Oldschool Society“: Das Netzwerk der Terror-Nazis

Die Internet-Seiten von "Oldschool Society" sind voll mit menschenverachtender Symbolik. Jetzt hat die Polizei mehrere Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe festgenommen. Foto: ho

Die Bundesanwaltschaft lässt vier Rechtsradikale festnehmen. Sie sollen Anschläge auf Moscheen und Asylbewerberheime geplant haben. Der Kopf der Gruppe kommt aus Augsburg.

München - Sie posieren mit Schusswaffen, hetzen gegen Politiker, fordern einen gewaltsamen Umsturz, rufen zum Mord an Flüchtlingen und Salafisten auf. Frei zugänglich auf mehreren Facebook-Profilen im Internet. Schon seit Monaten. Gestern haben die Behörden reagiert: Spezialeinheiten der Polizei nahmen vier Mitglieder der rechtsradikalen Gruppierung „Oldschool Society“ (OSS) fest, die offenbar Sprengstoffanschläge auf Moscheen und Asylbewerberunterkünfte geplant haben.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Quartett die Gründung einer terroristischen Vereinigung vor. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, möglicherweise sei durch die Polizeiaktion das Entstehen einer Organisation nach dem Vorbild des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) verhindert worden.

Der Chef der Terror-Zelle, der sich selbst als deren „Präsident“ bezeichnet, ist laut den Ermittlern ein 56-Jähriger aus Augsburg – der Maler Andreas H., der sogar auf seinen Firmenwagen einen Totenschädel gesprüht hat und auf dessen Homepage das makabre OSS-Logo prangt: wieder ein Totenschädel, diesmal flankiert von Runen und bluttriefenden Hackebeilen.

Aus seiner braunen Gesinnung hat Andreas H. offenbar nie einen Hehl gemacht. Angeblich war er früher in der Augsburger NPD aktiv. Festgenommen wurden am frühen Mittwochmorgen außerdem der „Geschäftsführer“ der Nazi-Bande, der 39-jährige Markus W. aus Sachsen, einst Mitglied der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“, dessen 22 Jahre alte Freundin Denise G. und der „Pressesprecher“ der Gruppe: Olaf O. (47) aus Bochum. Nach AZ-Informationen wurde in Otzing im Landkreis Deggendorf zudem der stadtbekannte Plattlinger Neonazi Florian H. von den Fahndern überrascht. Um 5.30 Uhr stürmten Sondereinsatzkräfte das Wohnhaus seiner Familie und nahmen ihn mit.

Das erste Attentat stand angeblich kurz bevor

Zeitgleich durchsuchten Beamte die Wohnungen der Hauptverdächtigen sowie die von fünf weiteren Beschuldigten in NRW, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. 250 Polizisten waren im Einsatz. Sie hätten „pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft“ sichergestellt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Außerdem fanden sie Stichwaffen und Gaspistolen.

„Nach den bisherigen Ermittlungen war es das Ziel der Vereinigung, innerhalb Deutschlands in kleineren Gruppierungen Anschläge auf namhafte Salafisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte zu begehen“, teilten die Karlsruher Strafverfolger mit.

Zu diesem Zweck hätten sich die vier Festgenommenen „Sprengmittel für etwaige terroristische Anschläge“ beschafft. Mit den Bomben, die das Quartett aus den beschlagnahmten Utensilien bauen wollte, hätten Menschen verletzt oder getötet und Gebäude schwer beschädigt werden können. Wie die Deutsche Presseagentur aus Sicherheitskreisen erfuhr, wollten die Terroristen möglicherweise schon am kommenden Wochenende ein erstes Attentat verüben. Die interne Kommunikation der OSS-Mitglieder habe entsprechende Hinweise geliefert.

Für Robert Andreasch von der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle „Aida“ sind Andreas H. und seine Gesinnungsgenossen keine Unbekannten. „Einzelne sind uns schon 2013 durch rechtsextremistische Postings aufgefallen“, sagt er. Spätestens ab Herbst 2014 seien die Neonazis dann als „Oldschool Society“ aufgetreten.

Im Netz schreiben sie, die OSS sei eine „Verbindung, gleichgesinnter Menschen deren Motto lautet: Wieder zurück zu den Wurzeln, zu unseren alten Traditionen.“

Ein Facebook-Link führt in den Münchner Stadtrat

„Wir beobachten die seit Monaten intensiv“, sagt Robert Andreasch. „Sie drohen immer wieder mit der Erschießung von Asylbewerbern, Salafisten oder Sexualstraftätern.“ Dass auch der Verfassungsschutz auf die Seiten der Extremisten gestoßen ist, hält der Rechercheur deshalb für „keine große Leistung“. Zumal die Facebook-Seiten der Neonazis nicht geschützt sind. Bis gestern konnte sie jeder Internetnutzer anklicken, am Nachmittag verschwanden sie plötzlich.

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Besonders intelligent wirken die dumpfen Hass-Parolen der OSS-Protagonisten nicht – gefährlich sind Andreas H. und Co. wohl trotzdem. „Wir wissen ja, was Waffen, Sprengstoff und eine rechte Ideologie anrichten können“, sagt Robert Andreasch und fügt beunruhigt hinzu: „Wenn schon die offene Nazi-Szene mit Waffen posiert und Anschläge plant, was geht dann erst in der konspirativen vor?“

Beunruhigt ist man seit gestern auch im Münchner Rathaus – über die geplanten Attentate, aber auch über eine Spur die von den mutmaßlichen Terroristen direkt in den Stadtrat führt: Der Ultra-Rechte Karl Richter, der seit 2008 für die „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ im Rathaus sitzt, gehört zu den Facebook-Freunden von OSS-Präsident Andreas H. – übrigens genau wie der Stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Manfred Waldukat. „Schockierend“ nennt der Sozialdemokrat Christian Vorländer, Fachsprecher seiner Partei gegen Rechtsextremismus, diese Verbindung. „Das zeigt, wessen Geistes Kind Herr Richter ist.“

Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt, stimmt Vorländer vollkommen zu, sagt aber: „Die bloße Facebook-Freundschaft mit jemandem, der unter dem Verdacht steht, verfassungsfeindlich aktiv gewesen zu sein, ist aller Voraussicht nach kein Grund einen Amtsverlust auszusprechen.“

 

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