Rechte Mord-Serie Der Deal der Nazi-Braut

Beate Z., Uwe Böhnhardt und Uew Mundlos Foto: AZ

Wie viele Komplizen gibt es? Warum haben sich ihre Kumpane umgebracht? Sie will nur gegen Strafrabatt reden. Ein zynisches Video verhöhnt die Opfer, und ein vierter Komplize ist verhaftet.

 

Eine Bande raubt, bombt, mordet. 13 Jahre lang ziehen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und mutmaßlich auch Beate Z. eine Spur tödlichen Terrors durch das Land – aus Hass auf Ausländer. Am Sonntag wurde ein vierter Tatverdächtiger in der Nähe von Hannover festgenommen. Auch er wird dringend verdächtigt, Mitglied der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ zu sein. Die Ermittler haben auch eine DVD, auf der die Täter ihre Opfer verhöhnen. Beate Z. ist in Haft und schweigt.

Das Video: Wie verrückt, zynisch und selbstbewusst die Terroristen sind, zeigt ein Video, das die Ermittler in den Trümmern des gesprengten Hauses von Beate Z. fand. „Paulchen Panther“ ruft zur „Aktion Dönerspieß“ und zeigt einen gerade ermordeten Blumenhändler. Zu sehen ist ein Foto von Enver Simsek. Er liegt in seinem Blut. Er ist das erste Opfer der „Dönermord“-Serie, die der Bande zur Last gelegt wird. Dann zeigt „Paulchen Panther“, die Comic-Figur, eine Deutschlandkarte mit den Tatorten und den Opfern der Mord-Serie. Die berühmte Titelmelodie spielt dazu. Fahndungsaufrufe, Tatortfotos werden eingeblendet und dann: „Heute Aktion Dönerspieß.“

Später erschießt Paulchen Panther einen Polizisten: „Paulchens neue Streiche“. Tatsächlich haben die Täter 2007 auch die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen. Die Macher brüsten sich auf der DVD mit weiteren Anschlägen: einem Attentat in Köln, bei dem 2004 in einem Viertel mit vielen Ausländern 22 Menschen von einer Nagelbombe verletzt wurden. Das Bekkenrviedeo wurde offenbar auch verschickt. Ein Exemplar ging in einem Parteibüro der Linken in Sachsen-Anhalt ein. Die Nazi-Braut: Am 5. November, am Tag, nachdem sich ihre Komplizen in Eisenach in einem Wohnmobil erschossen hatten, stellte sich Beate Z. Zuvor hatte die gelernte Gärtnerin das Haus in die Luft gesprengt, in dem sie mit Böhnhardt, einem Waffennarren, und Mundlos, einem Professorensohn gelebt hatte – nicht ohne die Katzen bei der Nachbarschaft in Obhut zu bringen. „Ich bin die, die Sie suchen“, sagte sie den Ermittlern, und seither nichts mehr.

Offenbar spekuliert die 36-Jährige auf die Kronzeugenregelung, auf einen Strafrabatt, wenn sie auspackt. Gestern Abend wurde Beate Z. dem Ermittlungsrichter des BGH vorgeführt: Dieser erließ einen Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft im terroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“. Vor allem ihre Verbindungen zum Verfassungsschutz dürften interessieren. In der Neonazi-Szene war das Trio seit Anfang der Neunziger Jahre. 1998 waren sie in die Illegalität abgetaucht. Es bestand Haftbefehl, weil sie Bomben verschickt und vor dem Jenaer Stadttheater einen Sprengstoffkoffer mit Hakenkreuz deponiert hatten. 1998 gab es eine Hausdurchsuchung bei den dreien. Es fanden sich Sprengsätze mit 1,4 Kilo TNT. Beate Z. und die beiden anderen konnten sich absetzen. „Sie wurden gewarnt“, vermutete damals ein Zielfahnder.

Mehr als 13 Jahre lebten die drei im Untergrund, in einer Menage à trois, heißt es – die Frau sei mal mit dem einen, mal mit dem anderen zugange gewesen. Sie lebten unter falschen Namen und von Banküberfällen, bis zu 14 wirft ihnen die Bundesanwaltschaft vor. Offen sind viele brennende Fragen. Beate Z. war bislang die Einzige, die Auskunft geben könnte: Woher wusste sie, dass sich ihre beiden Kumpane am 4. November erschossen hatten? Warum haben sich Böhnhardt und Mundlos umgebracht? Warum hat sich die angeblich abgebrühte Komplizin gestellt? Hatte sie mehr Angst vor Kameraden als vor der Polizei?

Der Komplize: Die Bundesanwaltschaft hat einen mutmaßlichen Komplizen des Trios festgenommen, Holger G. (37) werde dringend verdächtigt, Mitglied der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu sein. Auch die mögliche Tatbeteiligung des Beschuldigten an den Morden werde untersucht, hieß es. Der Mann stand seit Ende der 90er Jahre mit den anderen Verdächtigen in Kontakt. Er soll dem Trio 2007 seinen Führerschein und kürzlich seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben. Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum: „Er soll deren fremdenfeindlichen Einstellungen geteilt haben.“ Zudem soll er mehrmals Wohnmobile für die Gruppierung angemietet haben. Eines der Fahrzeuge soll bei dem Mordanschlag auf die Polizistin genutzt worden sein. In einem Wohnmobil töteten sich auch Böhnhardt und Mundlos.

 

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