Rathaus Unsere Fleischbrücke hat schon wieder ein Korsett

Am Montag geht die Sanierung der Fleischbrücke in die zweite Runde. Das Stahlkorsett für die Arbeiter ist schon installiert. Die Gondeln vom venezianischen Markt fahren weiter. Foto: Berny Meyer

Nun wird die Unterseite des 412 Jahre alten Bauwerks hergerichtet – auch die Sanierung des baufälligen Kettenstegs beginnt

 

NÜRNBERG Schon wieder! Eine Gerüstkonstruktion verhüllt die Fleischbrücke. Oben vergnügen sich die Passanten beim Venezianischen Markt. Doch unten bröckelt die Brücke. Und das, obwohl das 412 Jahre alte Bauwerk (Vollendung 1598) erst in den Jahren 2004 und 2005 aufwändig saniert wurde! Was auf den ersten Blick nach Pfusch am Bau aussieht, hat einen im wahren Sinne des Wortes tiefergehenden Grund...

Denn das 27 Meter überspannende Brücken-Konstrukt wurde vor fünf Jahren nur an der Oberfläche renoviert: 17.900 Pflastersteine wurden neu verlegt. Über die Jahrhunderte haben Schmelzwasser und Regen die Sandsteinkonstruktion darunter mürbe gemacht. Diese haben die Arbeiter abgedichtet. „Das Mauerwerk musste nun komplett durchtrocknen“, erklärt Ulrike Goeken-Haidl vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR). Ab dem 3. Mai beginnt SÖR nun mit dem zweiten Teil der Sanierung.

Bauarbeiten am Kettensteg sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein

Risse und kleine Löcher in den Steinen an der Unterseite der Brücke werden mit Spezialzement gefüllt. Über größere Abplatzungen kommen neue Sandsteinplatten. Bis Mitte Oktober sollen die Arbeiten beendet und das Gerüst und die zwei Pontons für die Arbeiter wieder abgebaut sein. Kosten für den zweiten Bauabschnitt: 293.000 Euro. Der erste Abschnitt kostete 900.000 Euro.

Auch die Sanierung des maroden Kettenstegs (Baujahr 1824), der wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, läuft am Montag an. Die Bauarbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Zuerst werden die alten Bauteile und die Stützkonstruktion in der Pegnitz entfernt. Anschließend können die Arbeiten am Tragwerk beginnen. Zum Schluss erfolgt der Wiederaufbau der restaurierten, historischen Teile: Pylonen, Ketten und Hänger.

Für die Sanierung des Kettenstegs, der ersten eisernen Hängebrücke auf dem europäischen Festland, stellt der Kämmerer 500.000 Euro zusätzlich aus dem Brückensanierungsprogramm zur Verfügung.

Michael Reiner

 

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