Rechnungen nicht bezahlt Schuh-Tick bringt Promoter vor Gericht

Nico H. (26) wird von einem Justizwachtmeister in neuen Nike-Sportschuhen aus der U-Haft in den Münchner Gerichtssaal geführt. Er ist geständig und will den Schaden wiedergutmachen. Foto: T. Huber

Er kauft im Internet leidenschaftlich Nike-Schuhe, mehr als 100 Paar stehen in den Regalen in seiner Wohnung. Da Nico H. (26) nie seine Rechnungen bezahlt, sitzt er bereits drei Monate in U-Haft.

 

München Ganz offen spricht Nico H. (26) über seinen Tick für Sportschuhe: „Ich kann nicht anders, wenn ich Schuhe sehe, die mir gefallen, muss ich sie haben.“ An den Schuhsammel-Tick der ehemaligen philippinische First Lady, Imelda Marcos, mit über 1200 Paar kommt der Promoter zwar nicht hin. Aber so um die 100 Paar stehen in seiner Wohnung schon rum. Einige sind sogar noch ungetragen.

Da Nico H. viel bestellt und nicht bezahlt, sitzt er bereits seit drei Monaten in Untersuchungshaft. Jetzt musste er sich vor dem Münchner Schöffengericht wegen Betruges in elf Fällen verantworten. Der Gesamtschaden liegt bei zirka 10000 Euro.

Weißes T-Shirt, dunkle Hose und natürlich neue, blau-schwarze Nike-Schuhe mit einem schneeweißen Sohlenrand. Der Angeklagte sagt: „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich versuche, den Schaden wiedergutzumachen.“ Sein Vater stammt aus Ghana, die Mutter aus Berlin. „Die Schule habe ich mit 17 Jahren verlassen und ich bin früh von zu Hause ausgezogen, stand schnell auf eigenen Beinen“, sagt Nico H., der sich vor Gericht sehr redegewandt gibt.

Eine Lehre macht er nicht, er schlägt sich mit Jobs durch. Vor seiner Festnahme verkauft er Handyverträge. In seiner Freizeit stöbert er oft im Internet nach Sportschuhen: Im Juni 2011 bestellt er in Berlin für 378,90 Euro drei Paar Nike-Sportschuhe. Einen Monat später ordert er online wieder drei Paar von Nike für 336 Euro. Im September lässt er sich eine Nike-Spezial Edition für 150 Euro schicken.

Nicht nur in Online-Shops geht Nico H. auf Einkaufstour. Auch bei ebay und facebook zockt er Nike-Schuhe-Anbieter um mehrere 1000 Euro ab. Um seine Bonität glaubwürdig zu machen, schickt er den Opfern einen Bankauszug per mail.

Auch Zeugin Christine K. (29) fällt auf den Angeklagten rein: „Er hat sich bei mir als Fußballmanager vorgestellt und fuhr mit einem weißen Porsche vor. Ich war beeindruckt.“ Er zeigt ihr auch seine Schuh-Sammlung. „Da war er richtig stolz drauf“, erinnert sich die Kontrollerin, die ihm im Vertrauen 4500 Euro leiht: „Das Geld habe ich bis heute nicht zurück.“

Trotz zwei einschlägiger Vorstrafen, kommt das Gericht dem Antrag von Verteidiger Christian Gerber nach: zwei Jahre auf Bewährung.

 

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