"Unverhältnismäßig brutal"? Aufregung nach Drogen-Razzia auf Goa-Party

Autorenprofil Ruth Schormann
Auf der GOA-Party tanzten einige Gäste mit Drogen im Gepäck. (Symbolbild) Foto: Martin Schutt dpa/lni

Die Beamten seien "unverhältnismäßig brutal" vorgegangen, sagen die Kontrollierten. Die Club-Betreiber fürchten derweil um ihren Ruf.

 

Tettenweis - Von einer ruhig und korrekt abgelaufenen Razzia spricht die Polizei, von Gästen, die sich komplett entkleiden mussten und stundenlang festgehalten wurden, schreibt der Betreiber des "Club Kreuzkeller" im niederbayerischen Tettenweis.

Dort hatte am Wochenende ein Großaufgebot aus 130 Beamten eine Durchsuchung vorgenommen (AZ berichtete).

Mit großem Erfolg für die Polizisten: 30 der 170 kontrollierten Personen waren im Besitz von Betäubungsmitteln, gegen zwei Personen werde wegen des Handels damit ermittelt. Darunter sollen auch Beschäftigte des Veranstalters gewesen sein. Dabei handelt es sich laut den Plakaten für diese "Galaxy of Sounds"-Party um die Passauer Organisaton "Zen Safari".

Dass die Staatshüter fast im Verhältnis 1:1 zu den Besuchern anrückten, erklärt ein Sprecher der niederbayerischen Polizei damit, dass verhindert werden müsse, dass Drogen weggeworfen werden. Dabei waren Polizisten der Bereitschaftspolizei und vom Polizeipräsidium Niederbayern. Sie fanden dort auch Betäubungsmittel, die vorher wohl weggeworfen worden waren und niemandem mehr zugeordnet werden konnten.

Partygäste: Durchsuchung war "unverhältnismäßig"

Nach der Razzia hatten Betroffene das Vorgehen der Polizei im Internet scharf kritisiert. Die Durchsuchung sei "unverhältnismäßig" und "brutal". Der Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, Günther Tomaschko, sagte dem BR: "Dass so viele Beamte bei einer Razzia im Einsatz sind, ist nichts Außergewöhnliches". Medienberichten zufolge hätten sich manche Besucher, "ohne irgendeinen Verdacht" komplett ausziehen und an Körperöffnungen durchsuchen lassen müssen.

Dem entgegnet ein Polizeisprecher, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich jemand ganz ausziehen musste. Allerdings sei das bloße Abtasten der Kleidung nicht zielführend, denn man könnte Drogen direkt am Körper verstecken, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Auch an Jugendliche sollen Drogen abgegeben worden sein. Dabei handelte es sich laut Polizei um verschiedene Mittel, von Amphetaminen bis zu Ecstasy.

Die Veranstalter schreiben auf ihrer Facebook-Seite, die Aktion sei gegen die ganze Goa-Szene zu sehen, was ein Polizeisprecher wohl den Kreuzkeller-Betreibern bestätigt habe. Die Musikbewegung entspringt dem Trance und Techno und hat ihren Ursprung in dem gleichnamigen Bundesstaat Indiens.

Club-Betreiber: "Einige schlagen über die Stränge"

Mit Goa verbinden Feiernde mittlerweile vorwiegend elektronische Musik, Partys unter freiem Himmel und das Konsumieren von Pilzen, Marihuana oder anderen Drogen.

"Einige schlagen über die Stränge, das ist uns bewusst", räumen die Kreuzkeller-Betreiber im Nachhinein ein, betonen aber gleichzeitig, dass sie durch Türsteher Kontrollen durchführen, diese aber "letztlich machtlos" seien. "Der Betrieb im Kreuzkeller geht weiter", schließen die Betreiber ihr Statement, das von den Gästen viel Zuspruch auf Facebook erfährt.

Zwar kündigt der Kreuzkeller-Club an, sich in Kürze mit der Polizei über künftige Präventionsmaßnahmen zu beraten, jedoch lasse sich über die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes streiten. Die Party-Gäste hätten stundenlang in der Kälte ausharren und auf ihre Leibesvisitation warten müssen, schildern Besucher auf Facebook.

Zwei Personen kollabierten bei der Razzia

Die Betreiber betonen, dass ihre Mitarbeiter ebenfalls durchsucht wurden, aber "sauber" waren, sie nur die Location stellen und es sich um eine "Fremdveranstaltung aus dem Bereich Goa" handelte. Der eigentliche Party-Veranstalter war "Zen Safari" aus Passau.

Zu der Durchsuchung kam es, weil die Kripo im Vorfeld schon umfangreich ermittelt habe und auch Hinweise über den Drogenkonsum auf diesen Veranstaltungen von besorgten Eltern eingegangen waren, teilt die Polizei mit. Im Anschluss an die Razzia durchsuchte die Polizei noch vier Wohnungen von Tatverdächtigen.

Während der Durchsuchungsmaßnahmen kollabierten zwei Personen vermutlich wegen vorangegangen Drogenkonsums und mussten durch den verständigten Rettungsdienst medizinisch betreut werden, erklärt die Polizei.

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