Rathaus Umbau des Grünwalders ist perfekt

Das Grünwalder Stadtion. Foto: Martha Schlüter

MÜNCHEN - Der Münchner Stadtrat votiert einstimmig für eine 10,28 Millionen Euro teure, drittligataugliche Sanierung des alten Kult-Stadions. Dennoch dürfen die Sechzger bis März ihre Neubaupläne weiter prüfen.

Im Geiste ist es schon oft abgerissen und durch ein Einkaufszentrum oder einen Hoteltempel ersetzt worden. Doch das altehrwürdige Grünwalder Stadion hat alles überlebt. Zehn Jahre plus X ist die neue Formel für das Lebensalter des Löwen-Kultstadions. Am Mittwoch beschloss der Sportausschuss des Stadtrats, das Grünwalder für 10,28 Millionen Euro zu sanieren und mit 12000 Zuschauerplätzen drittligatauglich zu machen.

Und was ist jetzt mit den großen Rückzugs-Plänen der Löwen aus der Allianz Arena ins Grünwalder? Mit dieser Sanierung ist eine Rückkehr für Erst- und Zweitligaspiele ausdrücklich ausgeschlossen. Einzige Ausnahme: Die Frauenmannschaft des FC Bayern, die in der 1. Frauenbundesliga ist und in Aschheim spielen muss. Diese Roten sollen ins blaue Stadion dürfen.

Und was ist mit Udes Versprechen? Er hat dem TSV 1860 kürzlich schriftlich zugesagt, dass die Sechzger bis Ende März ihre Pläne für einen 70 bis 100 Millionen Euro teuren bundesligatauglichen Umbau des Grünwalders prüfen dürfen. Bis dahin müssen sie abklären, ob sie aus den Verträgen mit dem FC Bayern für die Allianz Arena aussteigen können. Ist das kein Widerspruch zum Sanierungsbeschluss von gestern?

Ude: "Vergebliche Liebesmüh"

Der OB sagt: Nein. Die Verwaltung braucht jetzt Monate, um überhaupt die Ausschreibung für die Sanierungsarbeiten vorzubereiten: „Deshalb kann der Verein diese Zeitspanne nutzen, um etwas zu prüfen, was wir für unmöglich halten.“ Das Einzige, was umgehend passiert, sind dringende Reparaturen für den aktuellen Spielbetrieb im Wert von 500.000 Euro. Ude: „Das bringt keine Verzögerung.“

Und was ist, wenn die Löwen bis März das blaue Wunder schaffen, aus den Arena-Verträgen aussteigen und das Grünwalder umbauen können? Dann kann der Stadtrat immer noch anders entscheiden. Für Ude ist das aber „vergebliche Liebesmüh“. Im AZ-Interview sagte er: „Zunächst ist die Stadt Eigentümer des Stadions. Sie ist nicht in der Lage, einen Neubau zu errichten. Ich habe noch nie einen Investor kennen gelernt, der zig Millionen für die Sechzger aus der Westentasche zieht. Das sind hirnrissige Illusionen! Selbst wenn mal ein Investor kommen würde, müsste er sich ans Planungsrecht halten.“ Und demnach dürfe dort kein neues Stadion genehmigt werden. Der Bestandsschutz für das Stadion fällt weg, sobald es in der jetzigen Größe für 12 000 Zuschauer verändert wird, so LBK-Chef Cornelius Mager. Vor allem aus Gründen des Lärmschutzes vor und nach den Spielen und des Verkehrs.

„Sechzig ist drei Punkte vom Abstieg in die dritte Liga, kann sich die Allianz Arena nicht leisten und jetzt redet ihr vom neuen Stadion!“ ätzte Stadtrat Mario Schmidbauer: „Wer zahlt das denn alles?“ So sahen das gestern auch die Sport-Stadträte. „Wir stimmen dem Umbau zu“, sagten SPD, Grüne, CSU und die Linke im Sportausschuss. Die FDP wollte den Beschluss bis März aufschieben, aber da zogen die anderen Parteien nicht mit. „Wenn Sechzig aus der 2. Bundesliga absteigt, dann haben sie schon ein drittligataugliches Stadion“, so Grünen-Stadträtin Jutta Koller. „Was mich wahnsinnig ärgert, ist, dass die erfolgreichen Fußballfrauen in München bisher kein Stadion haben. Jede Männer-Elf hat einen eigenen Platz, nur die Frauen müssen auswärts spielen.“ „Das Stadion wird dort von der Bevölkerung akzeptiert“, sagt Verena Dietl, Sportsprecherin der SPD: „Jetzt wollen wir für die dritte Liga die bestmögliche Sanierung und keinen Reparaturen-Fleckerlteppich.“

Wie berichtet, umfasst die 10,28 Millionen Euro teure Sanierung – während des Spielbetriebs – neue Einzelsitze, eine neue Flutlichtanlage, tiefer gelegten Rasen, Neubau der Tribünenstufen Ost und Westkurve, Brandschutz sowie neue Zuschauer-WCs.

Eine Rettung für immer? „Wir brauchen das Stadion, sonst müssen wir für die vier Amateur-Mannschaften, die dort heute spielen, andere Plätze bauen“, so Dietl. Und Jutta Koller meint: Die Abrissdiskussion können nach zehn Jahren plus x unsere Nachfolger führen.“

Was die Stadt sonst noch im Sport finanziert

Alles nur die die „Großen“ im Sport? Über Jahre und Jahrzehnte haben kleine Vereine und Schulen unter, mal vorsichtig gesagt, nicht gerade optimalen Bedingungen Sport betrieben. Das lag auch an der Finanzkrise der Stadt. Doch in den nächsten Jahren wird die Stadt in Schulhallen und Vereinsanlagen zig Millionen Euro investieren. Allein in den Schulsporthallen müssen mindestens 2,7 Millionen Euro investiert werden, um die dringendsten Reparaturen und Neuanschaffungen bezahlen zu können: Uralte Matten müssen ausgetauscht oder Basketballkörbe absturzsicher gemacht werden. Deshalb beschloss der Sportausschuss gestern auch eine drastische Erhöhung des Etats für Schulsporthallen: Für 2010 auf 700 000 Euro, 2011 auf 1,3 Millionen und ab 2012 auf eine Million Euro jährlich (statt bisher rund 500 000 im Jahr). Darüber hinaus sind acht Bauprojekte für städtische Sportanlagen in der Planung mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 24 Millionen Euro. Eine neue Sportanlage plant die Stadt auf einem 2,4 Hektar großen Gelände des alten Virginiadepots im Norden: Besonders für Trendsportarten. Was aus der Rudi-Sedlmayer-Halle wird, weiß heute keiner, die steht schon wieder leer. Der Ökumenische Kirchentag im Mai in München ist hier eine Hilfe für den Sport: Weil die sanitären Anlagen teils in einem so heruntergekommenen Zustand sind, dass man sie den Kirchentag-Gästen (die dort untergebracht werden) nicht zumuten könne, werden sie vorzeitig bis Mai saniert. Gesamtkosten: 21,35 Millionen Euro.

Willi Bock, og

 

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